Rolling, rolling, rolling…. Hurray… Naja, so richtig hurray ist es nicht, wenn man mit max. 100km/h über die Autobahn zuckelt. Das hat was einschläferndes von amerikanischen Highways. Darum habe ich auch für meine erste Etappe von Ulm nach Rostock (ca. 800km) nicht veranschlagte 10h gebraucht, sondern 13h!

Aber immerhin sind wir unterwegs (Yvi, Juliane und Samuel seit heute Morgen per Zug) - wer hätte das vor 3 Woche gedacht. Da war alles noch offen. Nun, unsere ursprüngliche Abreise hat sich um 1 Woche nach hinten verschoben, zwischenzeitlich hatte ich sogar befürchtet, wir müssten nochmal verschieben. Aber mit ein paar Nachtschichten und einigem "Improvisieren" bin ich um 9:20 Uhr am Samstagmorgen aufgesattelt und losgefahren - Freiheit kann kommen!

Die Freiheit endete etwa bei Nürnberg im ersten Stau und bremste kurz nach der noch geglückten Stauumfahrung den Zug im strömenden Regen dann vollends aus. Mehr als 60km/h habe ich mich mit dem Schlachtschiff im Kreuz nicht getraut - egal wie viele 40 Tonner an mir links mit voller Gischt vorbeigedonnert sind.
Überhaupt ist es sehr seltsam so dicht verfolgt zu werden. Immerhin fährt der Wohnwagen recht stabil (einmal leichtes Aufschaukeln habe ich "geschafft" - aber sowohl ATC-Fahrwerk, Audielektronik als auch Schlingerkupplung haben alles wieder eingefangen) und ist lange nicht so schwerfällig und groß, wie ich das befürchtet hatte. Selbst das Rückwärtsfahren klappt recht gut und auch durch enge Stellen konnte ich die 2,5m Breite manövrieren, ohne die Vollkasko zu aktivieren. Das macht zuversichtlich für Skandinavien.

Die 13 Stunden Fahrt haben allerdings nicht nur der Stau und der Regen ausgelöst, sondern eben vor allem die endlose Langeweile der monotonen Geschwindigkeit. So musste ich mehrere Pausen einlegen, um überhaupt heil anzukommen (die erste Halbzeit des Viertelfinales Deutschland gegen Italien habe ich daher leider verpasst - ich gebe zu ein zweifelhafter Verlust bei dem Spiel). Außerdem musste der Caravan mal an eine Steckdose, da der auch während der Fahrt erlaubte Gasbetrieb unseres 190l-Kühlschranks (Stichwort "Duocontrol") zwar eine feine Sache ist, der Kühlschrank aber ohne Strom bzw. 12 Volt Bordnetz gar nicht daran denkt die Flamme überhaupt zu zünden. Eine als Vorteil deklarierte Neuerung unseres "Vorsprung durch Technik"-Premiumautomobilherstellers verhindert eine Überlastung der Autobatterie sowie der "defizilen" Lichtmaschine. Daher entscheidet das "Energiemanagement", welche Last sie auf die Lichtmaschine nebst Batterie zulässt…
Sprich: die Lichtmaschine ist so schmal dimensioniert, dass ein Dauerlast bspw. eines Wohnwagens nicht durch selbige ausgeglichen werden könnte und somit die Batterie schrotten würde. Als unschönen Nebeneffekt lässt sich eben der Kühlschrank auch mit Gas nicht während der Fahrt betreiben und somit fuhren unsere Vorräte im warmen Kühlschrank bis Rostock - einzig unterwegs mal an einer Tankstelle für 30 Minuten Alibigekühlt. Da kommt echte Fahrfreude bei einem solchen Schnäppchen von Auto auf.

Immerhin in Rostock konnte ich den Wohnwagen dann auf einem Camper-Parkplatz abstellen und an Strom über Nacht anschließen. Nun ist der Kühlschrank auch für die letzte Etappe bis Kopenhagen gekühlt und unsere Vorräte haben das Martyrium hoffentlich einigermaßen unbeschadet überstanden.