Wir müssen noch ein wenig an unserem Zeitmanagement arbeiten. Nach mittaglichem Essen (Juliane) und Dumpen (Camper) ging es dann doch erst gegen halb 2 (wir) weiter in Richtung… tja wohin eigentlich. Hier standen wir schon vor der ersten Entscheidung.
Wohin wollen wir eigentlich. Schnell mal den Frankreich-Reiseführer zücken und nachlesen. Nach ein paar Minuten war ich etwas irritiert, dass da die Orte Orange, Avignon und Nimes gar nicht darin vorkommt. Dafür Toulouse, Bordeaux und Pau. Blöd, wenn man SüdOSTEN mit SüdWESTEN verwechselt und jetzt einen Reiseführer ohne Nutzen dabei hat (und noch zusätzliches Gewicht - als Jakobsweggänger reagiere ich da ja inzwischen allergisch).
Nun, wir haben uns gegen die Côte d'Azur entschieden, da der Weg dann doch sehr lange wäre und wir wohl mehr fahren als sehen würden. Daher haben wir uns für die Papststadt Avignon entschieden. Mit ca. 550km Entfernung ein ordentliches Stück Fahrt, das wir - soviel sei schon mal gesagt - zukünftig versuchen werden zu vermeiden. Leider ist unsere Mitfahrerin nicht ganz so tolerant. Sie sieht einfach nicht ein, warum sie 5 Stunden lang die Rückbank anstarren soll…
Unterwegs haben wir allerdings interessante Orte passiert. So sind wir am Emmental vorbeigefahren, wo der berühmte Käse angebaut wird, an Nespresso, wo die Espressokapseln geerntet werden und an einem der vielen berühmten Châteaus, wo der gute französische Wein in Flaschen wächst. Oder andersrum…
Wir hatten den Tip bekommen, ab Valence die Nationalstraße in Richtung Avignon zu nehmen, da diese landschaftlich schön parallel zur A7 verläuft und darüberhinaus auch noch Mautfrei ist. Das Navi zeigt freundlicherweise an, dass die Fahrzeit über die Nationalstraße danke der vielen Kreisverkehre in etwa doppelt so lange ist, als über die Autobahn. Kurz mal die Lage checken und die sich hinten brechenden Stimmung abwägen - und dann doch lieber die teure Autobahn wählen. Hier ist halt doch "das Ziel" das Ziel und nicht der Weg…
Nach einer "interessanten" Fahrt mit 3,0m- und 3,5-Tonnen-Durchfahrtsverbotsschildern an der beeindruckenden Stadtmauer von Avignon entlang, sind wir an dem direkt an der Rhône gelegenen Campingplatz angekommen und haben die beeindruckende Kulisse der alten (halben) Brücke und des Papstpalastes bei einem Abendspaziergang am Fluss entlang genossen. Die alte Brücke wurde irgendwann durch ein Hochwasser fast gänzlich weggerissen und von den 22 Bögen stehen daher heute nur noch 4, die bis in die Mitte des kleinen Rhône-Arms reichen.
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| Blick auf Avignon und den Papstpalast |
Ein kurzer geschichtlicher Exkurs: Avignon war zwischen 1335 und 1430 die Residenz von 6 Päpsten und Gegenpäpste, als die Franzosen mit königlicher Hilfe von Philipp dem Schönen den Stuhl Petris für sich "erobert" haben und der gewählte Papst Clements V. dank der politischen Wirren kurzerhand gar nicht erst nach Rom übergesiedelt ist. Stattdessen wurde Avignon zur neuen päpstlichen Residenz und die 6 französischen Päpste haben innerhalb eines Jahrhunderts aus dem bischöflichen Sitz eine fürstliche Bleibe geschaffen und diesen "alten" Palast erst ausgebaut und dann durch den neuen Palast sowie die toll erhaltene Stadtmauer sowie natürlich diverse weitere Bauten ergänzt.
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| Besichtigung mit Juliane |
In einem Internetblog habe ich eine Kritik gelesen, in der sich der Autor ausgiebig über die "Abzocke" in Avignon sowie den seiner Meinung nach überzogenen Preis von 10€ für ein paar steinerne Gemäuer auslässt. Zugegebenermaßen etwas verunsichert haben wir dann doch den Eintritt von inzwischen 10,50€ / Person auf uns genommen (Babys kostenlos - wir haben für Juliane, soviel Bürokratie muss sein, sogar eine eigene Eintrittskarte erhalten) und wir können sagen: wir wissen nicht, welches Gebäude der Kritiker angeschaut hat, aber die 21€ waren sehr gut investiertes Geld für einen sagenhaft beeindruckenden Papstpalast. Im Eintritt ist ein sehr guter Audioguide enthalten und die verschiedenen Räume werden mit aufwendig gemachten multimedialen Illustrationen, die die Veränderungen und Anlässe darstellen, erklärt. Also beide Daumen hoch für so viel Detailarbeit!
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| Irgendwann hatte Juliane sichtlich genug |
Juliane hat sich hier auch tapfer geschlagen - immerhin 3,5 Stunden lang! Erst hat sie begeistert in der Babytrage alles interessiert angeschaut und alle angelacht - diese Eisbrecherin! - dann einen Zwischenschlaf gehalten und irgendwann dezent darauf hingewiesen, dass sie so langsam ein Hüngerchen bekommen könnte. Und so sind wir zurück zum Campingplatz - nicht ohne einen Crêpes-Zwischenstop für uns einzulegen.
Julianes Reisebericht:
Lauter freundliche Leute hier! Egal wie griesgrämig die sonst so schauen, mich lachen alle an. In dem alten Gebäude heute war die Stimmung aber irgendwie bedrückend kühl und alles so furchtbar leise. Das konnte ich ändern und mit ein paar fröhlichen "Juchhuuuu"s, "Ijjjjjak"s und "bbrrrrrrlllllll"s diese Tristesse durchbrechen. Sogar einer der Sicherheitsleute hat um die Ecke gelinst, was da wohl los ist und dann gelächelt. Da sollen sich Mama und Papa mit ihrem "psssst" nicht so anstellen.
Aber warum die beiden Egoisten weder einen Crêpes für mich gekauft noch mir etwas abgegeben haben, bleibt ihr Geheimnis. Dabei habe ich alles gegeben, auffordernd geguckt und mit Armen und Beinen gerudert, während die beiden mir was vorgegessen haben >:-( Ich will endlich reden können… na passt bloß auf, ich übe nochmal… "Iiiijjjjak", "brabbelbrrrllllll"…
PS: Schön, auch dass meine Eltern fast vergessen hätten, dass ich heute 6 Monate alt werde!!!
Wo kann ich nochmal Eltern tauschen gehen???
PS: Aber wir haben noch daran gedacht! Happy 6-Monthsday, liebe Juliane!
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