Der Windelbomber ist aufmunitioniert!
Der 95plus Premium Rimor mit seinen 7,40 m Länge, 2,3m Breite und 2,90m Höhe ist endlich beladen! Gefühlt haben wir unseren halben Hausstand mitgenommen - den platten Reifen nach zu urteilen allerdings wohl den Gesamten!
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Der Windelbomber |
Kreuz und Quer stehen Kisten im Wohnmobil, Fächer sind chaotisch gefüllt und die Garage ist zum Brechen voll. Na gut, wir sind ca. 6 1/2 Wochen unterwegs, da muss man schon einiges mitnehmen! Mit 25 Kilo Spätzle, 45 Dosen Ravioli, einer halben Kuh und 8 Kisten Bier sollten wir durchkommen - und erfreulicherweise können wir jetzt auch 12 Wochen lang Tabletten gegen Durchfall nehmen. Immerhin konnten wir uns darauf einigen, dass der regionale Nischenanbieter Progter & Gamble seine Produkte möglicherweise auch in Frankreich und Spanien anbietet.
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Ein Blick in den Kühlschrank... nur ein bisschen Karottenlastig |
Trotzdem geht im Kopf laufend der Gedanke um irgendwas Elementares auf jeden Fall vergessen zu haben. Allerdings ist es jetzt bereits halb 4 und wir wollen ja noch zu Friedi und Pele nach Zug bei Zürich. Da haben wir noch gute 3,5-4 Stunden Fahrt vor uns. Also los jetzt!
Aber das "los jetzt" gestaltet sich schwierig, denn offensichtlich sind italienische Sicherheitsgurte nicht dafür gemacht einen Maxi-Cosi anzuschnallen. Wir würgen und ächzen, ziehen und zerren, aber es fehlen die letzten Zentimeter. Wir waren schon dabei Juliane auch hier auf dem Beifahrersitz zu schnallen - nur wie schaltet man hier den Beifahrer-Airbag ab? (Das Problem kennen wir all zu gut von einem anderen Fahrzeug!). Irgendwie schaffen wir es doch den Maxi-Cosi anzuschnallen, da taucht schon die nächste Herausforderung auf (von Problemen will ich da mal nicht sprechen) - übrigens nicht das letzte, soviel sei schon mal verraten.
Die Campertür lässt sich nicht dicht schließen. Verdammte Hacke! Also Werkzeug raus und das Ding neu einstellen… dabei feststellen, dass es jetzt falsch eingestellt ist und noch schlechter schließt… mal kurz ingenieursmäßig nachdenken und darauf kommen, das mit genügend Druck… Schraubenschlüssel her… das kann doch nicht so schwer sein… fluch… klack und zu! Ha, Sieg der Gewalt über filigrane Technik. Was ein Akkuschrauber und 25 Spax nicht alles erreichen! Nun muss die Tür halt bis Mitte November geschlossen bleiben - man kommt auch über die Seitenfenster bequem rein und raus. (Ach ja, der Maxi-Cosi bewegt sich auf der Reise auch nirgends mehr hin, sondern bleibt genau so angeschnallt, wie er jetzt ist)
Jetzt nur noch mit dem 7,4m Schlachtschiff ausparken und los geht's. Jaaaa: on the road again. So müssen sich Trucker fühlen! Freiheit wir kommen Dir entgegen… zumindest bis zum Echterdinger Kreuz. Dann verabschiedet sich die Freiheit der Straße und wir stehen im Stau. Exakt 100m nach der Ausfahrt fällt mir auch endlich ein, was ich vergessen habe: meine Sonnenbrille! Das kann doch nicht wahr sein! Schnell im Kopf die Optionen durchgehen, bevor ich den weiblichen Zorn der Rückbank auf mich ziehe:
- Umdrehen? Blöd, wenn man jetzt schon im Stau steht und mit der Maximalgeschwindigkeit von schwimmenden 140 km/h zurück fährt, das dauert ja ewig!
- Nachschicken lassen? Aber wohin? Wohnmobilgasse 3 in 95plus Premium Rimor?
- Eine Neue kaufen? Da es eine geschliffene Brille ist, kann ich maximal mit einer gekauften Sonnenbrille mit tellergroßen Gläsern rumlaufen, die über meine eigene Brille passt… hmmm, wäre eine Option!
