Bevor wir den Campingplatz in Uddevalla - das Hafsten Resort - erreicht haben, mussten wir nochmal einen Essenstop machen - für die Auswahl war uns ganz die gesunde Ernährung unserer Kinder wichtig!
Nachdem der erste Imbiss etwas siffig war, sind wir direkt weiter zum daneben liegenden McDonalds. Leider haben wir gleich feststellen müssen, dass Falschparken in Skandinavien eine sehr teure Angelegenheit ist! 600 schwedische Kronen (ca. 60€) hat uns ein Knöllchenverteiler exakt 10 Minuten, nachdem wir das Gespann (mit Parkscheibe natürlich, wie vorgeschrieben) abgestellt haben, rangehängt. Dieser Arsch muss uns beobachtet haben - denn es ist wohl ein Parkplatz, der von einem privaten Unternehmen betrieben und abkassiert wird. Ich war wenige Minuten später zurück und wollte den Wagen umparken… da ist der Ärger groß. Hätte ich den Typen in die Hände bekommen, wäre die Strafe sicherlich höher ausgefallen. Jetzt bin ich mal gespannt, das lasse ich darauf ankommen… Meine Laune war jedenfalls empfindlich angekratzt.
Irgendwann gegen 22:20 Uhr waren wir dann auch endlich am Campingplatz (wir waren nicht mal die Letzten, die angekommen sind) und haben unseren Standplatz mit Hilfe zweier Norweger, die wohl erst nach ihrem Hilfsangebot bemerkt haben, dass wir Deutsche sind - zumindest dem Blick des einen Norwegers auf mein Nummernschild nach zu urteilen.
{pgslideshow id=62|width=320|height=240|delay=2500|image=L}
1. Tag - Ein windiger Willkommensgruß:
Und so begann unser erster Tag in Uddevalla auf Grund der verschobenen Nacht ziemlich derangiert etwas verspätet mit einigermaßen verwetterten Kindern. Aber der "Komfortplatz" hat es wettgemacht: ein eigener Wasser-, Abwasser- und sogar TV-Anschluss (den wir nicht nutzen konnten mangels Kabel), war ein sehr angenehmer Luxus! Wir müssen "einen der drei" Campingplätze in Europa erwischt haben, der mit einem City-Wasseranschluss nutzbar ist, sprich direktem Wasseranschluss am Wohnwagen. Das war zumindest die Aussage unseres "Top-Händlers" aus Kirchheim am Neckar, als wir eben jenen ("lohnt nicht")-Cityanschluss nachrüsten wollten, was aus Zeitgründen - wen wundert's - nicht geklappt hat. Aber findige Ausrüster haben einen Ersatz geschaffen: einen Deckel für den Wassertank mit integriertem Gardena-Wasseranschluss. Problem gelöst und Wasser fließt per Hahnaufdrehen komfortable direkt :-)
Unser Standplatz liegt im Windschatten an einem Hang mit (nahezu) wunderbaren Ausblick auf den naheliegenden Fjord - wenn auch eine paar andere Wohnwagen im Blickfeld stehen. Trotzdem einfach herrlich!
Wir bzw. vor allem Juliane und Samuel haben dann erstmal das Schwimmbad in Beschlag genommen. Der Campingplatz hat zwar auch eine Badebucht, die liegt aber auf der anderen Seite voll im Wind und ist (zumindest für uns zartbesaitete Süddeutschen) zum Baden viel zu kalt. Das Babyplanschbecken dagegen ist etwas beheizt und somit für Samuel ideal, während Juliane im Neopren im Kinderbecken gebadet hat.
2. Tag - Shoppingparadies Schweden:
Da es mal wieder geregnet hat und wir noch dringend einkaufen mussten, sind wir zum nächsten Laden gefahren, der auch sonntags geöffnet hatte. "Spaßeshalber" haben wir es auch in einem nahegelegenen, größeren Einkaufszentrum probiert, das wir tags zuvor passiert hatten. Zu unserem großen Erstaunen waren auch hier alle Läden geöffnet. Das Ladenschlussgesetz in Schweden ist offensichtlich sympathisch liberal.
