Unser letzter Tag in Jasper geht zu Ende. Schade eigentlich, der Nationalpark bietet doch sehr viel mehr, als man in 3 Tagen erkunden kann - allein auf dem Campingplatz waren wir nicht einmal auf dem Spielplatz geschweige denn dem Freilufttheater.

Einmal mehr hatten wir aber die Gelegenheit witzige Begebenheiten auf dem Campingplatz zu beobachten. Heute morgen war das ein Männergespann mit Eierkocher, Wasserflasche und 12er-Pack Eiern, die auf dem Weg zur Sanitärstation waren, in der es offensichtlich den fehlenden Strom gibt, um Eier zu kochen… wer bitte schön bringt denn einen Eierkocher zum Campen mit? Man kann es sich manchmal nicht ausdenken, wie blöd die Realität ist :D

Nach einem schnellen Frühstück, Dumpen und Wasser auffüllen, haben wir uns in Richtung Nationalpark Banff mit Zwischenstopp Mt. Athabasca und seinem grandiosen Gletscher gemacht.

Bei "Harry Potter - und der Stein der Weisen" jagten wir den Icefields Parkway (Highway 93) gen Südosten entlang und wurden prompt mit der ersten von zwei Schwarzbärsichtungen belohnt, bei der sich vermutlich Mutter und Kind am Highwayrand in aller Seelenruhe durch die Busch- und Baumbewuchse gefressen haben. Die Bären hier in den Rocky Mountains haben sich nämlich in Ermangelung von Fischbeständen zu größtenteils Vegetariern entwickelt, wobei die Grizzlies geschickt genug sind, kleine Erdhörnchen und ähnliches aus Ihren Erdhöhlen zu graben. Ansonsten fressen sie vor allem viele Beeren (so ca. 10.000 am Tag).

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Das hebt die Laune und so sind wir durch eine traumhafte "Canadian Rockies" Landschaft gefahren, bei der sich links und rechts von uns langgezogene Bergzüge erstrecken. Linker Hand mit gleicher steiler Abbruchkante, ähnlich von aufgekämmten Haar in einem nach vorne gebürsteten Irokesenschnitt. Rechts von uns Matterhornähnliche Berge teilweise mit Schneekuppen bedeckt. Faszinierend und erhaben zugleich. Und dazwischen immer wieder milchig türkisene Bergseen, die phantastisch im Grün der Wälder und grauweiß der Berge hervorstechen.

Wir hätten alle 2 Kilometer für ein Panoramafoto anhalten können - wenn nicht regelmäßig lauthals Protest von hinten gekommen wäre, warum wir schon wieder an einem See, Berg oder Wasserfall anhalten…

Am Jasper National Park Icefield Information Center angekommen, haben wir uns erstmal über die Möglichkeiten am Gletscher erkundigt und die kleine, aber feine Gletscherexhibition angeschaut. Hier erfährt man, wie der Gletscher aufgebaut ist, wozu Eis nützlich ist, wie der tierische Lebensraum aussieht und wie dramatisch der Gletscher in den letzten einhundertfünfzig Jahren seit Beginn der Industrialisierung abgeschmolzen ist bzw. wo das ganze mal enden wird. Der Gletscher war bis vor ca. 150 Jahren noch dort, wo das Information Center heute steht. Da ist er mittlerweile schon lange nicht mehr und man muss nochmal 5 Minuten zum Parkplatz weiterfahren, um von dort den Aufstieg zu Fuß zu machen, um bis zur heutigen Gletscherkante zu gelangen. Das ist erschreckend! Eine Hochrechnungen zeigt, dass der Gletscher in weiteren 100 Jahren gänzlich weggeschmolzen ist - wenn wir nichts ändern.

Und wie zum Hohn nach dieser Umweltaufklärung kann man hier eine Fahrt auf den Gletscher für ca. 150 CAD buchen in Bussen mit dicken, zwei Meter hohen Ballonreifen, die vermutlich mit gepflegten 50-100 Liter Sprit auf 100km Touristen auf den Gletscher karren, damit diese dort einmal das Gletschereis hautnah erleben. Das nenne ich mal echten Sarkasmus!

Wir haben uns per Pedes auf den Weg gemacht in entsprechender Ausrüstung übers Geröllfeld und waren bald an der Eiszunge angelangt, für dessen Weg wir auch eine geführte Tour hätten unnötigerweise buchen können. Unterwegs passiert man einige Tafeln, auf denen gezeigt wird, wo der Gletscher in welchem Jahr mal war.

Neben einem schmelzenden Gletscher ist noch erschreckender, was für ein seltsames, vollkommen Alpinunfähiges Touristenvolk teilweise entgegenkommt: Kurze T-Shirts, Shorts, Badelatschen und Flip-Flops sind noch die einfachsten Accessoires. Und ich kann die ganze Zeit Samuel erklären, dass das nicht die Referenzkleidung ist, egal wie oft er mich noch darauf hinweist.

Kriminell wird es erst bei Babies in Tragen (natürlich vorne rangeschnallt, man braucht ja einen Airbag beim Fallen) in kurzen Sachen und ohne Mütze. Da fällt einem wirklich nichts mehr ein.

Nach diesem Exkurs sind wir dann die letzten 200km bis Banff gefahren, nicht ohne unterwegs nochmal 3 Schwarzbären (eine Mutter mit zwei Kleinen) zu beobachten, die ebenfalls den Highway-Straßenrand als ihre Futterstelle für sich proklamiert haben. Leider ist auch hier ein Touristenklientel unterwegs, in das man nur noch reinhauen kann: Es wird rücksichtslos auf der Fahrstrecke gehalten, anstelle an den Randstreifen zu fahren. Diesmal sind die Leute sogar ausgestiegen, um den Bären hinterher zu laufen und sie besser fotografieren zu können (natürlich immer mit unsinnigem Blitz). Hier wünschte ich mir durchaus mal den Moment, in dem ein Idiotenteil der menschlichen DNA dem  Erbgutpool durch gefressen werden entzogen wird. Leider führt auch dies eher zum Tod von Bären, da diese bei zu viel menschlicher Gewöhnung und Nähe erschossen werden. Das passiert tatsächlich ca. 1.000 mal im Jahr. Eine echte Tragödie!