An unserem bereits letzten Tag in Toronto sind wir dann zu den Niagarafällen mit unserem "Tour-,Auto- und Unterhaltungsguide" Philip gefahren, der uns netterweise begleitet hat - virtuellen Calls sei dank ;-)
Denn er ist mittlerweile nicht nur Professor an der University of Toronto, sondern auch ein vielbeschäftigter, erfolgreicher Unternehmer für seine Biotech-Startups - und auch steinreich, wenn die Venture Capital Unternehmen die restlichen Millionen investieren, wie er uns lachend erklärt.
Aber die moderne Welt hat nicht nur seit Corona u.a. die Videokonferenzen von jedem Ort dieser Welt ermöglicht, solange Internet verfügbar ist. Und so hat er seine Calls von unterwegs aus gemacht und seine Videokonferenz, bei der er als Chef der Leiter war, eben von den Niagarafällen.
So haben wir die ca. 1,5 stündige Fahrt in spannenden Gesprächen verbracht und neben privaten auch viele kanadische Themen diskutiert.
Unter anderem haben wir aus Philips Schilderungen von den vielen tollen Weingütern rund um Niagara und Vancouver erfahren. Hier werden vor allem tolle kanadische Weiß- sowie Eisweine erzeugt. Das habe ich mir für den ersten Einkauf im Wohnwagen notiert.
Auch die historisch bedingte Besonderheit, dass alles neben Englisch auch in Französisch angegeben ist, war Thema. Eigentlich wäre Hindi oder Mandarin viel naheliegender, da die größten Bevölkerungsgruppen in Kanada aus Indien und China stammt. Aber eine französische Minderheit verteidigt diese anachronistische Tradition eisern, wie Philip selbst in einer früheren Beziehung hautnah erlebt hat.
Zu guter Letzt sind wir bei den doch nicht unerheblich teuren Lebenshaltungskosten in Kanada angekommen. Gefühlt kostet alles irgendwie mindestens 5 CAD - nur Fleisch ist erstaunlicher billig. Philip hat lachend erklärt, dass er in Deutschland mal einkaufen war und sich über die niedrigen 7,56 € im Aldi gewundert hat. Sicherheitshalber hat er der Kassiererin erklärt, dass alles auf dem Band seins wäre. Die muss ihn wohl entsprechend angeschaut haben :D Man muss wohl ab und an mal über den Ländertellerrand rausblicken, um sich bewusst zu machen, dass wir in Deutschland in vielerlei Hinsicht günstige Lebenshaltungskosten haben (das mag sich sicherlich bei Steuern und Sozialabgaben anders verhalten). Allerdings haben die Kanadier auch nicht so irrsinnig hohe Gehälter - außer man ist Polizist, die dank Gewerkschaften bei 100.000 CAD Einstiegsgehalt liegen. Darum gibt es auch so viele private Sicherheitsdienste, da die Gehälter da natürlich entsprechend niedriger sind. Ein Uber-Fahrer hat mir erklärt, dass er als Koch nicht von dem Gehalt leben kann, außer ihm gehört das Restaurant. Stattdessen fuhr er lange Taxi und ist heute als Uber-Fahrer sehr zufrieden mit seinem Einkommen.
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Bei den Niagarafällen angekommen war hier schon ganz ordentlich was los. Obwohl ich die Niagarafälle schon mehrfach gesehen haben, sind ihre Wassermassen einfach imposant. So haben wir uns dem restlichen Touristenstrom angeschlossen, um die Wasserfälle zu bewundern und mit unseren Kindern die Bootstour unter die beeindruckenden Wasserfälle zu machen, was nass war und viel Spaß gemacht hat.
Danach haben wir auf Philips Vorschlag noch einen Abstecher nach Niagara on the Lake gemacht. Großartige Idee! Denn dieser kleinen, idyllischem Ort ist wie aus einer Weihnachtsfilm- oder Romantikkulisse entsprungen. Kleine Lädchen mit unterschiedlichster Schaufenstern säumen die Hauptstraße neben der Kirche und dem steinernem Rathaus - was diese von den anderen Holzhäusern unterscheidet. Eine schöne Atmosphäre, die wir mit einem Eis bummelnd genossen haben.
Auf dem Weg nach Niagara on the Lake haben wir an einem der vielen riesigen Wasserkraftwerke angehalten. Kanada gewinnt immerhin 80% aus Wasserkraft und 20% aus Atomstrom. Gas, Kohle und Öl werden weder für Wärme- noch Stromgewinnung ernsthaft genutzt. So verwundert es nicht, dass Strom so billig ist, dass damit auch im durchaus harten und langen kanadischen Winter geheizt wird.
Abends haben uns Philip und seine Frau Jiyoung auch noch zu sich nach Hause zum kanadisch-koreanischen Essen eingeladen. Diesen besonderen Tag und Abend haben wir mit einer Flasche kanadischen Eiswein abgerundet. Es war großartig!
Und so haben wir uns bis hoffentlich zum nächsten mal - dann aber in Ulm - verabschiedet, bevor es weiter am nächsten frühen Morgen nach Vancouver und damit zu unserer Wohnmobilreise ging.
Es war herrlich meine alten jungen Freund Philip aus USA-Zeiten 1997/1998 mal wieder und vor allem über ein paar Tage zu sehen! Obwohl wir uns nicht so oft irgendwo in der Welt treffen, fühlt es sich so vertraut an, als ob es erst gestern war.
Es war ein wunderbarer Urlaubsauftakt mit tollen persönlichen Gesprächen, für den ich sehr dankbar bin - und ich hoffe, dass wir uns bald wiedersehen werden!