…das ist nichts gegen das liebliche Surren zweier PW4000-Triebwerke von Pratt & Whitney, die sich mit der gewaltigen Kraft von 84.000 lbf (oder 374kN) über unserem Caravan durch die Luft fressen… und das im Minutentakt!

Die ersten Tage - Das unnötige Gerümpel:
Unser ADAC-Campingplatzführer hat es nicht für notwendig erachtet auf das kleine Detail hinzuweisen, dass der Campingplatz direkt neben dem Kopenhagener Flughafen liegt und nur bei günstigen Windverhältnissen dafür sorgt, dass auch Vögel zu hören sind. Sicher, ein Blick auf die Karte hätte auch geholfen, aber in der Beschreibung wäre die Zeile sicherlich keine Platzverschwendung gewesen.

Aber wir gewöhnen uns ja erst ein und an unseren Wohnwagen. Denn nach unseren langen Wochenend-Odyseen sind wir Sonntagmittag bzw. -abend endlich in Kopenhagen auf dem Campingplatz Copenhagen Camping angekommen. Ich bereits Mittags aus Gedster, wo ich von Rostock aus per Fähre übergesetzt habe und Yvi und die Kinder abends mit dem Zug, die bei Puttgarden mit dem ICE ebenfalls die Fähre genommen haben. Ein spannendes Event für alle Beteiligten! Leider hatten die 3 Pech mit ihren Mitfahrern (2 AKs mit einer AM - wobei die Mutter wohl den größten Schuss hatte).

Und so konnte unser ambitioniertes Sightseeing-Programm sofort mit dem Kopenhagener Hauptbahnhof starten - man will ja keine Zeit verlieren im Urlaub. Eine wunderschöne alte Bahnhofsarchitektur, wie aus einem Hobbyeisenbahnkeller, deren Erhalt sich wirklich lohnt. Gegenüber liegt der Kopenhagener Vergnügungspark Tivoli - eine dauerhafte Kirmes (nein, kein St. Pauli-Viertel). Dahinter folgt der Radhuspladsen und die Christiansborg Ridebane, dann ein paar Gehminuten entfernt das Amalienborg Slot mit der gegenüberliegenden Frederiks Kirke (auch umgangssprachlich Marmorkirche genannt) und hinter dem weiter folgenden Kastell (das teilweise nach wie vor militärisch genutzt wird) die weltberühmte kleine Meerjungfrau den lille Havfrue - eine Auftragsarbeit von Carl Jakobsen, Sohn des Gründers der Carlsberg-Brauerei und ein engagierter Kunstmäzen. Die Figur wurde 1913 vom Bildhauer Edvard Eriksen (nach Vorbild seiner Frau) erstellt und erinnert an die Figur aus Hans Christian Andersens Märchen von der 15-jährigen Königstochter aus dem Meer, deren Liebe zu einem Menschenprinzen leider unerwidert blieb.

Das alles hätten wir sehen können, wenn wir nicht alle dermaßen platt von der Anreise gewesen wären, dass wir vor allem erstmal nur ins Bett wollten.

Den ersten Tag haben wir entsprechend mit Einräumen, zurechtfinden und allerlei Campingplatzaktivitäten inkl. Spielplatz verbracht. Beide Kinder haben auf unterschiedliche Art und Weise die neue Umgebung erkundet: Juliane auf ihre vorsichtige, kreisförmig vom Zentrum wegbewegende Art, immer wieder versichernd, dass wir noch da sind und sie den sicheren Kontakt nicht verliert - und Samuel einfach direkt drauf los. Das wird noch was werden. Der Kleine orientiert sich ohne zu zögern an seiner älteren Schwester, ohne deren Instinkt für gefährliche Situationen oder Erfahrung zu haben.

Die beiden sind aber sehr putzig miteinander. Samuel himmelt Juliane an und Juliane bemüht sich intensiv um ihren kleinen Bruder. Das geht dann auch mal soweit, dass die große Schwester in ihrer unnachahmlichen trockenen Art zu Samuel sagt, der gerade gefühlt das 18. mal am Vormittag mit voller Windel gewickelt werden musste: Ganz schön Scheisse, gell! Sic! Im wahrsten Sinne des Wortes!

Und wie immer gibt es mindestens ein Ding, dass ein vollkommen unnötiger Begleiter auf einer Reise ist und nur Platz wegnimmt, bzw. Gewicht kostet. Bei unserer ersten Tour im Windelbomber durch Spanien war das die Babyhängematte, die wir lediglich einmal pro forma aufgebaut haben, damit wir wenigstens sagen konnten: schaut, wir haben sie benutzt. Ansonsten hat sie nur sperrig in der Heckgarage unseres Wohnmobiles im Weg gestanden. Allerdings haben wir erst im Laufe der Reise herausgefunden, dass das Ding unnötig war. Diesmal hingegen ist uns sofort bei versuchter Nutzung klar geworden: Samuels Reisebett mitzunehmen, damit er "eingegrenzt" unter Julianes Hochbett schlafen kann, war eine prima Idee. Nur leider passt das Ding nicht darunter. Nix zu machen! Das hätte man natürlich herausfinden können, wenn man den Wohnwagen nicht zwei Tage vor Abfahrt erst bekommt - und das auch nur mit viel Druck beim Händler. So ein Mist, jetzt gondeln 10kg Extragewicht mit uns rum.

