Die Frage, die alle Eltern zusammenzucken lässt, ist natürlich: wann sind wir da? Oder: mir ist langweilig! Unsere von hinten links gestellten Fragen waren so:
Wie lange fahren wir? Was soll ich? Ich kann nicht mehr sitzen! Ich hab Bauchschmerzen (untermalt mit Wutgeheul)… *grummel* (letzteres kommt vom Fahrer!)! Dabei hatten wir das Campingplatzgelände noch nicht einmal verlassen, sondern standen noch an der Ausfahrschranke! Unsere Eltern müssten uns auf Knien dafür danken, dass sie sowas von uns nicht gewohnt sind *hüstel* ;-)
Nun, heute sollte es nach Göteborg gehen, bzw. noch ein Stück weiter auf einen schönen Campingplatz in Uddevalla, ca. 70km nördlich von Göteborg. 70 Kilometer hielten wir für eine bezähmbare Strecke, um "mal eben nach Göteborg zu düsen" - was sollten wir uns täuschen!

(Quelle: oresundbron.com)
Bevor wir dazu die Öresundbrücke von Kopenhagen nach Malmö auf schwedische Seite nehmen wollten, wollte ich noch eben Tanken fahren, um unseren zu großen Vorrat an dänischen Kronen aufzubrauchen. Da hab ich aber blöd geschaut, als ich feststellen musste, dass man dort auch nur mit Kreditkarte tanken kann. So durften die 600 Kronen mit uns zuerst durch den Drogdentunnel, über die künstliche Insel Peberholm und dann auf die 7,8km lange Fahrt über die weltweit längste Schrägseilbrücke für kombinierten Straßen- und Eisenbahnverkehr gehen (ja ja, die Daten und Fakten sind aus Wikipedia, es handelt sich nicht um den nächste "Blogi-Plag").
Dieses Bauwerk ist schon enorm! In 40 Monaten für 1 Milliarde Euro gebaut, wurde sie am 01. Juli 2000 eröffnet. In der Ferne erheben sich lange bevor man sie erreicht vier riesige 209 Meter hohe Pylone, die die Brücke an armdicken Stahlseilen trägt. In der Ferne sieht man auf schwedischer Seite auch bereits das "Wahrzeichen" Malmös: das wie eine Schraube gedrehte Hochhaus im Zentrum. Bevor man allerdings offiziell schwedischen Boden betreten darf (die eigentliche Grenze ist etwa in Höhe der Pylone), gilt es noch die Maut zu bezahlen. Hier haben wir vergeblich versucht vorab herauszufinden, was genau mit den unterschiedlichen Angaben gemeint ist wie "Zugfahrzeug <6m" oder "Zugfahrzeug >6m, Gesamtgespann aber <9m" usw. Da widersprechen sich die Internetquellen bzw. bleiben unklar, was eigentlich für einen Wohnwagengespann von 12 Metern Länge mit einem Zugfahrzeug unter 6 Metern gilt. Hier die Auflösung: Es zählt immer nur das Zugfahrzeug! Anhänger werden auf der Preistafel nicht separat in der Länge unterschieden. Für einen Wohnwagen mit einem normalen PKW gilt also die Maut für "Zugfahrzeug <6m" i.H.v. 108€ (die wir freundlicherweise in einem Mix aus 600 dänischen Kronen sowie dem Rest in Euro begleichen durften).
Direkt hinter dem Mauthäuschen empfängt uns dann allerdings etwas irritierendes, von dem wir dachten, es wäre seit mehreren Jahren im Zuge von Schengen in Europa quasi "ausgestorben": die Passkontrolle. Alle Pässe der Insassen jedes (!) Fahrzeugs werden kontrolliert - leider ohne früherem schicken Visastempel. Soweit ist es mit dem grenzenlosen Europa leider gekommen.
Ist es die Idee von Europa die eigene Meinung auch gegen den Willen des Rests durchzusetzen oder die moralische Verpflichtung, den vermeindlich falschen Weg der Partner zu korrigieren? Ab wann handelt es sich dabei dann um einen Egotrip bzw. was ist daran noch eine "gemeinsame europäische Lösung", solange diese nur dann gilt, wenn sie der eigenen Sichtweise entspricht? Und wie soll der moralische Zeigefinger erhoben bleiben, wenn dies ein anderes europäisches Partnerland so durchzieht, bspw. in der Frage der Subventionen, Verteilungsschlüssel oder ähnliches? Steuern wir auf einen Verbund von Einzelkämpfern zu - oder sind wir das möglicherweise bereits?
Ob man nun für oder gegen die Flüchtlingspolitik ist, soll hierbei gar nicht die zentrale Frage sein. Bei einer "Gemeinschaft" gibt es aber nur zwei Möglichkeiten: entweder man schließt sich (gerne nach kontroversen Diskussionen) der mehrheitlichen Sichtweise der Gemeinschaft an oder verlässt (zumindest temporär) die Gruppe in dieser Frage und tritt als Einzelkämpfer mit eigner Meinung auf. Momentan scheinen wir jedenfalls kein verlässlicher Partner mehr zu sein - anders kann ich die Passkontrollen sowohl in Dänemark als auch Schweden nicht interpretieren. Das lässt erahnen und befürchten, wohin sich Europa momentan entwickelt. Keine schöne Vorstellung!
Nach diesem Exkurs, der der gähnenden Langeweile der sich anschließenden Monotonie auf einer zweispurigen Autobahn gen Norden mit "zügigen" 80 km/h geschuldet ist, nun aber zurück zur Reise. Für die Laune unserer Mitfahrer hat uns "Lamp und Leute" mit vielen schönen Kinderliedern stundenlang begleitet wie bspw. "meine Hände sind verschwunden…" oder "Aramsamsam". Leider hilft das dem Fahrer so gar nicht *doppelgähn*. Und so werde ich noch zum vollen Moppel bei der Fahrerei, weil ich mich mit verschiedenen Naschereien versuche wach zu halten, während Yvi hinten eingequetscht zwischen Kindersitz und Reboarder unsere Passagiere mit Singen und Spielen bei Laune hält, wenn diese nicht mehr schlafen.