Die Vögel werden flügge...

    Gabis Kommentar dazu war: Wir müssen den Kindern Wurzeln UND FLÜGEL geben...

    Ja ja, das seh ich ja schon auch ein, aber können wir nicht anderen Flügel geben und Juliane nur die Wurzeln...?

    Aber es lässt sich nicht mehr leugnen: Juliane sucht sich ihren eigenen Weg. Auslöser war, dass wir ihr ein großes Bett von Flexa für ihr Kinderzimmer gekauft haben. Und das Tollste daran: mit Rutsche!

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    Als ich es am Freitag von den Vorbesitzern abgeholt habe und sie einen ersten Blick in den Kofferraum geworfen hat, war sie schon völlig aus dem Häuschen und hat gequitscht vor Freude: "Mama, schau mal...". Wir haben das Bett natürlich gleich noch am Freitagabend zusammengebaut. Allerdings ist ihr Zimmer leider so schmal, dass ein paar Umräumarbeiten notwendig waren: Die Wickelkommode muss ins Schlafzimmer, der Schrank auf die andere Seite, das IKEA-Regal unters Bett, das Bett an die Seite, der Rutschenturm ans Bett und die Rutsche an den Turm. Eigentlich ganz einfach, aber mit einer hochschwangeren Mama konnte der Papa das alleine beim besten Willen nicht durchführen.

    Aber Rettung nahte: die Onkel Felix und Fabian haben sich just am Samstag zum Besuch angekündigt und wurden von uns Dreien mit Freude erwartet: Mama und Papa, weil wir uns über Besuch freuen und Juliane, weil sie sich auf das erste mal Rutschen vom neuen Bett freut. Morgens hätte ich die Umräumaktion fast dann doch noch alleine gemacht, als sie mir vor dem Bett stehend mit glänzenden Augen sagte: "Papa, das Bett ist sooo schön!". Hach, da läuft einem das Herz über :-)

    Als dann die beiden Onkel und Manuela gekommen sind, musste sich Juliane doch noch ganz schön gedulden, denn nach einem großen "Hallo" haben wir uns erst zu Kaffee und Kuchen zusammengesetzt. Das hat sie wirklich sehr tapfer abgewartet. Als der Kaffee aber leer und der Kuchen aufgegessen war und wir immer noch keine Anstalten gemacht haben, uns nun zum eigentlichen Sinn unseres Treffens (zumindest aus Julianes Sicht) zu erheben, war's mit ihrer Geduld dann doch mal vorbei. Sie hat uns ziemlich deutlich und mit viel Nachdruck klar gemacht, dass es nun Zeit wäre mal ein paar Arbeiten zu verrichten: "Kommt ihr jetzt mein Bett aufbauen!" (inkl. vorwurfsvoller Handbewegung zur Unterstreichung der Dramatik).

    Also Wickelkommode ins Schlafzimmer, Schrank auf die andere Seite, das IKEA-Regal unters Bett, Bett an die Seite, Rutschturm ans Bett und die Rutsche an den Turm... nicht ohne zuerstmal den Plan ausgiebig unter genervten Blicken unserer Tochter zu diskutieren und dann Tetris in dem kleinen Zimmer mit den Möbelstücken zu spielen. Papa hat dirigiert, Felix hat geschleppt, Fabian und Manuel die Mama unterhalten und dazwischen hat Juliane immer wieder gefragt: "darf ich jetzt rutschen?".
    Dann feststellen, dass man so gegen den Schrank rutscht und daher das Bett vielleicht doch lieber auf die andere Seite stellt, nochmal diskutieren, den Schrank wieder drehen, Rausfallschutz am Bett ummontieren (stand dann doch andersrum das Bett), dazwischen mal probehalber Juliane über den Rutschenturm mit nicht-festmontierter Rutsche rutschen lassen, den Turm fest montieren, Matratze drauf und zu gutem Schluss die Rutsche anschrauben - ah ja: und zwischenrein noch ein paar mal diskutieren :-)

    Aber: Tata, das Bett stand und Julianes Augen wurden immer größer und ihr Lachen immer breiter bei jeder Runde, die sie über ihr neues Rutschenbett gedreht hat.
    Was wir nicht ahnten: an diesem Abend sollte sie zumindest vorerst das letzte mal bei uns im Schlafzimmer einschlafen :-( Denn schon am nächsten Mittag meinte sie: "Mama, darf ich heute in meinem neuen Bett schlafen?" Ob man da ehrlich sein soll und das sagen, was einem in dem Moment durch den Kopf geht: "Nein, auf gar keinen Fall, Du wirst immer bei uns im Schlafzimmer schlafen, Du kannst doch noch gar nicht so groß sein, Du bis mein Schatz... meeeiiiin Schatzzzzzz..." - Schnüff, so groß schon die Kleine!

    Erst dachten wir, das wird sich wahrscheinlich eh nur auf den Mittagsschlaf beschränken. Aber da haben wir die Rechnung ohne den Drachenwidder in unserer Tochter gemacht. Denn wenn sie was tut, dann zieht sie es auch knallhart durch. So wollte sie Abends prompt wieder in ihrem Bett einschlafen und so ist der Moment gekommen, in dem wir den ersten Auszug von unserem Baby miterleben mussten... zwar nur 5 Meter, aber trotzdem!!!

    Die Kindlein werden flügge - ja klar, aber hätte das nicht erst mit 28 oder besser 35 sein können?

     

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    Auch auf dem Balkon wurde es flügge: unsere Amseln, die auf der Markise unterm Dachvorsprung nisten, haben 5 kleine Amseljungen, die allerdings schon ganz schön neugierig in die Welt schauen :-)

     

    PS: um 0:10 Uhr kam sie dann zurück zu uns - Mama und Papa nur halb dösend mit einem Ohr in Richtung Kinderzimmer horchend, den Gang mit x Steckdosenlämpchen erhellt und dem Kind so den Weg gewiesen... den es aber gar nicht gebraucht hat, denn der Papa war schneller am Bett, als Juliane sich aufrichten konnte und hat schon mal proaktiv gezeigt, wo's lang geht zum elterlichen Sehnsuchtsbefriedigungskuschelort.

    Die Erkenntnis: Nicht am Kind müssen wir arbeiten, sondern an uns!!!

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