Wie - schon vorbei?

    Heute hat Samuel zum ersten Mal alleine in der Kita geschlafen. Ob das klappen würde…?

    Dabei hilft es natürlich, dass wir ihn auf Grund der Kita-Erfahrung mit Juliane immer schon um 11 Uhr hingelegt haben, da dies auch die Mittagsschlafzeit ist. Das funktioniert an sich prima (anders als beim abendlichen Zubettgehen), denn er dreht sich im Bett zur Seite, kuschelt sich in sein Kissen und: schläft. Ohne großes Theater - in der Regel.

    Denn daheim schläft er alleine in seinem bekannten Bett, ohne neue Eindrücke, viele Kinder und entsprechenden Geräuschpegel um sich herum. Da die Eingewöhnung aber sehr gut funktioniert, waren die Erzieher der Ansicht, dass wir heute - am letzten Tag der Woche - den Mittagsschlaf als nächsten Schritt einfach mal probieren sollten. Samuel hätte das Wochenende zum "Auskurieren" - und wir auch. Sollte es nicht klappen, nun dann gehen wir einfach wie die Tage zuvor wieder gegen 11 Uhr. Dass heute bereits Tag 5 in der Krippe ist, merkt man nicht nur ihm an, sondern auch die anderen Kinder sind schon leicht erschöpft. Insofern war ich gespannt, wie es wohl laufen würde.

    Da er seit Dienstag weiß, was Verabschiedung bedeutet - nämlich den Papa erstmal eine Zeitlang nicht zu sehen, was mangels Zeitgefühl gefühlt lange sein kann (bei Kind und Papa übrigens gleichermaßen!) - hat er an jedem Tag seinen Unmut über die Trennung mit einer einwandfreien Theatereinlage bei der Verabschiedung weinend zum Ausdruck gebracht. Da ist es hart standhaft zu bleiben und nicht gleich hinterherzurennen, um den "armen Kleinen" in die Arme zu schließen und zu trösten, wenn sich mir zwei kleine Händchen untermalt mit herzzerreißendem Schluchzen entgegenstrecken.

    Heute hat er mich daher diesmal im Garten gar nicht erst aus den Augen gelassen und ist in meiner Nähe geblieben. Das schlechte Gewissen war mir sicher, als es für ihn auf den Armen seiner Bezugserzieherin Marina nach innen zum Frühstücken ging und ich draußen im Garten bleiben "durfte". Glücklicherweise sind wir durch Juliane doch schon ein bisschen abgehärteter, sonst würde ich wohl innerlich zerrissen ewig darüber nachgrübeln, was ich dem armen Mann hier schlimmes antue. Und zum zweiten Glück kommt meist Meike (die andere Erzieherin) mit einer Tasse Kaffee für mich zu mir raus und berichtet über den aktuellen Zustand. Denn bereits nach der Gartentür hört er sofort auf zu weinen und widmet sich begeistert den nächsten Schritten des Ausziehens, Händewaschens, Frühstückens und dann natürlich Spielens. Eigentlich clever, ich sehe seine Reaktion ja schließlich nicht mehr, als warum weiterweinen und wem damit ein schlechtes Gewissen machen… so ein Lump! ;-)

    Um Viertel nach Elf kam dann Michael kurz vorbei, um völlig perplex davon zu berichten, dass Samuel schlafen würde. Ohne Probleme, ohne Theater, ohne zu weinen. Marina hat ihn mit den anderen Kindern in den Schlafraum mitgenommen, in seinen Schlafsack gelegt, seine momentane "Lieblingskuschelspieluhrente" aufgezogen und dann mit dem Schlimmsten gerechnet. Er dagegen hat sich zur Seite gedreht und ist eingeschlafen. Das hätten sie in der Form noch nicht beim ersten Schlafen erlebt.

    So hatte ich weiter Zeit mich durch die Kita-Bibliothek "durchzulesen" - unter anderem über die "magische Kraft" von Labyrinthen - bevor Samuel stolze 1:45h Mittagsschlaf später dann doch eine Portion Papa-Kuscheln gebraucht hat. Leicht verpeilt und ganz schön verpennt hat er mich auf Marinas Arm angeschaut, als beide ins Elternzimmer gekommen sind. Immerhin war er der Erste der geschlafen hat und der Letzte der aufgewacht ist. Da geht einem das Vaterherz auf - ich werde als doch noch etwas gebraucht ;-). Ich bin schon ganz schön stolz auf den großen Kleinen!

    Nach einem kurzen Nudeln-mit-Tomatensoße-Mittagessen und einer kleinen Spielrunde später haben wir das Wochenende eingeläutet. Leider hat sich dann doch Freitagnacht und am Wochenende gezeigt, dass das ganze vielleicht auch etwas zu schnell für Samuel ging. Er ist wohl ein sehr tiefes Wasser, das vielleicht etwas mehr zeigen sollte bzgl. der eigenen Gefühlsregung und nicht einfach nur stoisch "ertragen". Vielleicht haben wir ihm doch etwas zu viel in zu kurzer Zeit zugemutet…?

    Denn faktisch habe ich gerade einmal 4 Tage vom Kita-Alltag live mitbekommen, den Rest der Zeit war ich nur Zaungast und habe im Garten oder Elternzimmer gewartet. Irgendwie hatte ich mir schon mehr von der Eingewöhnung erwartet. Das ging jetzt doch etwas zu schnell…

    Ein kleiner Anekdote zu meiner "Lieblingsfamilie":
    Ashoka war "leider" Donnerstag und Freitag nicht in der Krippe. Schuld war nicht eine mögliche Krankheit, sondern die Verkürzung auf 3 Tage / Woche durch die Mutter, denn diese ganze Umstellung würde Ashoka doch sehr überlasten... Na, da widerspreche ich dann mal nicht, auch wenn dem Jungen 5 Tage die Woche klare Grenzen und regelmäßigen Tagesablauf vermutlich ganz gut getan hätten.

    Da ich am Mittwoch leider mit ihr im Elternzimmer saß, habe ich in einem Gespräch zwischen ihr und der Mutter von Romy (einem anderen Eingewöhnungskind in der Nachbargruppe) erfahren, dass Ashoka eigentlich Emil heißt. Kein Scherz! Ein indischer Guru hätte in Emil den spirituellen Namen "Ashoka" entdeckt. Die Bedeutung des alt-buddhistischen Namens wäre "großer König, der den Buddhismus einführte" bla bla bla… Und es wäre ja so toll, wenn der Kleine später über den mystischen Hintergrund seines Namens nachdenken könnte… bla bla bla. Bei dem Detail hatte ich mich bereits geistig ausgeklinkt mit der Frage: gegen welchen Pfosten muss man gelaufen sein, um so matschig in der Birne zu werden?

    Ach ja, die Großeltern wollen Ashoka übrigens lieber weiter Emil nennen. Wer kann ihnen das verdenken?

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