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Man merkt dafür, dass wir deutlich weiter nördlich von daheim aus sind. Die Sonne geht hier erst gegen 21:45 Uhr unter und schon um 4:45 Uhr wieder auf. Es ist also ziemlich lange hell. Dafür ist es auch bedeutend kühler und windiger als bei uns. 20 Grad fühlen sich bei einer kühlen Dauerprise (was am Meer ja nichts ungewöhnliches ist) eben doch nur wie 15 Grad an. Und so sind wir meist mit langen etwas dickeren Sachen eingepackt, während die dänischen Kinder in kurzen Hosen und T-Shirt herumspringen.

3. Tag - Online ist besser:
Dienstags begann es dann ziemlich heftig zu regnen, was sich Mittwoch leider nicht gebessert hat und noch ein hartnäckiger Begleiter werden sollte. Wir haben daher beschlossen in Den Blå Planet zu gehen. Dabei handelt es sich um ein neues, riesiges Aquarium in Kopenhagen, deren Architektur von der Strömung eines Strudels inspiriert ist. Das war sogar so neu, dass es nicht einmal mein Navi gekannt hat. Dank Googlemaps haben wir herausgefunden, dass es gar nicht weit von uns entfernt liegt. Also haben wir alle eingepackt und sind hingefahren. Dabei hat sich unser erhoffte Vorteil insofern bewahrheitet, dass wir eben nicht alles zusammenpacken müssen wie bei einem Wohnmobil, nur weil wir mal einen Ausflug unternehmen wollen, sondern den Wohnwagen bequem (mit Vorzelt! Was bin ich erleichtert!) stehen lassen und nur mit dem Auto düsen können. Das war schon ein Nachteil am Wohnmobil!

Allerdings hatten leider nicht nur wir die Idee und so hat sich bereits eine lange Schlange vor der Kasse bis bereits weit außerhalb des Gebäudes erstreckt. Und es regnete inzwischen immer stärker. Das hat dazu geführt, dass meine Beine durch den ziemlich waagerechten Regen immer nasser wurden. Yvi, Juliane und Samuel hatten sich bereits ins Innere gerettet - es reicht ja, wenn einer von uns nass wird. Etwas weiter vorne habe ich plötzlich neben der Reihe, in der ich für die Tageskarten anstand, die (leere) "Fastline" für vorreservierte Tickets entdeckt. Ja bin ich denn blöd? Ab ins Internet, Tickets online gebucht (was eigentlich schnell ging, bis die selten blöd gemachte "Sicherheitsabfrage" von Mastercard kam und mir einige Probleme bereitet hat) und mit der Nummer schnurstracks unter den verblüfften Blicken meiner anderen Mitwartenden ausgeschert und ins Gebäude gelaufen. Damit war ich allerdings noch schneller als die Bestätigungsmail, die die eigentlichen Tickets mit den Zugangsbarcodes beinhaltet. Freundlicherweise sind die Dänen (wie eigentlich bisher alle Skandinavier) sehr hilfsbereit und unkompliziert und so hat der Ticketkontrolleur kurzerhand in seinem System meine Buchungsnummer geprüft und uns reingelassen. Geschafft!

Das Den Blå Planet ist wirklich ein Attraktion! Es besteht aus drei Bereichen: Meerestiere, Regenwald und lokale Tierwelt.


Der Meerestierbereich beinhaltet einen gigantischen Wassertank, in dem Haie, Rochen, Mantas und sonstige Meeresfische schwimmen. Diese kann man entweder durch eine riesige Plexiglasscheibe (50cm Dicke!!!) sowie einem Tunnel bewundern und es ist wirklich beeindruckend, wenn die Tiere gefühlt direkt über den Kopf gleiten. Als Sonderausstellung geht es aktuell um Haie. Dabei wurden sowohl prähistorische Haie in Relation mit heutigen Haien als auch Arten, das Leben und die Notwendigkeit für das Ökosystem dargestellt. Wirklich toll gemacht!
Über den Tag gibt es wechselnde Events: unter anderem auch die Fütterung der Fische im Tank. Das wird von einem der Tierpflege gut erklärt und man kann beobachten, wie die Geschwindigkeit der sonst so langsam dahingleitenden Fische zunimmt, wenn es darum geht als erster am Nahrungstopf zu sein.
In den weiteren kleineren Aquarien gab es sogar einen Seedrachen. Ein Tier, ähnlich einem Seepferdchen, das ich noch nie gesehen habe.

