Erste Schritte in die Eingewöhnung

    Letzte Woche hatte Samuel seinen ersten Tag der Eingewöhnung in Julianes alter Krippengruppe, den Rotkehlchen. Natürlich finden wir, dass er dafür eigentlich noch "viiiiiel" zu klein ist - naja, oder vielleicht auch nicht mehr, denn ihm ist daheim jetzt schon ziemlich langweilig, wenn Juliane mal nicht da ist.

    Das Tolle daran ist, dass ich diesmal die Eingewöhnung machen darf. Und so sind Papa und Sohn sehr (unterschiedlich) gespannt in die Kita am Mittwoch gegangen, um mit der Eingewöhnung zu beginnen. Vorher hat uns die Mama aber eingeschärft, dass die Eingewöhnung nicht schon nach anderthalb Wochen abgeschlossen sein bräuchte, sie würde auch noch gerne ein paar Tage mitgehen.
    Den Gefallen tut Samuel ihr gerne. Denn auch wenn er wirklich schon einiges durch seine große Schwester gewohnt ist, strengt ihn das ganze doch mehr an, als ich gedacht hatte.

    Samuel mit Marina (rechts) im Garten)Es beginnt damit, dass sich Samuels Tagesrhythmus zuallererst mit seiner Aufstehzeit verändert hat, denn der Tag beginnt nun schon um 7 Uhr, damit wir gegen 8:30 Uhr in der Kita sein können. Ab 8 Uhr sind die Kleinen bereits im Garten und gegen 9:15 Uhr gehen sie zum zweiten Frühstück des Tages in die hübschen Gruppenräume, um sich nach Freispiel gegen 11 Uhr zum Mittagsschlaf hinzulegen. In dem Fall die restliche Gruppe in ihre Kita-Betten und Samuel und ich gehen nach Hause, wobei Samuel bereits im Kinderwagen erschlagen einschläft. Denn bereits nach anderthalb Stunden merkt man bereits deutliche Verschleißerscheinungen, wenn Samuel in immer kürzeren Abständen zum Zwischenkuscheln vorbeikommt. Und nach 2 Stunden ist der Akku dann endgültig leer.

    Das frühe Aufstehen verschiebt natürlich auch die Schlafengehzeit um eine Stunde von der laisser-fairen Skandinavienzeit um 20 Uhr auf 19 Uhr nach vorne. Daher waren wir am Freitag ganz froh, dass wir erst Mitte der Woche begonnen haben und somit bereits nach 3 Tagen das Wochenende zur dringend benötigten Regeneration aller Familienmitglieder genutzt werden kann. Denn die ganze Schlafensverschiebung, die vielen neuen Eindrücke, Spielzeuge, Erzieher, Kinder und Umgebung wird von Samuel (wie soll es auch anders sein) nachts verarbeitet. Entsprechend kurz waren daher die Nächte, zerhackt und einigermaßen schlimm!

    Zu den ganzen neuen Eindrücken kam leider noch ein weitere Umstand hinzu, der am Freitagnachmittag zu einem sehr aggressiven und untypischen (und für uns gänzlich neuem) Verhalten von Samuel geführt hat: er haute uns und Juliane und nahm ihr Spielzeug äußerst grob weg.

    Der Grund ist dem Umstand geschuldet, dass man leider nirgends davor gefeit ist, ein Idiotenkind um sich herum zu haben. Unser AK heißt Ashoka, ein strohblonder, knapp zweijähriger Junge, der ebenfalls bei den Rotkehlchen zur Eingewöhnung mit seiner Mutter (oder Oma, so genau lässt sich das am Alter nicht bestimmen) ist. Keine Ahnung, warum man für ein Kind einen altindischen Namen wählen muss, aber das sagt schon viel über die bekloppte Familiensituation aus.

    Auch zeigt sich hier wieder einmal, dass der Schuster die schlechtesten Schuhe trägt! Denn nicht nur der Sohn einer Pädagogin (für Jugend- und Familienpädagogik), sondern Ebenselbige auch haben beide granatenmäßig einen an der Waffel! So schlägt Ashoka die anderen Kinder ohne Anlass, schupst sie unmotiviert auch mal von einem Podest herunter oder rammt sie mit Spielzeug um. Doch anstelle direkt einzugreifen, sitzt oder steht die Mutter daneben mit Sätzen wie "Ashoka, das soll man doch nicht machen". Am ersten Tag hat er Samuel umgeworfen und sich mit beiden Händen auf seiner Brust abgestützt. So perplex wie Samuel habe auch ich erstmal reagiert, denn da wusste ich leider noch nicht, was für einen Vollpfosten ich da vor mir habe, sonst hätte ich ihn nicht so sanft behandelt. Von der Mutter kam (natürlich): nichts.

