Da will man seiner Tochter etwas Gutes tun und nach ihren Becher im Schrank greifen, damit sie mit uns am Frühstückstisch ebenfalls etwas trinken kann...

...(sie liebt es nämlich selbst aus einem Becher zu trinken - und wir geben mal nichts auf Stillverwirrung, esotherische Hebammen oder sonstige Meinungen - wenn die Kleine was ausprobieren will, dann unterstützen wir das... gut, vielleicht nicht, wenn sie aus meinem Bierglas...) - wo war ich stehen geblieben?

Ach ja! Kaum schaut man mal eine Sekunde weg, schnellen bereits zwei ziemlich zielsichere Hände vor und greifen sich den nächsten Gegenstand auf dem Tisch. Unglücklicherweise ist das in dem Fall meine Kaffeetasse gewesen! Wir sind glücklicherweise mit Verbrennungen 3. Grades davongekommen... also bei mir... Denn da ich erst auf die 40 zugehe und noch nicht mitten drin stecke, habe ich ihr reflexartig die Hose und Socken heruntergerissen. Während sich der heiße Kaffe durch meine Hose und Pulli gearbeitet hat, war Juliane nur ziemlich angefressen weil sie plötzlich sehr hektisch von Yvi umgezogen wurde (für die Omas: alles gut, wir sind wohlauf, is niemanden nix passiert :) ).

Zumindest fast! Denn den Carcassonne-Geschichtsführer hat es voll erwischt! Was vorher einmal ein blasses Büchlein war, sieht jetzt so aus, als ob 3 Wochen Solarium mit anschließendem Wellenbad hinter ihm liegt. Seiten kleben zusammen und Texte haben sich quasi in Kaffee aufgelöst.

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Und so sieht eine Zeitung aus, wenn sie das Julchen in den Fingern bzw. im Mund hatte!

Nun, die Kleine wird mobiler und unsere Reflexe werden trainiert!

Das wunderschöne Carcassonne scheint mit seiner vollständig restaurierten Burg und doppelter Stadtmauer wie das aus einem Prinz Eisenherz-Roman entsprungene Sinnbild für das Rittertum  zu sein (tatsächlich gehen die Alt-Stadtgrundrisse bereits auf die Römerzeit zurück). Hier sind wir auf dem städtischen Campingplatz in 30 Gehminuten zum Neu- und Altstadtkern, die unmittelbar nebeneinander liegen, untergekommen.

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Wie aus dem Bilderbuch!
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Allerdings waren wir von den letzten Tagen doch ziemlich platt und so haben wir den halben Tag verdöst und sind erst spät zur Altstadtbesichtigung aufgebrochen.

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Selbst das Julchen war platt

Das wir nun als "Eltern" unterwegs sind, haben wir natürlich nicht nur an dem Kinderwagen gemerkt, den wir im Gegensatz zu bisherigen Reisen vor uns hergeschoben haben, sondern vor allem auch daran, dass wir früher die große Kameraausrüstung bei so einer großartigen Umgebung niemals zurückgelassen hätten. Aber heute war uns das einfach unnötig viel Zusatzgewicht und die kleine Canon tut es schließlich auch.

Der Weg zur Burg führt an einem Flüsschen mit Bachforellen von Bäumen gesäumt entlang. Wir haben allerdings erfolglos gerätselt, was für Bäume das wohl mit dieser Tarnbefleckung sind. Wer weiß es? Für die erste richtige Antwort setzen wir eine lobende Erwähnung im nächsten Bericht aus. Also Pinien sind es nicht, soviel als Tip. Die haben uns bereits auf Campingplätzen den Tisch und die Stühle vollgesaut. :)

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Wer kennt diese Baumart?

Nun, die letzten Höhenmeter führen dann authentisch über Kopfsteinpflaster zu den Stadtmauern hinauf, was für unseren kleinen Schnarchbär trotz vorsichtigem Schieben eher unangenehm gewesen sein dürfte.

Julianes Reiseeinwand:

Also wirklich! Da befinde ich mich gerade im Traumhimmel und zähle die vorbeifliegenden Raben (dreihunderzweiundzwanzig, siebzehn, zweitausenddreizehnundzwei, fünf... tschuldigung, ich kann halt noch nicht zählen) - und plötzlich: Ruuuummmmmmms! Holperdipolter... unsanft werde ich aus meinem zarten Schlaf gerissen. Hier liegt nicht nur eine Erbse unter meiner (nicht einmal 100!!!) Matratze sondern mindestens faustgroße Backsteine!

Hallo! Nach stundenlanger Fahrt im Maxicosi und kaum dass wir irgendwo sind und ich mal ein bisschen (sic!) schlafen kann, schon meinen diese beiden Deppen, dass es jetzt genau der richtige Zeitpunkt wäre, einen Ausflug zu machen. Kann mir vielleicht mal jemand erklären, womit ich das verdient habe? Ich sehe sowieso nichts!

Ja ja, wenn Du mal selbst Kinder hast, kannst Du das gerne anders machen. Aber solange Du Deine Füße... ach nee, das kommt ja erst noch.

Während unseren kleinen Sightseeing-Tour haben wir auch der burgeigenen Kirche einen Besuch abgestattet. Hier war gerade ein russischer Männerchor zu Gast und hat einer japanischen Touristengruppe einen Auszug ihres Repertoires vorgeführt. Nun, Julianes Kommentar zu dem gotischen Gesang der 5 Sänger war kurz und prägnant: "Thhhrrrrrbbbbllllllll"

Julianes Reiseeinwand:

Thhhrrrrrbbbbllllllll! Laaaaaangweilig!

Und da es sowieso schon spät war, sind wir auch entsprechend bald wieder zurück für die abendliche Raubtierfütterung und da wir alle drei sowieso schon müde waren, sind wir auch bald ins Bett.

Allerdings nicht ohne vorher nochmal festzustellen, dass wir nun wirklich nicht das größte Wohnmobil haben! Abends kam ein britischer "Reisewohnmobilbus" an, der Seitenteile zum Ausfahren hatte, um sowohl Schlaf- als auch Wohnzimmer bequem zu erweitern. Das sind wirklich rollende Häuser! Ein abgefahrener Luxus! Dagegen hausen wir ja geradezu erbärmlich!

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Das ist mal wirklich groß!

Manche ziehen inzwischen sogar ihr "Stadtfahrzeug" auf dem Anhänger hinterher!

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Camper mit Anhänger