Unser gestriger verspäteter Start und das entsprechend späte ins Bett gehen ("Die Reise beginnt") hat natürlich dazu geführt, dass wir damit auch erst spät heute gestartet sind. Und so gab es Frühstück um 13 Uhr und das heutige Etappenziel war "nur" Lausanne, denn hier waren wir beide bisher noch nie.
Und die Wahl war sehr gut, denn Lausanne ist ein wunderschönes Städtchen, dass in der französischsprachigen Schweiz an einem hübschen See liegt. Der Campingplatz liegt direkt am See, ca. 4km vom Stadtzentrum entfernt und hat just zum 1.10. auf die Nachsaisonpreise umgestellt (wie mir die freundliche Dame an der Rezeption erklärte) - das macht mal fast 50% aus, da freut sich das Schwabenherz!
Den Abend haben wir ruhig ausklingen lassen und sind früh ins Bett. Erst am nächsten Morgen haben wir den Ausflug mit einem Spaziergang am Seeufer entlang in Richtung Stadtkern gemacht.
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| Spaziergang am Lausanner See |
Unterwegs sind wir einer großen Gruppe Kinderwagenschiebern begegnet, denn hier war großer Kindergartenausflug zum Circus Knie. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich mit dem Namen so gar nichts anfangen konnte, aber Yvi, der alte Zirkusgänger, wusste sofort, dass hier wohl der bekannte Schweizer Nationalcircus sein Winterquartier aufgeschlagen hat.
Und Leute: das war der Hammer! Wer heute noch denkt, dass so ein "Wanderzirkus" aus armen Schaustellern mit ein paar verlausten Wohnwagen und halbverhungerten Tieren besteht, der hat sich gründlich geirrt! Nicht dass wir uns falsch verstehen, es gibt sehr viele kleine Zirkus gibt, die von der Hand in den Mund leben, bzw. vermutlich ohne Unterstützung gar nicht mehr überleben könnten.
Aber so ein Nationalzirkus ist ein Unternehmen mit gigantischer Logistik und allen Bereichen, wie sie jede Firma auch hat (hier könnte man Berater zur anschaulichen SCM-Schulung schicken!).
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| Zirkus Knie - was für eine Logistik! Leider haben wir vergessen Bilder zu machen :( |
Das erste, was uns begegnet ist, war der Fuhrpark an Wohnwagen. Zwischen den "normalen" 7-Meter-Trailern standen dicke Schlitten wie Porsche Cayenne 4S und Panamera sowie zwei Wohnwagen, für die dieser Begriff eine Frechheit ist! Das waren abgedockte Aufleger von 40-Tonnern, die links und rechts Seitenteile zum Ausfahren hatten, um den Innenraum noch größer zu machen. Ob das jetzt die Kantine, der Aufenthaltsraum oder die Privatunterkunft der Familie Knie war? Wir wissen es nicht. Dann kamen die Stallungen, hinter denen sich Türme an Tierfutter gestapelt haben, die von Gabelstablern herumgefahren wurden und vor dem monströsen Zelt standen die klassischen Zirkusanhängern, die man eigentlich einem Zirkus zuordnen würde und aus dem Disney-Dumbo-Film kennt. Darin wohnen aber heute mitnichten die Akrobaten, sondern der Beschriftung kann man die Büroräume entnehmen: "Medienbüro", "Kaufmännische Abteilung", "Personalbüro", usw.
Selbst eine eigene Feuerwehr hat der Zirkus Knie - allerdings war das eine Fahrzeug schon ein wenig putzig, wenn man sich vorstellt, das ganze Zelt steht lichterloh in Flammen. Wir waren jedenfalls so überwältigt von dieser Größe, dass wir völlig vergessen haben ein paar Bilder zu machen.
Nun in Lausanne haben sind wir nur etwas herumgeschlendert, haben das Leben und die Leute beobachtet und waren im "Läckerli-Haus" einkaufen. Zurück sind wir mit dem Bus gefahren, denn jeder übernachtende Gast erhält für die Zeit seines Aufenthalts eine kostenlose Fahrkarte für die öffentlichen Verkehrsmittel! Das nenne ich mal Fortschritt und Besucherfreundlichkeit! Toll! Und nebenbei vermeidet die Stadt ein Verkehrschaos und Umweltbelastung.
Nun ist das Julchen inzwischen an allem superinteressiert, was sich bewegt und um sie herum passiert. Mit dem Gesicht in unsere Richtung tragen können wir mittlerweile vergessen, außer sie ist todmüde. Und so bricht sie mit ihrem Quietschen, Strampeln, Winken und Lachen jedes Eis und wir lernen Leute kennen, die wir eigentlich gar nicht so genau kennen lernen wollten. Und wenn ich etwas ganz besonders leiden kann, ist es das "ins-Gesicht-fassen"! Da bekomme ich ja Pickel! Diese Begegnung hatten wir - sprich Juliane, die ich vor den Bauch geschnallt hatte und ich - mit einem Straßenmusikanten, der offensichtlich so gar nichts von Körperhygiene (zumindest nicht vor Weihnachten) hält. Im Bus kam ich mir vor wie Mr. Monk, der sich von seiner Natalie ein Reinigungstuch nach dem anderen geben lässt, um auch noch dem letzten Keim auf Gesicht und Hand einer brustenden und sich windenden Juliane den Rest zu geben :)
Julianes Reiseeintrag:
Was war das Schweinekalt heute Nacht! Ein Glück sind wir schnell von hier verschwunden! Aber so richtig viel wärmer wurde es nun auch am neuen Ort nicht. Was ist denn nur los? Da war es bisher wunderbar warm und meine Eltern fahren mit mir an den Nordpol!
Hatte heute eine lustige Begegnung mit einem singenden und gitarrespielenden Kauz. Der war total nett zu mir - wie übrigens die meisten Leute. Später im Bus hat der Papa wieder mal einen seiner neurotischen Putzfimmel bekommen… aber warum immer an mir???