Hier gab es unter anderem natürlich auch einen IKEA (wie so ziemlich an jeder - in Schwaben würde man sagen - Milchkanne) sowie ein Bauhaus (!) und verschiedene andere Läden und "Superstores". Da der "Verandastange" unseres Vorzeltes immer noch die Daseinsberechtigung mangels Schellen auf der einen Seite fehlte und ich außerdem wenigstens für das Endspiel der EM unsere Sonderausstattung eines Fernsehers (der im Silverselection-Paket enthalten war - das würde ich in 100 Jahren nicht für den geforderten Einzelpreis von ca. 1.500€ regulär mitbestellen) mit dem angebotenen TV-Anschluss verbinden wollte, sind Yvi und Juliane zu IKEA gegangen und ich mit dem schlafenden Samuel auf Männertour. Leider waren wir im Gegensatz zu den Frauen sehr erfolglos, wenn auch Samuel das alles verschlafen hat - er hat tatsächlich alles verschlafen, während ich schnell in die Läden gerannt und wieder zurück zum Auto bin (tlw. auch mehrmals, wenn ich gefühlt zu lange gebraucht habe - aber pssst, bloß der Mama nicht verraten ;-)). Selbst beim TV-Kabel sollte ich später merken, dass ich die falschen Verbindungsstecker gekauft hatte.
Immerhin war die normierte IKEA-Kantine der geeignete Mittagsstopp und Treffpunkt sowie später der Lebensmitteleinkauf im Superstore ebenfalls ein Erfolg. Allerdings scheinen wir sowas wie den Großmarkt erwischt zu haben: die kleinste Barbecue-Packung enthielt 750g Fleisch. Daher haben wir das erste "Angrillen" nochmal verschoben, zumal wir auch inzwischen so spät dran waren, dass die Frischfisch- und -fleischtheken bereits abgedeckt wurden.
Übrigens ist es in Skandinavien sehr angenehm, dass man wirklich alles und überall mit Kreditkarte bezahlen kann. Selbst Kleinstbeträge wie für ein Eis sind kein Thema. Wir hatten meist wie auch diesmal in den ersten ein bis zwei Tagen überhaupt kein lokales Bargeld bei uns, sondern nur "Plastikgeld", bis wir irgendwo einen Geldautomaten gefunden haben (an dem ich mit meiner DKB-Karte günstig abheben kann).
Unsere "Pleiten-Pech-und-Pannen"-Serie aus Kopenhagen haben wir dann leider abends noch fortgesetzt, als ich mein volles Glas Pinot Grigio über meinen Laptop gekippt habe. Glück im Unglück: nach schneller Reaktion beim Anheben, sowie Demontage und Trocknung aller möglichen Teile, lief er am nächsten Tag noch. Außer einem etwas dunkleren Fleck in der linken unteren Displayecke hat er wohl keine weiteren bleibenden Schaden.
3. Tag - Göteborg ist nicht Barcelona:
Heute wollten wir Göteborg besuchen. Unser Kalkül "wir sind nur 70km von Göteborg weg, da kann man mal schnell hindüsen" ist leider insofern nicht aufgegangen, da man zwar in Deutschland vielleicht diese Strecke in ca. einer halben Stunde zurücklegt, aber sicher nicht in Skandinavien mit Maximalgeschwindigkeiten von 110-130 km/h. Daher sind wir für die tatsächliche Stunde Fahrt leider etwas zu spät losgekommen und standen erst gegen 12:00 Uhr in Göteborg vor der Wahl: auf einen Parkplatz mit 4h maximaler Parkdauer (und drohendem Megaknöllchen) oder lieber ins Parkhaus? Letzteres haben wir gewählt und bis wir dann endlich herausgefunden haben, wie man hier das Ticket vorab bezahlt (ja, etwas anderes Vorgehen als bei uns gewohnt) und endlich zum Ausgang raus waren hat es a) geregnet wie aus Kübeln und b) war es letztendlich bereits 13 Uhr. Immerhin ist uns die sonst übliche Citymaut erspart geblieben, denn die wird im Juli nicht erhoben (außerdem nachts und am Wochenende). Früher waren auch ausländische Fahrzeuge davon ausgenommen (ich vermute zu kompliziert), aber inzwischen wird die Rechnung einfach nachhause geschickt - auch außerhalb Norwegens - denn die Maut wird nicht vorabbezahlt, sondern erst nach Kennzeichenerkennung.
Nun, was machen wir mit dem halben Tag? Wir haben uns für eine Hop on Hop off-Tour mit einem Doppeldeckerbus durch die Stadt entschieden, um an möglichst vielen Sehenswürdigkeiten bequem vorbeizukommen und so wenigstens das Wichtigste mitzunehmen. Das kennen wir aus Barcelona und hat sich dort sehr bewährt. Leider ist Göteborg bei weitem nicht so groß wie die katalanische Hauptstadt und daher fährt der Bus nicht alle 15 Minuten zu ca. 20 Stationen, sondern leider nur alle Stunde zu gerade einmal 7, wobei er bei uns bei der letzten nicht mal mehr gehalten hat.