    Wie sehr diese Frau ihren Beruf verfehlt hat zeigt eine andere Situation, als er mal wieder direkt ein Mädchen ohne Not auf den Kopf geschlagen hat: "Ashoka, die Kinder möchten nicht, dass du sie anfasst...". Nein, Du riegeldummes Stück Brot, die richtige Reaktion neben dem (nicht erfolgten) Zurückziehen mit Nachdruck wäre gewesen: "Ashoka, ich möchte nicht, dass Du andere Kinder schlägst!". Ihre Therapie ist (kein Witz), dass er mehrfach am Tag ein Milchfläschen und Schnulli bekommt, wenn er "zu aufgeregt" ist - so laut dem Eingewöhnungsbogen, den ich zufällig *hüstel* gesehen habe. Aber vielleicht wäre hier ein klares "Nein" der bessere Ersatz!

    Diesen Mangel an erzieherischer Vorbildung und fehlenden Grenzen haben auch die Erzieher inzwischen erkannt und so landet Ashoka die erste Zeit meist bei Erzieher Michael (gesprochen als irisches "Meikel") auf dem Arm und muss eine Auszeit nehmen. Der Schlüssel zum Erfolg war allerdings die Trennung von der Mutter!
    Seit diese am Vormittag in das Elternzimmer verbannt und damit nicht mehr bei ihrem Augapfel ist, hat sich das Verhalten des Blödheinis massiv verändert. So kann er plötzlich für seine Verhältnisse "normal" spielen ohne andere Kinder zu hauen - zumindest bis er müde wird. Er hat in Michael den fehlenden Grenzenzieher gefunden und rennt gleich morgens begeistert in dessen Arme. Ich bin allerdings immer noch sehr misstrauisch, wenn ich einen von beiden (also Mutter und/oder Kind) sehe.

            

             

    Juliane auf Besuch und Samuel mit seinem Lieblingsspielzeug: einem Holztraktor (das wäre ein prima Weihnachtsgeschenk ;-))

    Nun sind wir bereits in der zweiten Woche angekommen und auch Juliane hat schon ihren ersten Kindergartentag mit Bravour gemeistert, auf den sie allerdings auch schon sehr hingefiebert hat. Bei ihr merkt man besonderst, dass sie die zwei Monate Skandinavien enorm weiterentwickelt und selbstständiger gemacht haben!
    Bei Samuel stand nun an Tag 5 der Eingewöhnung die erste zeitlich begrenzte Verabschiedung an. Geplant war, dass ich nach dem Frühstück für eine halbe Stunde gehen sollte und die Erzieher dann mal schauen, wie Samuel reagiert. Sanft und sensibel... aber nicht mit Samuel!
    Erstmal musste ich ihn doch einigermaßen aktiv darauf hinweisen, dass der Papa jetzt gehen würde. Samuel hat daraufhin kurz von seinem Spielzeug (eine Musikbox - es geht doch nichts über Technik) aufgeschaut, gelächte und gewunken - und dann weiter gespielt. Kurz und schmerzlos! Für ihn, denn bei mir bliebt natürlich schon die schmerzliche Frage: bin ich etwa so ersetzlich...? Wir werden es in 30 Minuten sehen... ;-)

    Nachtrag: aus den geplanten 30 Minunten wurden mehr als eine Stunde. Also jetzt bin ich aber schon - neben sehr viel Stolz auf den tapferen kleinen Mann - auch ein bisschen "angezwickt", dass es gleich soooo einfach geht. So ein bisschen Vermissen wäre ja dann schon ganz nett - eine tränenreiche Begrüßung, in der wir uns weinend in die Arme fallen, hat (wenn überhaupt) nur in meiner Vorstellung stattgefunden ;-)
    Schön ist, dass alles laut den Erziehern so super geklappt hat, das sie die Abwesenheit einfach etwas länger haben laufen lassen. Er hätte prima gespielt und Marina (die Bezugserzieherin) hat sogar eine frische Windel machen dürfen! Haben sie ja auch recht.

        

    Samuel nutzt die Chance alleine zu spielen, während der Rest noch frühstückt

             

    Freiheit...!!!

    Leider haben wir am Nachmittag dann wieder feststellen müssen, dass Samuel äußerst grob und heftig kneift, schlägt und schupst. Ich befürchte, dass es wieder einen Vorfall mit dem emotionalen Krüppel gegeben hat und werde das morgen mit den Erziehern nochmal klären. So geht das nicht!

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