Im Regenwaldbereich gibt es ein großen Bereich Amazonas, in dem jede Menge verschiedenfarbiger Schmetterlinge leben und frei herumfliegen. Ziemlich spannend nicht nur für Kinder - und man fühlt sich auch im Regenwald, wenn immer wieder eine "Regenwalddusche" einsetzt. Verständlicherweise ist die Luftfeuchtigkeit sehr hoch. So hoch, dass meine Objektive sofort beschlagen sind, sobald ich die Kamera herausgezogen habe. Bilder gingen tatsächlich nur mit dem iPhone. Und natürlich gibt es auch hier verschiedene weitere Becken, in denen alle möglichen Regenwaldbewohner zu bestaunen sind.

Nach einem Raststopp im Restaurant (mit Blick auf die dänisch-schwedische Brücke zwischen Kopenhagen und Malmö) sind wir noch zum Schluss in den Bereich mit den "lokalen" Tierarten wie Seeotter (eine neue Attraktion), Pinguinen  und Eistauchern gegangen. Dort gibt es auch einen "Streichelzoo". Allerdings nicht mit Ziegen und Schafen sondern mit Fischen, Krebsen und Muscheln. Zu dem Zeitpunkt hatte Juliane allerdings bereits die Schlafgrätsche gemacht. Samuel dagegen war kaum vom "Plantschebecken" wegzubringen. Der hätte sicherlich auch Krabben geangelt, wenn er denn gedurft hätte.

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Das ganze Aquarium ist liebevoll zum Detail, innovativ und modern gemacht und sein Geld wirklich wert. Der Tag hat sich gelohnt und war für uns alle sehr interessant.

4. Tag - kein Prinz, dafür jede Menge Touristen:
Trotz unserer "Nebenaktivität" wollten wir dann doch wenigstens ein bisschen was von Kopenhagen sehen und so sind wir zumindest zur "Kleinen Meerjungfrau" gefahren, um diese Attraktion am Hafenufer mit den anderen 128 Tausend Asiaten zu besichtigen. Das wirklich interessante für Juliane war dabei das startende Wasserflugzeug und für Samuel die Steine im Wasser. Ich fand den mobilen Espresso-Italiener in seinem fahrenden Piaggio prima und Yvi den Eismann. So hatten wir alle etwas von Kopenhagens Sehenswürdigkeit Nr. 1! Die anderen haben wir allerdings leider nur im Auto bzw. ADAC-Tourset gesehen… ein lausiger Auftakt einer kulturellen Reise :-(

Erst bei der Abfahrt am nächsten Tag sollten wir noch bemerken, was wir wesentliches vergessen hatten - und welche Chance ich dabei vertan habe.

Julianes & Samuels Reiseeintrag:
So, jetzt kommen wir auch mal endlich ins Spiel. Auch von uns einen schönen Gruß an Euch nach Hause.

Juliane:
Die Fahrt mit dem ICE war ermüdend. Vor allem die beiden Kinder die unentweg gebrüllt und geweint haben. Wer soll denn da schlafen. Aber die Kinderbetreuung zwischen Augsburg und Hamburg war klasse.

Im Wohnwagen finde ich mein Hochbett toll. Und dass ich nachts zu Mama und Papa ins Bett schlüpfen kann. Ich weiß nicht, was die beiden haben. Ist doch total viel Platz auf den 1,92m auf 1,55m Breite zu viert. Also ich schlafe ausgezeichnet. Und wenn es mir zu eng wird, dann boxe ich halt mal Papa weg oder schiebe Mama zur Seite. Geht doch *gähn*.

Im Fischbecken haben mir die Rochen sehr gut gefallen. Die fliegen ja sozusagen. Spannend… allerdings nur, wenn es auch mal wieder ein Süßi oder ein Eis zwischendurch gibt. Sonst fällt meine Laune auf eben letzteren Nullpunkt. Ich will ein Süßi sonst strampel ich hier auf dem Boden weiter.

Super ist das riesige aufgeblasene Hüpfkissen auf dem Camping-Spielplatz, auf dem man so toll hüpfen kann. Mama und Papa gehen mit uns ganz viel auf den Spielplatz, das gefällt mir sehr gut. Sie scheinen irgendwas zu suchen, zumindest robben sie laufend durch das Gras. Toller Urlaub!

Samuel:
Also ich weiß nicht, was die alle mit den Viechern im Wasser haben, die Treppen hier sind deutlich spannender! Und Planschen! Und Papas Auto erst! Und überhaupt so viele andere Autos: da, daa, daaaaa - brrmmmmmm, brrrmmmmmmm…