Ja, irgendwann ist der Moment da! Das Kind verlässt das Haus - schnüff!
Unsere Kleine geht jetzt in die Kita. Schlimmer noch: in eine Waldorfkita. Also: "in eine Waldorfkita - Du!" Lauter sozialpädagogische Ökos, die den Willkommensgruß tanzen und keinen ihrer Sätze in vernebelter Langsamkeit gesprochen abschließen ohne ein "Du" am Ende.
Und wir mittendrin! Berater trifft Gutmensch...
Soviel zum Klischee! Ein Glück ist es nicht so - außer vielleicht der Öko-Note zumindest der Eltern. Aber wir haben uns verschiedene Kitas angeschaut und sind so schockiert darüber gewesen, was da zum Teil für triste Einrichtungen dabei sind, dass zwischenzeitlich eine Tagesmutter oder Au-Pair weit vorne im Rennen waren. Vor allem die Au-Pair war wegen der großartigen Möglichkeit ein heißer Favorit unsere Tochter von klein auf mit einer Fremdsprache aufwachsen zu lassen. Hier ist das Stichwort "heiß! Und Portugiesisch ist eine durchaus weltrelevante Sprache, die die heißblütige 18jährige Brasilianerin von der Copacabana spricht. Leider konnte sich Papa auch nicht mit der schwedischen Alternative durchsetzen. Kleinkarierte Welt! :(
Jetzt geht unser Kind also in die Kita. Zwar nur 3 Tage die Woche mit der Mama für 3 Stunden während der Eingewöhnungsphase, aber doch ein nächster großer Schritt! Bis jetzt gefällt es ihr sehr gut.
Da sie bisher noch ein Einzelkind ist (und liebe Großeltern: selbst wenn wir Gas geben würden und das Zweite schon unterwegs wäre, könnte Juliane noch nicht mit ihm spielen!) fehlt ihr schlicht und ergreifend die Interaktion mit anderen Kindern - sprich: Spielgefährten. In der Kita ist sie daher total fasziniert von den anderen Kindern, die alle zwischen 1 1/2 und 3 sind - und die anderen Kinder von ihr, denn sie kann im Gegensatz zu ihnen weder laufen noch sprechen. Das finden beide Seiten sehr spannend!
Sehr zu Mamas Bedauern schert sich das Julchen auch erstmal gar nicht darum, ob sie da ist oder nicht. Aber keine Sorge, die Sehnsucht kommt schnell von alleine. Meist nach ca. einer Stunde.
Sie kann mit vielen Spielsachen spielen, wird von den anderen (interessanterweise fast ausschließlich den Mädels) bespaßt und findet alles wahnsinnig interessant um es gleich mal zu erkundigen. Und wir merken schon, was das für einen Schub in ihr auslöst. Bspw. klappt das Treppen hoch und runterklettern (sprich vorher umdrehen, bevor es abwärts geht) schon sehr gut. Und auch die Stimmbänder erleben gerade eine Metarmorphose weg vom "Fiepsen" hin zu "lautes Rufen". Das ist in dem Gewusel auch notwendig, um auf sich aufmerksam zu machen.
Sie isst auch fleißig mit und verblüfft bereits die Erzieher, wenn sie spachtelt wie ein Weltmeister. Nix da mit "...unsere Tochter isst nur ganz Feinpüriertes..." oder "...unser Sohn isst einfach kein Gemüse… bla bla bla". Auf Julianes essverhalten eines Staubsaugers ist Verlass :).
Allerdings gibt es doch noch leichte Verständigungsprobleme zwischen Kind und Erziehern. Da die anderen Kinder ja schon älter sind und entsprechend Besteck benutzen und aus Tassen trinken kommt es noch zu witzigen Szenen wie beispielsweise der Moment, als der Erzieher Michael (englisch gesprochen [mī'kəl]) Julianes Fläschchen vor sie stellte, damit sie etwas trinken kann.
In ihrer unnachahmlichen Art hat sie erst irritiert auf das Fläschchen geschaut, dann auf Michael, dann nochmal aufs Fläschchen, ihre Gesicht verzogen, den Arm so lang gestreckt wie es nur ging und protestierend auf das Fläschchen gezeigt, während sie ihn dabei mit einem vorwurfsvollen "ääääääääääääääääähhhhhhhhh" angoscht :D
Wir wissen natürlich was das heißt: Michael, Du Vollpfosten, ich bin 11 Monate alt! Wie soll ich denn mein Fläschchen so hoch halten, dass ich etwas daraus trinken kann? Mann!
Yvonne hat das Problem schnell aufgeklärt und Mirijam (die am gleichen Tag wie Juliane Geburtstag hat und daher unbedingt das Julchen in ihrer Gruppe haben wollte) hat auch gleich ziemlich nett reagiert mit einem "Danke Juliane, dass Du uns gleich darauf hinweist, dass Du noch nicht selbst aus Deinem Fläschchen trinken kannst...". Na also, geht doch!
Sie entschädigt dann aber auch wieder, wenn sie mit einer Hingabe am Sauger nuckelt und dabei die Augen fast schon in Trance genießend verdreht :)
Nach drei Stunden ist dann allerdings nicht nur "Flasche leer" (mit einem freundlichen Gruß an Trapattoni) sondern auch ihre Akkus. Sie schläft nach wenigen Sekunden im Kinderwagen ein und wacht erst nach 1-2 Stunden wieder auf. Papa würde sagen: BufferOverflowException :)
Wir berichten weiter :)