- Daheim lassen? Gerade unser Ziel der südlichen Länder mit viel Sonne (toitoitoi) spricht leider genau dagegen.
Yvis Vorschlag, es könnte doch eine der Mamas "kurz" nach Aichelberg fahren, während wir den Stau hinter uns bringen und umdrehen. Genau so machen wir es und meinen Mama holt freundlicherweise die Sonnenbrille (danke nochmal an der Stelle!) - nicht ohne von unserem Vermieter ironisch gefragt zu werden, ob wir jetzt wirklich weg wären… sicher? Endgültig? Ja ja, hat halt alles etwas länger gedauert.
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Gestrandet im Fasanenhof |
Wir nutzen inzwischen die Standzeit zur Fütterung und einem kritischen Blick auf die seeehr plattgedrückten Reifen. 400kg Zuladung ist ja eigentlich schon nicht wenig, aber wenn ich im Kopf mal unser Geraffel gewichtsmäßig überschlage + Wasser- und Dieseltank und uns… ui ui ui… da wären wir wohl nicht die ersten unbedarften Touris, die nach einer Wiegeaktion der Polizei erst mal ihre 8 Kisten Bier leertrinken müssten.
Also fliegt unnötiges Zeug noch gleich hier im Fasanenhof raus, lassen die 5. und 6. Teller da, nehmen doch nur 12 Bücher mit und reduzieren die Pflegeprodukte.
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| Ertragreiche Ausbeute! |
Das radikale Ausmisten kombiniert mit jeweils einem halben Bar mehr Druck in den Hinterreifen und die Sache sieht gleich viel besser aus. Jetzt kann es weitergehen! Leider ist es inzwischen schon halb 6. Ich informiere Friedi, dass wir es nicht auf 5 Uhr schaffen werde.
Auch die A81 entpuppt sich als neuen Anwärter auf "die Baustellenstrecke des Jahres" und so ist unsere zweite Pause bereits an der zweiten Raststätte auf der Strecke, weil Juliane Hunger hat und meine letzten kurzen Nächte ihren Tribut zollen.
"Juchhu" tönt es mir aus dem Telefon entgegen, als ich um 19:45 Uhr Friedi anrufe. "Juchhu" gebe ich weniger enthusiastisch zurück. "Oh, Ihr seid wohl noch nicht so weit?" - "nein, leider nicht wirklich". Friedi ist noch optimistisch: "Seid ihr gerade erst in Schaffhausen" (der ironische Unterton ist nicht zu überhören) - "hehe, wenn wir wenigstens da schon wären…" (gebe ich wenigstens genauso ironisch zurück). "Oh" ist das einzige, was sie darauf noch antworten kann. Da waren wir noch so 50km von der Grenze weg und uns beiden ist klar, dass wir nicht vor 22 Uhr in Zug sein werden, das Essen verkocht sein und der Abend kurz werden dürfte.
Immerhin werden wir nicht an der Grenze rausgezogen: das tut sich das erfahrene Grenzkontrollherz wohl nicht an, wenn der Papa fährt und Mama beim Sprössling sitzt. Das kann nur Ärger geben: für den Grenzbeamten von der aufbrausenden Mama, wenn die Kleine bei der Kontrolle aufwacht und das Brüllkonzert fortsetzt...
Letztendlich haben wir es geschafft - nicht ohne unser Navi mit einer langen Beschimpfung danke des Abstechers durch die Züricher Innenstadt zu belegen… hier macht es mit dem ausschwenkenden 2,3m breiten Kasten wenig Spaß zu fahren! Leider ist Zug auch nicht mit Häuserschluchten wie Chicago gesegnet und so stehen wir eben illegal (neben der Polizeistation!) auf dem LKW-Anlieferungsplatz der Weinhandlung in Friedis & Peles Straße. Nachdem er uns in Empfang genommen hat, hat Pele Friedis Frage nach dem Wohnmobil "is it that big?" mit "no - bigger!" beantwortet. Sein weitere Kommentar war, dass wir damit auf jeden Fall mindestens zwei Strafzettel beim Falschparken bekommen müssten :D
Nun, der Abend war noch ziemlich schön, das Essen großartig und Juliane überdreht gut gelaunt. Vielleicht kommen wir ja auf dem Rückweg nochmal vorbei und holen das Treffen etwas länger nach… mal sehen wie die Temperaturen in Zug bis dahin sind.
