Sonntagmorgen: es sind zwei Wunder geschehen: Deutschland steht im Halbfinale und besiegt zum ersten Mal Italien in einem wichtigen Turnier - und der Wohnwagen steht immer noch unaufgebrochen und unbeschädigt auf dem Rostocker Parkplatz, wo ich ihn gestern Abend abgestellt habe.

Sicher, eines der beiden ist nicht wirklich ein Wunder, man muss ja auch mal die Kirche im Dorf lassen. Aber dass wir gegen Italien gewonnen haben… wenn das kein Wunder war bei dem Gegurke!

So bin ich um halb 10 Uhr morgens nach einer feuchtfröhlichen Nacht zum Rostocker Hafen gefahren, um dort auf die Fähre nach Gedser in Dänemark mit Scandlines einzuschiffen, was alles dank einer außerordentlich beeindruckenden Logistik ohne Probleme und schnell funktioniert hat. Die Strecke Rostock-Gedser dauert etwa 1h45m und wird mehrfach am Tag angefahren. Da ich die Fähre um 11 Uhr genommen habe, hatte ich somit ausreichend Zeit um Mittag zu essen, Zeitung zu lesen, zu bloggen, riesige Windparks in der Ostsee an Deck zu bestaunen und Duty-Free zu shoppen. Und dann waren wir auch schon da.

In Gedser kontrolliert der Zoll stichprobenartig Fahrzeuge (wie überall sonst auch) - ein Einzelfahrer mit überladenem Caravan und vollgestopftem Zugfahrzeug scheint nicht unter die Kategorie "verdächtig" zu fallen. Daher konnte ich zügig meinen Weg fortsetzen. Wobei "zügig" natürlich auch nur so eine Sache ist. Außerhalb Deutschlands holt mich das Tempolimit für Anhänger von 80km/h ein. Was bei 100km/h (mit Ausnahmegenehmigung) in Deutschland schon zäh ist, ist bei 80km/h einfach nur noch ätzend und zieht sich wie Dreck. Und so habe ich auch auf diesem Weg nach Kopenhagen gefühlt so ziemlich jede Raststätte mitgenommen, die sich für eine kurze Dehnpause angeboten hat.

Angekommen auf dem Campingplatz "Copenhagen Camping" durfte ich zum ersten Mal das "Geschoß" dann alleine einmanövrieren. Der Stellplatz sah zwar nach ca. 72 Rangierversuchen aus wie ein umgepflügter Acker, aber was soll's: Kiste steht wie gewünscht. Nur noch schnell alles für die Ankunft der restlichen Reisenden vorbereiten und ab zum Hauptbahnhof, wo der Zug aus Ulm/Hamburg um 20:22 Uhr eintreffen sollte.

Neben den vielen Dingen, die noch Originalverpackt (Matratzen, Stühle, Tisch, etc.) waren und daher etwas mehr Zeit für die "Inbetriebnahme" benötigt haben, hatte ich die Rechnung allerdings ohne den eigentlichen Wirt gemacht: das Vorzelt!
So ein Vorzelt sieht im Prinzip wie ein Pavillon aus, nur dass eine Seite am Wohnwagen fest montiert ist und die gegenüberliegende Seite mit zwei Eckstützen und einem Quergestänge (quasi wie ein Tor) das Zelt trägt. Mit 5 Dachstangen zwischen Wohnwagen und "Torgestänge" wird die Konstruktion nach außen gedrückt. Wenn diese tragende Konstruktion mal steht, dann können Seitenteile und Vorderteile mit Fenster und Tür eingezogen und per Heringe am Boden verspannt werden. Soweit die Theorie.

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Leider war die Anleitung so unglaublich grottig schlecht, dass mein erster Versuch so begann, dass ich das im entrollten Zustand überraschend schwere und behäbige Vorzeltdach an der 4 Meter breiten Querstange über den Kopf haltend balanciere und dabei versuche die vermeintlichen Eckstützen aus dem Quergestänge zu angeln, was mir mit viel Fluchen auch gelingt. Als ich dann die ebenfalls im Quergestänge befindlichen äußeren Dachstangen ausklappe, bin ich doch einigermaßen überrascht, dass diese sich nicht wie erwartet zum Wohnwagen hin bewegen lassen, sondern vom Wohnwagen weg. Die logische Kombination quittiere ich mit einer weiteren Fluchtirade, nachdem mir klar geworden ist, dass ich soeben die eigentlichen Eckstützen gefunden habe und die ganze Konstruktion momentan fälschlicherweise auf den Dachstangen steht. Dabei wird das Gewicht mit jeder Minute schwerer und die nach links und rechts unkontrolliert schwingenden Stangen tragen nicht zur Stabilität bei, sondern allenfalls zum Kratzer im Badfenster :-(. Währenddessen fängt es auch noch an zu regnen und ich verfluche die selten dämliche Idee mit einem Wohnwagen Urlaub zu machen.
Schweißgebadet waren dann irgendwann Eckstangen auf dem Boden und Dachstangen in den fiseligen Ösen: Taraa, das Zelt stand.

Weiter in der Anleitung werden nun die Seitenteile eingezogen und mit den viel zu gespannten und schlecht zu erreichenden Reißverschlüssen zusammengezippert. Auch diese habe ich ausgiebig beschimpft, bis sie freiwillig nachgegeben haben. Die Querstange lässt sich durch zwei weitere Stützen zu einem Giebel aufrichten. Was ich unseren Wohnwagenhändler und Zeltlieferanten - die Firma Herzog - beim Entpacken der sogenannten "Orkanquerstange" alles genannt habe, darf ich hier nicht schreiben. Die Idioten der (ich ziehe das sehr in Zweifel) "Qualitätskontrolle" haben nämlich zwei Schellen an der "Orkanquerstange" vergessen, ohne die das durchaus sinnvolle Teil keinen wirklichen Sinn mehr ergibt. Die beiden Stützen lassen sich nämlich ohne diese nicht auseinanderdrücken und somit können sie den Druck des Giebels nicht standhalten. Der Effekt ist: die Dinger fallen einfach nutzlos um.

Nach 2 Stunden Vorzeltaufbau und völlig schweißgebadet war ich mir 100 Prozent sicher: ich hasse Vorzeltaufbau!