| Samuel "hört" die Göteborginformationen in anderer Form. Ansonsten hat er lieber die Knöpfe (Veränderung der Sprache) gedrückt... :) | ||
Die Informationsdichte, mit der wir per Kopfhörer beschallt wurden, war ebenfalls eher dürftig. Zumindest konnte man den Eindruck erhalten, dass Göteborg die Wiege der Welt sein muss, da eigentlich alles entweder hier entdeckt wurde oder die "Gigantomie" zugeschlagen hat, wenn ein Gebäude als "das Größte mindestens Skandinaviens" beschrieben wird. Zumindest bei den Kinderwagen sind die Dänen und Schweden jedenfalls mit dem Motto unterwegs: je größer, desto besser. Das sind aus unserer Sicht vollkommen unpraktische Riesenteile, die wir in deutschen Babygeschäften eher als Ausnahme gefunden hätten. Nicht zu vergleichen mit unserem "Dreirad"-TFK.
Und so war uns relativ schnell klar, dass wir das alles auch hätten zu Fuß begehen und eigentlich im nichtvorhandenen Reiseführer hätten nachlesen können.
Wenigstens die Kommentare eines ostdeutschen Vaters ein paar Reihen hinter uns haben etwas für Unterhaltung gesorgt, als er versucht hat dem Rest der Familie mitzuteilen, wann etwas aus den Kopfhörern zu hören war und wann nicht: "Jetzt rauscht es wieder. Jetzt kommt Musik - jetzt redet sie (die Sprecherin) wieder - jetzt ist wieder stille - ist das Rauschen oder zu leise…?".
Immerhin kam ich an dem Tag zu einem weiteren Hurricane-Glas im HardRockCafe (HRC) von Göteborg, nachdem ich Schaf das erste von vier HRCs in ganz Skandinavien, nämlich in Kopenhagen, verpasst habe. Die "Alt-Hardrocker" sind allerdings wohl auch inzwischen in die Jahre gekommen und kommen mit Kindern hierher: Juliane hat sofort Malstifte und ein Malheftchen bekommen und Samuel einen Kinderstuhl.
Ansonsten ist Göteborg eine wirklich sehr hübsche Stadt mit einem übersichtlichen Kern. Leider hat es uns nicht mehr gereicht das Universeum mit einem künstlichen Regenwald über 8 Etagen zu besuchen. Das war wirklich schade und wäre sicher spannend gewesen.
Da es zwischenzeitlich wieder in Strömen zu regnen begonnen hat, haben wir den weiteren Stadtspaziergang mit Eisessen abgebrochen und sind in das "größte Einkaufszentrum Skandinaviens" (laut Hop on Hop off) bzw. das "größte Einkaufszentrum Schwedens" (wie die Straßenbahnreklame etwas tiefergestapelt hat). Wir waren entsprechend skeptisch, allerdings dann doch sehr überrascht, denn das Einkaufszentrum entpuppte sich tatsächlich als sehr groß - wenn es auch hoffentlich wenigstens weitere Große in Skandinavien gibt.
Unsere Rückfahrt war dann noch länger als die Hinfahrt, da der Autobahn offensichtlich eine funktionierende Drainage fehlt. Nachdem es wieder stark zu regnen begonnen hatte gab es überall tiefe Pfützen und das Aquaplaning hat nicht mehr als 90 km/h erlaubt. Vorher hatte ich allerdings noch unser Auto gegen 24€ Parkgebühren ausgelöst - im einkaufszentrumeigenen Parkhaus wäre es zumindest anfangs kostenlos gewesen… das muss man auch erstmal wissen.
4. Tag - Juliane hebt ab:
Juliane ist nun langsam angekommen. Inzwischen traut sie sich auch alleine ohne Begleitung bis zum Toilettenhäuschen. Sie wird zunehmend mutiger und gleichzeitig auch zorniger, wenn wir es dann doch wagen sollten ihr "mal hinterherzuschauen… nur um sicherzugehen". Da kann sie fuchsteufelswild werden. Da kommt ja noch was auf uns zu. Immerhin freuen wir uns, dass sie selbstständiger wird.
| {phocagallery view=switchimage|basicimageid=2037|switchheight=480|switchwidth=640|switchfixedsize=0} | ||
| {phocagallery view=category|categoryid=62|imageid=2037|imageshadow=none|enableswitch=1} | {phocagallery view=category|categoryid=62|imageid=1972|imageshadow=none|enableswitch=1} | {phocagallery view=category|categoryid=62|imageid=1973|imageshadow=none|enableswitch=1} |
| {phocagallery view=category|categoryid=62|imageid=2038|imageshadow=none|enableswitch=1} | {phocagallery view=category|categoryid=62|imageid=2039|imageshadow=none|enableswitch=1} | {phocagallery view=category|categoryid=62|imageid=2040|imageshadow=none|enableswitch=1} |
Nachmittags ist dann ein (O-Ton Juliane:) "Hubsrauber" nahe dem Campingplatz gelandet. Erst dachten wir, da wird irgendetwas extra eingeflogen. Zwei Typen sind ausgestiegen und haben eine Absperrung errichtet, an der sich dann eine Menschentraube angesammelt hat. Juliane und ich waren neugierig und wollten den Hubschrauber aus der Nähe anschauen. Also sind wir mit Foto bewaffnet losgezogen.