Auf dem Campingplatz haben wir nur noch kurz das nötigste aufgeräumt (Julchen hat schon tief und fest geschlafen), die Betten und Decken bezogen und uns dann auch schnell schlafen gelegt. Da der Platzwart schon weg war und wir keinen Adapter für Schweizer Stecker hatten eben auch ohne Stromanschluss. So kam ich noch in den Genuss des Crashkurses über Fehlercodes und Blinklampen des Kühlschranks (keine Energiequelle gefunden) und morgens um 5 Uhr zur Lektion "Wie starte ich die Heizung"… es empfiehlt sich sowas vorher durchzulesen, denn je später die Nacht, desto schlechter die Laune, Geduld und Aufnahme- und Kombinationsfähigkeit. Bis ich drauf kam, dass die Dachluke offen ist und einen Kontaktschalter integriert hat, der verhindert dass die Heizung läuft wenn die Luke noch offen ist, hat es ganz schön lange gedauert. Immerhin dann wurde es doch noch warm und ich bin wieder eingeschlafen: mit dem sanften Rauschen des Zuger Sees hinter- und dem Donnern der Züge auf dem 30m entfernten Gleisen vor uns, die im 5-Minutenrhythmus durch den Wohnwagen zu brettern schienen.
Unterm Strich: Wir sind angekommen und uns geht es gut - wir sind bereit für neue Abenteuer !
PS: danke an alle helfenden Hände, die in Engelsgeduld Juliane bespaßt, den Camper beladen, uns beraten oder einfach nur zur moralischen Unterstützung da waren!
Julianes Reiseeintrag:
Wow, das ist ja toll! Jede Menge Leute hier, die sich einzig und alleine um mich kümmern. Finde ich super! Nur Mama & Papa sind ganz schön unentspannt! Und irgendjemand hat ein riesiges Auto im Hof geparkt…
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Was das mit der Mütze soll...? |
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Die Spannungen nehmen zu - ich will dabei sein was Mama & Papa da so machen. Ich werde mal mit lautstarkem Schreien auf mich aufmerksam machen, das freut sie bestimmt.
Hat geklappt - sie sind zwar irgendwie immer noch genervt, aber ich bin dabei - juchhu!
Das große Auto gehört wohl uns. Jedenfalls sitze ich jetzt drin. Oh, die Mama sitzt neben mir und singt mir vor. Toll!
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Eingepfercht |
Drehen wir jetzt wirklich um???
Hey, die Oma ist ja auch gekommen und für mich gabs leckeren Bananenbrei, so ein Auto mit Küche ist super, da kann man immer und sofort kochen. Aber es scheint so, als ob wir über Stuttgart noch nicht rausgekommen sind. Na, das wird wohl eher eine kurze Fahrt.
Bin eingeschlafen. Mama und Papa versuchen wohl Zeit reinzufahren. Nicht mit mir, ich hab Hunger. Und zwar jetzt!
Das war lecker, toll! Und jetzt kann ich durch die Seitenscheibe die LKWs anschauen, die hier neben uns stehen. Der Urlaub beginnt mir Spaß zu machen.
Mist, schon wieder eingeschlafen. Wo sind wir denn jetzt? "Pele"? Welcher "Pele"? Kenn ich nicht. Aber der bärtige Almöhi ist lustig... Ui, 4x maximale Aufmerksamkeit für mich. So lob ich mir das. Nein, ich bin nicht müüüühüüühüüüde, das war auch kein Gäääääääääähnen, nur Kiefermuskelentspannungen…
Ja gut, vielleicht ein bisschen, aber doch kein Grund gleich zu gehen, schaut her, ich biihhhhgääääähnnnn topfi… schnarch (ganz schön scheissekalt hier - schnarch)
PS: Das mit dem einseitig belegten Gefrierfach ist eine bösartige Unterstellung! Ich hab das nicht eingepackt!!! Von mir aus kann da Eiscreme rein :)