Es passiert so viel die Tage über, dass wir schon gar nicht mehr zum Schreiben kommen. Darum fasse ich mal die letzten Tage zusammen und beginne mit der frohen Botschaft: die Rede ist nämlich vom Bauchnabel, bzw. dem Nabelschnurrest...
Heute morgen hat sich der braune, vertrocknete Nabelschnurrest endlich gelöst, nun ist nur noch ein brauner kleiner Rest vorhanden, der wohl auch demnächst verschwindet. Wir müssen uns nun keine Sorgen mehr darüber machen, ob das kleine Julchen vielleicht eine versteckte Imunschwäche hat. Das sieht das kritische Ärzteauge, bzw. der Halbwissende daneben.
Gut nachvollziehen konnten das die Kolleginnen und Kollegen von Yvi, die wir heute in der Kinderklinik (rein informell zum Angeben mit der Trophäe - keine Sorge, ist nix passiert) besucht haben. Schlimm so viel Fachwissen, da sieht man Dinge, auf die der Rest der Welt nicht mal kommen könnte. Aber das passiert allen so, insofern können wir uns trösten. Mir geht es ja nicht anders, ich kann eine lausige Verkabelung oder miese IT auch nicht sehen, ohne den inneren Drang unterdrücken zu müssen, mich sofort an die Beseitigung derselben zu machen. Oder einfach mal elektronisches Spielzeug zu kaufen, ohne mich vorher stunden- bzw. (in dem Fall) tagelang mit Tests, Berichten und Datenblättern zu beschäftigen, um mich auch wirklich für den perfekten Camcorder zu entscheiden.
Denn den gab es diese Woche endlich auch noch (um genau zu sein kam sie heute an) - nachdem wir schon mehrmals fasziniert die Mimik unserer Kleinen beobachtet und beschlossen haben: das muss jetzt unbedingt für die Nachwelt dokumentiert werden. Und damit wird aus dem kleinen Julchen nicht nur mein Lieblingsfotoobjekt, sondern jetzt auch mein Lieblingsfilmobjekt... :) ich glaube sie mag mich bald nicht mehr so gerne ;)
Aber damit sind wir wieder bei der eigentlichen Hauptperson dieses Blogs. Denn die Kleine lernt unheimlich viel in der kurzen Zeit dazu und verändert sich noch schneller. Die Händchen können sich schon ziemlich gut gegenseitig greifen, die (auf griffweite tiefergehängte) Ente im Spielbogendingsaufstellteil (wie auch immer das heißen mag - googelt es selbst) trifft sie mit guter Regelmäßigkeit wie einen Punchingball genauso wie den kleinen Rasselschafskopf, den sie irgendwie immer an ihr Gesichtchen bugsiert.
Jetzt beginnt sie auch immer mal wieder die Beinchen anzuziehen und mit den Händen (noch zugegebenermaßen etwas unkoordiniert) danach zu angeln. Das klappt vermutlich auch bald. Ich bin mir absolut und zu mindestens wenn nicht noch mehr sicher, dass wir nichts in irgendwelche unkoordinierten Muskelreflexe reininterpretieren. Wir haben einfach ein unglaublich begabtes und intelligentes Kind - ganz die Eltern halt ;)
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| Das Spielbogendingsaufstellteil | Der unendlich geliebte Rasselschafskopf |
Leider hatte das Baden ein doofes Nachspiel: die Kleine häutet sich momentan wie eine Schlange. Was sind wir nur für Rabeneltern! Wir haben es schon mit allen möglichen Ölen, Cremes und Hausmittelchen probiert - ohne Erfolg. Also zumindest temporärer Erfolg, aber ein paar Stunden später sah es noch schrecklicher aus. Die gute Hebamme Katharina hat uns allerdings nach panischem Anruf und sündhaftteurem Apothekeneinkauf beruhigt: da könnten wir machen was wir wollten, das wird nach jedem Baden so sein. Aber das Ergebnis wird wie eben bei besagter häutenden Schlange sein: sie sieht danach noch hübscher aus... wir warten jetzt darauf, dass unsere kleine Schlange demnächst gehäutet und hübsch Mäuse jagt ;)
Vorher war das nicht so... ja aber was genau war eigentlich vorher? Protestierend schwingt in mir der erhobene Zeigefinger hoch! Unsere kleine Maus ist inzwischen schon immerhin... also 2 1/2 Wochen alt...! Wirklich erst? Das kommt uns schon deutlich länger vor. Inzwischen fragen wir uns ernsthaft: wie war das denn vorher, so ohne die kleine Juliane? Fühlt sich wie ein anderes Leben an, das unendlich weit weg ist! Nicht zu fassen. Uns wurden im Vorfeld von unterschiedlicher Seite die Weisheit gesagt: alles wird sich ändern! Ihr werdet für nichts mehr Zeit haben (wann verkaufst Du eigentlich Dein Rennrad, kommst Du eh nicht mehr dazu) - ihr werdet es sehen...
