Mit einem weinenden Auge verließen wir zwar nicht Banff, dafür aber die Rocky Mountains. Mit einem wehmütigen Blick zurück war uns klar, dass wir nun eine der Highlights unserer tollen Reise zurücklassen würden. Die Rocky Mountains sind schon atemberaubend, großartig, bombastisch und einfach nur schön! So eine tolle Landschaft, dieses weite, wilde und wenig besiedelte Land ist schon toll und die Rockies mit ihrer Tier- und Pflanzenwelt eine ganz besondere Gegend.

Also haben wir nochmal die Wirtschaft mit einer Touri-Shoppingtour angekurbelt (ohne in das griechische Restaurant "Balkan" zu gehen - so klein sieht Europa halt aus Nordamerikaperspektive aus) und sind in Richtung Revelstoke zurück nach Vancouver aufgebrochen, um den Abschluss unserer Reise - Vancouver Island - in drei Etappen anzusteuern.

Vorher hatten wir aber noch die witzige Begebenheit, dass neben uns beim Parallel-Dumpen (also dem Ablassen von Schwarz- und Grauwasser) zwei offensichtlich frisch gestartete Camperinnen die ersten Schritte auf unbekanntem Terrain unternommen haben. Ein für alle anderen slapstickartige Vorstellung unter Handbuchanleitung, die in einer Dusche beider Schwäbinnen unter viel Fluchen geendet hat, als die eine Camperin mit spitzen Fingern in Gummihandschuhen (sehr zum Empfehlen übrigens!) das flexible, große Dumprohr gehalten hat und die andere den Wasserschlauch dermaßen aufgedreht hat, dass der Wasserstrahl wie aus einem Hochdruckreiniger rückwärts in alle Richtungen aus dem Dumprohr zurückgeprallt ist. Lecker…

Unsere erste Zwischenstation war noch vor Revelstoke der Crazy Creek Hot Pools Resort. Dieses hat das wichtigste Argument für unsere Mitfahrer: einen Pool! Und zwar nicht nur einen sondern gleich 4: 32°C, 37,5°C, 40°C und einen 8°C (sic!) kalten die wir und vor allem Juliane und Samuel ausgiebig mit Planschen, Tauchen, Rolle vorwärts und Rückwärts sowie Unterwasserhandstand noch abends genutzt haben. So ermattet ging es rasch ins Bett (auch hier leider wie in ganz BC gilt der "Fireban"), allerdings nicht ohne vorher den bombastisch klaren Sternenhimmel mit sichtbarer Milchstraße zu bewundern.

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Während die Kinder bereits geschlafen haben, haben wir einmal mehr den Abend damit verbracht die restliche Route zu planen. Der Vorteil einer nicht durchgeplanten Tour ist, flexibel bleiben zu können, wo man will. Der Nachteil allerdings, dass sich nicht alles bei unserer Flexibilität mitmacht, wie beispielsweise die Fähren nach Vancouver Island, Parks bei verlängerten Wochenenden oder Whalewatching-Touren.

Bämm - wie von der Terrantel gestochen sind wir beide bei einem Mordsschlag von unseren Plätzen aufgesprungen: Samuel hat es nach 14 Tagen schlafen im Alkoven (also dem Bett über der Fahrerkabine) geschafft, zum ersten mal rauszufallen. Er oder wir alle hatten ein Riesenglück, denn er ist irgendwie weich unten gelandet. Schlaftrunken hat er mehrfach versichert, dass ihm nichts weh tun würde und auch wir haben trotz intensiver Sichtprüfung nichts gefunden. Mit diesem Schreck in den Gliedern sind wir auch schlafen gegangen: ich bei Samuel oben im Alkoven, sodass er nicht nochmal rausfallen konnte. Er wusste am nächsten Tag übrigens nichts mehr von dem nächtlichen Sturz, was für ein Schlaf der Gerechten! :D

Doch kaum waren wir eingeschlafen, da stürzte urplötzlich und ohne Vorwarnung unter den ohrenbetäubenden Trompeten von Jericho die Nachtruhe über uns ein. Nicht ein mal, nicht zwei mal sondern mit drei langen und tiefen Stößen aus dem Horn eines Zuges, der direkt hinter dem Campingplatz sein Nahen ankündigte , wozu er bei jeder Ortsdurchfahrt oder Bahnsteigübergang verpflichtet ist, um andere zu warnen… da war die Freude auf die Nacht groß.

Am nächsten Morgen, nachdem alle zwanzig Minuten ein Güterzug durch unsere Wohnmobil hupend gerattert ist, waren wir doch ordentlich gerädert (ein schönes Wortspiel!). Wobei "wir" Yvi und ich bedeutet, denn die beiden Kurzen haben wieder einmal den Schlaf und sehr Erschlagenen geschlafen ;-)

Mit dem kanadisch wundervoll fetten Speck, der jedem Kardiologen die Tränen in die Augen treiben würde, wenn er die Pfanne voll Fett nach dem Braten sieht, haben wir den nächsten Tag eingeläutet. Beim Frühstück hat eine seltsame Grille unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Sie ist graubraun und auf dem staubigen Schotterboden nur schwer zu erkennen. Dafür hört man sie hervorragend, da sie im Zickzack fliegt und jedes mal ein laut knallendes Geräusch erzeugt. Spannend!

Den weiteren Mittag und frühen Nachmittag haben wir am nahgelegenen, wundervoll klaren Gebirgsflüsschen Eagle River verbracht, in dem sich Juliane und Samuel in einem reißenden Abenteuer die Strömung haben heruntertreiben lassen bis in ein kleines Becken, das ca. 100m entfernt die Reise beendet hat und sie wieder zum x-ten mal an die Einstiegsstelle zurück gerannt sind für eine weitere Runde.

Mit einer kurzen Aufwärmrunde in den "Hot Pools" ging es dann weiter in Richtung Vancouver Island.