Der "Hubschrauberbesuch" war tatsächlich ein Rundflugangebot: 250 schwedische Kronen für ca. 5 Minuten Flug pro Person. Sehr zu meinem Erstaunen hat Juliane mich dann gefragt, warum wir eigentlich nicht mit dem Hubschrauber fliegen würden. Damit hatte ich nicht gerechnet. Erst recht nicht, dass sie den Wunsch ganz klar bekräftigte, nachdem ich sicherheitshalber nachgehakt hatte, ob sie wirklich mit dem Hubschrauber fliegen wolle: Unzweifelhaftes "Ja!". Nun, 25€ pro Person sind gerade noch verkraftbar. Also haben wir uns ganz ans Ende der langen Schlange angestellt… und kamen auch noch ziemlich schnell dran, weil noch zwei Personen zum "Auffüllen" der 5 Plätze gesucht wurden. Da hat dann aber jemand im Kreis gestrahlt.
Und so sind wir beide zu unserem ersten Hubschrauberflug unseres Lebens abgehoben, während die Mama gerade Samuel zum Mittagsschlaf hingelegt und meine SMS dadurch verpasst hat. Ursprünglich war das ja auch nicht so geplant gewesen.
Hubschrauberfliegen ist schon abgedreht. Während Juliane teilweise dann doch einerseits etwas ängstlich, andererseits aber auch schwer fasziniert nach draußen geschaut hat, fand ich es vor allem sehr krass, als wir nach einigen Kreisen über dem Campingplatz einfach nur in der Luft über dem Fjord standen. Da sträuben sich mir alle Segelfliegerhaare, wenn die Geschwindigkeitsnadel auf 0 Knoten sinkt. Als wir dann plötzlich nach vorne in Richtung Meer abgekippt sind, ist uns doch beiden kurz das Herz in die Hose gerutscht - ein Dank an die abschließende Piloteneinlage. Dann sind wir auch schon wieder gelandet. Kurz aber schön und war den Spaß allemal wert!
Inzwischen ist uns auch eingefallen, was wir vergessen haben: Ein ausführlicher Reiseführer. Wir haben zwar bspw. Ivanowskis 101 Reisetipps für Skandinavien (sehr gut für die Planung) sowie Norwegen mit dem Wohnmobil dabei, aber einen umfassenden Reiseführer mit passenden Details für die Städte in Skandinavien haben wir vergessen. Globalisierung macht es möglich: wir haben den Baedeker Skandinavienreiseführer bei Amazon mit internationaler Expresszustellung nach Oslo zu unserem nächsten Ziel bestellt. Mal sehen, ob das klappt.
Julianes & Samuels Reiseeintrag:
Juliane:
Wow. Hubschrauber fliegen ist toll. Erst dachte ich ja, dass dürfen nur Männer. Aber Papa hat gemeint, dass auch Frauen Hubschrauber fliegen dürften. Ich solle einfach berühmt oder reich werden (oder beides) oder Hubschrauberpilotin. Dann kann ich immer Hubschrauber fliegen.
Keine Ahnung wie das mit dem berühmt geht und reich geht. Also werde ich lieber Hubschrauberpilotin.
Und in Göteborg habe ich einen neuen kuscheligen Overall-Schlafi bekommen, den tragen hier ganz viele Kinder. Nur mit der Windel und aufs Klo gehen ist der ungeschickt, aber ansonsten: priiiiimaaaa - ich mag den soooo sehr!!!
Samuel:
Am Brrrrrmmmmmm vom Papa habe ich ein neues Spiel entdeckt. Steine in Löcher stecken. Das "blingt" dann immer so schön. Keine Ahnung warum Papa immer rausrennt und irgendwas von "nein" und "nicht die Steine in die Felgen" faselt. Bisher komme ich recht gut mit meinem freundlich unwissenden Blick und einem Lächeln durch, bevor ich auf der anderen Seite einfach weitermache. Das Brrrrmmmmm hat nämlich 4 Spielstellen :)
{phocagallery view=category|categoryid=62|limitstart=0|limitcount=0|imageshadow=none|imageordering=6|detail=0|enableswitch=1}