Natürlich haben wir das lächelnd abgetan (gut, ich habe schon ein wenig in Sorge auf meinen demnächst wachsenden Bauch geschielt, der sich mangels Sport endlich dahin ausbreiten kann, wohin er schon immer wollte, der Schwerkraft entgegen). Lediglich ein Freund hat das tatsächlich auf den richtigen Punkt gebracht: Du hast tatsächlich für Deine bisherigen Aktivitäten zwar nicht keine aber doch deutlich weniger Zeit, denn Du willst die Zeit damit gar nicht mehr verbringen, sondern mit Deinen Kindern.
Recht hat er! Und alle anderen im Prinzip ja auch, auch wenn die Aussagen manchmal für (zu dem Zeitpunkt) Kinderlose ein wenig deprimierend perspektivlos rübergekommen sind. Tatsächlich habe ich mich erwischt, wie es mich an einem mehr oder weniger fahrbaren Tag nicht aufs Rennrad rausgezogen hat. Schon die Vorstellung, demnächst wieder arbeiten zu gehen und damit auch unterwegs zu sein, weckt in mir gerade keine großen Begeisterungsstürme. Da lässt auch Yvis Aussicht ein Jahr mit der Kleinen täglich verbringen zu können nur den Gedanken aufkommen: wie, nur ein Jahr? Schon verrückt, was mit einem so passiert. Aber im Prinzip hat sich die Natur ja schon was dabei gedacht, sonst blieben die Kleinen ja auf der Strecke. Wie verroht muss man sein, wenn man mit Kindern nicht so denkt...
Aber warten wir mal ab, was die Zeit so mit uns macht. Wir werden uns auch wieder an den Gang zur täglichen (nicht-häuslichen) Arbeit gewöhnen und vielleicht (und eventuell) auch nicht mehr unser kleines Julchen täglich fasziniert anstarren müssen... und bis dahin genießen wir es einfach und starren sie an :)
Übrigens haben wir kleine Familie uns alle gut aneinander gewöhnt. Nur nachts gibt es noch Verbesserungspotential. Die Kleine hat damit allerdings weniger das Problem - eher die beiden Alten. Denn wir hören jede Bewegung, jede Regung, jedes Geräusch und jedes Oioioioi unseres neuen Mitbewohners. Ansonsten will sie in der Regel nur 2-3 mal nachts trinken: so gegen 23 Uhr, so gegen 3 und dann meist erst wieder um 7 oder 8 Uhr (die Angaben sind übrigens ohne Gewähr - ich verpenn die meisten Stillaktionen ja :)). Das klappt allerdings auch erst seit wir herausgefunden haben, dass Säuglinge auch beim Stillen Luft schlucken können und daher idealerweise danach aufstoßen sollten, sollen sie sich nicht im Bett geräuschvoll winden und stöhnen. Ein innovativer Pilotversuch hat das kleinen Stillmonster auch gleich positiv quittiert, als die im Magen angesammelte Luft mit einem röhrenden Rülpser, die einem Rocker an die Wand gedrückt hätte, entwichen ist. Danach ging das Schlafen (zumindest bei ihr) deutlich besser.
Uns dagegen beschert dieser oberflächliche Schlaf einen doch etwas unterschätzten Schlafmangel, der wohl in die sogenannte Stilldemenz führt. Bei mir drückt sich das als Solidaritäts-Stilldemenz aus. Und so kommen bspw. diese grotesken Dialog abends auf dem Sofa zustande:
- Also die Kartoffeln im Gratin sind aber teilweise noch etwas hart.
- Nein, das sind nicht die Kartoffeln, sondern die Zucchini.
- Was denn für eine Zucchini? Ach stimmt da sind ja noch die... also die Dings, wie heißen sie noch gleich... keine Zucchini sondern...
- Hä, was meinst Du denn jetzt?
- Na, wir haben doch zu den Kartoffeln die grünen Dinger da reingeschnippelt. Also, die machen wir doch auch als Schnitze...
- Schnitze? *grübel - aaaaah, ja richtig, die...
- Verdammt, ich komm nicht drauf *grübel
- Kohlrabi!
- Ja genau - oh man, Scheiß Stilldemenz
Und so weiter. Das passiert uns dauernd. Wir vergessen Überweisungen zu machen, Anrufe zu tätigen, Geburtstage, Einkäufe... Das macht einen fertig. Wie soll das nur werden, wenn ich wieder im Projekt bin? Herr Müller, ich habe jetzt den... also den Dings, den - verdammt, wie heißt das graue Ding noch gleich? - Server? - Ja genau, danke den hab ich neu gestartet... Na Prost Mahlzeit.
Apropos Mahlzeit: mein Essen habe ich erst im Kühlschrank und nun auch noch in der Microwelle vergessen - das hole ich mir jetzt und esse das, bevor es wieder ganz kalt ist. 'n Guten!
PS: ein langer Bericht, es ist aber auch viel passiert in den wenigen Tagen... So schnell und viel kann man gar nicht schreiben...
