Nachdem uns am nächsten Morgen die warmen Strahlen des angekündigten "Gewitters" geweckt haben, sind wir vormittags zu unserem nächsten Ziel Stavanger aufgebrochen.
Zuvor habe ich aber noch beobachten dürfen, wie die abgehärteten "Wikinger" hier morgens inklusive der Kinder schwimmen gegangen sind. Puh, da schüttelt es mich, wenn ich an das kalte Wasser denke. Aber fit macht es bestimmt!
Über das schmale Zubringersträßchen ging es zurück zur "Autobahn" in Richtung Kristiansand und von dort weiter nach Stavanger. Sicherheitshalber haben wir aber diesmal vorher beim nächsten anvisierten Campingplatz angerufen. Ja, Platz hätten sie momentan noch. Leider nehmen sie aber keine Reservierungen entgegen und gehen auch auf Grund des Fruit-Festivals (wie mir unsere norwegischen Nachbarn hier eben erklärt haben) dieses Wochenende sowie den aktuellen Umbaumaßnahmen, auf Grund dessen die Hälfte der Platzkapazität diese Saison leider nicht zur Verfügung steht, davon aus, dass sie ab ca. 15 Uhr bereits ausgebucht sein werden. So langsam scheinen die Plätze wohl voll zu werden, da wohl nicht nur in Skandinavien die Ferien voll im Gange sind, sondern nun auch größtenteils im restlichen Europa begonnen haben.
Unser Plan war einfach kurz vor Ankunft nochmal anzurufen. Und so sind wir auf die ca. 280km lange und auf Grund diverser Tempolimits etwa 4-5 Stunden veranschlagte Reise gegangen. Die E18 schlängelt sich dabei mal zweispurig, meist aber einspurig durch das südwestliche Fjordgebiet, führt durch niedrige Wälder, felsige Hügellandschaften und öfters auch mal mitten durch den Fels bzw. über eine Brücke, die die Tunnelenden zweier Fjordfelskanten miteinander verbindet, bevor man in die See fällt. Die Straße ist dabei nicht immer durch eine Mittelbebauung getrennt. Daher wird es ab und an dann doch mal ganz schön eng, wenn sich ein 40-Tonner und ein 2,54 Meter breites Wohnmobil auf gefühlten 3 Metern Breite treffen, also im nichtbildlichen Sinne. Vor allem in einem schlecht beleuchteten Tunnel wenn man gerade noch die Sonnenbrille auf hat und außer entgegenkommenden Lichtern keinerlei Silhouette wahrnimmt. Ging aber irgendwie immer alles gut.
Nach der Rebellion auf der Rückbank haben wir dann etwas früher als geplant eine längere Rast eingelegt. Die in Deutschland typischen Raststätten findet man zwar in ähnlicher Form ab und an, sind aber eher selten. Meist gibt es Parkplätze, tlw. mit Picknickmöglichkeit oder WC und in Ortschaften dann auch mal eine Tankstelle, allerdings nicht immer mit Verpflegungsmöglichkeit. Glücklicherweise haben wir eine vollwertige Raststätte mit schöner Picknickgelegenheit (inkl. Kinderbänkchen wie Juliane voller Freude festgestellt hat) gefunden. Eine Berliner "Marienkäfer"-Busreisegruppe kurz nach uns allerdings ebenso und bevor die blasenschwache Rentnermeute das Klo stürmen konnten, sind Juliane und ich noch schnell vorher "reingewuscht". Auf dem Rückweg wären wir fast noch am Berliner eigenen Würstchenstand hängen geblieben - norwegische Rentnerreise mit eigener Bockwurstversorgung im Laderaum. Das lässt sich doch sehen!
Leider war die Weiterfahrt nach der langen Pause nicht so unkompliziert wie erhofft. Das Kinderteam hat Morgenluft gewittert und ziemlich schnell erneut den Aufstand geprobt. Das haben wir allerding sehr elegant gelöst: Samuel, der im Zorn eingeschlafen ist, weil ich auf die Schnelle keinen Parkplatz (s.o.) zum Rausfahren finden konnte und Juliane mit ihrem persönlichen "Inseat-Entertainment" in Form von Prinzessin Lillifee auf meinem Laptop - wir verwahren uns gegen die Unterstellung einer Kapitulation ;-)
Leider mussten wir dagegen vor der Prognose des Stavanger Campingplatzes kapitulieren. Denn als wir gegen 16:30 Uhr angerufen haben war bereits alles voll. Glücklicherweise haben sie uns zwei Campingplätze in der Nähe südlich von Stavanger empfohlen, die wir weder bei Google noch im ADAC-Campingplatzführer gefunden hatten: einen direkt in Sandnes und einen beim Flughafen in Ølberg. Bei Letzterem sind wir nun gelandet und er scheint sich als Glücksgriff zu entpuppen. Es ist ein kleiner schnuckeliger Platz schön gelegen an einem langen Sandstrand direkt am Meer.
Wir haben es uns zwar vermutlich mit dem Großteil der auch hier ansässigen Rentnerdauercamper vergeigt, weil ich Sünder vor der Schranke stehen geblieben bin, um mich erst einmal zu erkundigen, ob überhaupt Platz für uns ist. Eine typische "Check-Inn-Zone" war nicht ersichtlich und bevor ich mit dem Gespann nachher rumbuxieren muss, bleibe ich lieber kurz irgendwo stehen. Erfreulicherweise gibt es Platz und die ältere freundliche Dame hat auch gleich die Abrechnung vorgenommen. Das waren wohl ein paar Momente zu viel für das inzwischen eingetroffene und hinter mir blockierte, ältere Wohnmobilpaar, die mich ziemlich wütend angefunkelt haben, als ich zurückgekommen bin. Gesagt haben sie aber nichts, die Feiglinge. Der Familienvater im weiteren Caravan dahinter hat es aber auch pragmatisch gemacht und ist einfach zur Rezeption geschlappt, anstelle sich aufzuregen :)
Nun stehen wir wie die anderen Deutschen etwas nun ja, sagen wir mal "interessant" auf unserem nicht klar abgesteckten Platz, auf dem den tiefen Spuren nach zu urteilen zuvor ein Reisebus geparkt haben musste (das schaffe nicht mal ich). Jedenfalls tauchte tatsächlich etwas später eben jener Reisebus mit einer großen Gruppe französischer Jugendlicher im Gepäck auf und parkt nun eben einen Platz weiter.
Unser kleines blauäugiges Löckenköpfchen hat die Gunst der Stunde genutzt und mit seinem unschuldigen Blick sehr schnell eine Meute Mädels (und ein paar Jungs - omg) um sich geschart, die hin und weg von ihm waren. Sein (noch ungewohnter) Erfolg war ihm aber dann doch etwas suspekt (oder war das nur ein gekonnter Abgang?) und so ist er unter einem französischen "süüüüüß" freudestrahlend zum Papa gekrabbelt.