Nun sind wir bereits seit 3 Wochen unterwegs und haben jetzt erst angefangen frische Krabben zu puhlen… wie das passieren konnte? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ein paarmal haben wir bereits die frischen Krabben in bis zur Kante gefüllten Kühltruhen (sieht aus wie eine Eistruhe, aber eben gekühlt und nicht gefroren) liegen sehen, die man je Kilo zwischen 10-15 € kaufen kann. Aber irgendwie ist nie eine Tüte in unseren Einkaufswagen gewandert. Das haben wir jetzt geändert. Und wir können sagen: Mmmmmh, war das lecker!

Dazu muss man allerdings bemerken, dass unsere liebe Juliane zurzeit eher selektiv vor allem nur Couscous, Nudeln und Reis isst und dabei jedes Karottenfitzelchen als "Verunreinigung" rauspopelt. Diese Liste der "Mag-ich"-Speisen lässt sich jetzt erweitern um: Krabben. So schnell konnten wir gar nicht puhlen, wie die in ihrem Mund verschwunden sind. Unser Anteil ist somit empfindlich geschmälert worden.

Mangels Krabben im Magen habe ich an diesem Abend alternativ unseren 3 Liter-Weißweinschlauch (einen Pinot Grigo) endlich leer bekommen. Nach drei Wochen on Tour! Ich war wohl etwas optimistisch, als ich 18 Liter Wein in Schläuchen eingepackt habe ;-) 15 Liter to go...

1. Tag - Weit und breit kein Fisch
Unsere Dauer-Campingnachbarn haben am Abend noch einen Kindergeburtstag gefeiert. Da sie Sorgen hatten, wir würden uns gestört fühlen, sind wir bei der (netten, aber in der Sache unnötigen) Stippvisite ins Gespräch gekommen. Unsere Nachbarin hat uns dabei auf das Fruchtfestival in Stavanger an diesem Wochenende aufmerksam gemacht, das heute enden sollte.


Suchen und finden... leider "verstaut" Samuel auch einiges im Mülleimer - wir haben vermutlich nicht alles rechtzeitig retten können ;-)

Stavanger hat einen hübschen Hafen mit angrenzendem Altstadtgebiet aus einer Siedlung putziger kleiner, weißer Häuschen. Ansonsten ist der industrielle und vor allem Ölverarbeitende Touch nicht zu leugnen. Allen deshalb ist das Frucht- oder Essensfestival am Hafen sicherlich eines der jährlichen Highlights hier. Parallel war auch noch Tatoo-Convention, was erklärt, warum die Campingplätze so ausgelastet sind.

In diesem Potpourri aus Essensständen, Bars, tätowierte Bartträgern, Familien mit Kinderwagen und Touris sind wir durch Stavanger geschlendert. Allerdings waren wir fälschlicherweise davon ausgegangen, dass auf einem Essensfestival am Meer vor allem auch Fisch und Meeresfrüchte angeboten werden. Weit gefehlt! Es scheint den Norwegern zu den Ohren herauszukommen, denn an nahezu allen Ständen wurde Fleisch in irgendeiner zubereiteten Form angeboten. Eigentlich auch verständlich, in Stuttgart wäre ich wohl auch über 95% Stände mit Maultaschen und Kuddeln irritiert.

Inzwischen ist Juliane auch angekommen und traut sich immer weiter weg vom Wohnwagen - zumindest wenn es um den Spielplatz geht. Hier hat sie auch eine neue Freundin gefunden, zu der sie sich von uns mit den Worten verabschiedet hat: ich bin dann mal auf dem Spieli, ich komme wenn ich will… ja nee, is klar…!?!

 

2. Tag - Gelassen das Schiff verpassen
An diesem Sonntag hatten wir uns vorgenommen den Lysefjord per Schiff zu befahren und sind daher zügig wieder zum Hafen nach Stavanger reingefahren. Ich weiß nicht was uns geritten hat, aber wir waren ernsthaft der Meinung, Reservierung ist was für Weicheier. Jedenfalls haben wir sehr lange Gesichter gemacht, als wir (Überraschung, Überraschung) am Bootsanleger standen und es bereits eine Schlange Wartender gab, die ebenfalls hofften, in den ausgebuchten Booten mitfahren zu können. Wie blöd!

Die offensichtliche chaotische Organisation mag mit ein Grund dafür sein. So konnte das arme kartenverkaufende Mädel nur nach mehrmaligen Telefonaten Auskunft über mögliche freie Plätze auf diesem und den nächsten Fahrten geben, was endlos viel Zeit gebraucht hat. Zumindest eines war danach klar: an dem Tag fuhr nichts mehr. So ein Ärger! Immerhin ist es uns nicht so ergangen wie der deutsch-asiatischen Familie, die vom Schiffspersonal am Landungssteg zu eben dieser Dame weitergeschickt wurde. Dort hat der deutsche Vater erfahren, dass die gekauften Bordkarte eben für das (nun ablegende) Schiff gilt. Da hätte ich mich auch aufgeregt, denn das Schiff ist 5 Minuten vor geplanter Zeit losgefahren, da die Crew in dem Chaos offensichtlich dachten, alle Passagiere seien an Bord! Na das kann ja was werden.
Seine asiatische Frau hat dagegen bemerkenswerten Gleichmut an den Tag gelegt und seinen Groll mit der Bemerkung die Spitze genommen: "was regst Du Dich auf, wir sind im Urlaub, wir haben den ganzen Tag Zeit, nehmen wir einfach die (angebotene) nächste Tour in 1,5 Stunden…" - Respekt! Das könnte ich genauso wenig wie der Vater.

Wir haben die Not zur Tugend gemacht und sind ins Ölmuseum gegangen. Da die Sonne vom Himmel gebrannt hat, waren dort nicht viel los. Der Besuch hat sich gelohnt - nicht nur für Juliane, die mit etwas Hilfe von uns ein Museumsrätsel gelöst hat, bei dem man verschiedene fotografierte Detailgegenstände suchen und im Museumsplan markieren musste. Als Belohnung hat sie einen Kristall geschenkt bekommen, auf den sie mächtig stolz war!
Hier wird die Geschichte der norwegischen Öl- und Gasexploration und verschiedene maßstabsgerechte Modelle von Bohrplattformen (u.a. von der größten aktuellen Gasförderplattform der "Sea Troll") sowie deren Innenleben eindrucksvoll dargestellt. So war mir bspw. nicht bewusst, dass die Betonsäulen, auf denen eine Bohrinsel steht, innen mit jede Menge Technik zur Trinkwasser- und Stromgewinnung gefüllt sind oder die Bohrung oftmals kilometerweit waagerecht im Meeresboden verläuft. Kritisch setzt sich die Ausstellung auch damit auseinander, wie es denn mit der Energienutzung und -gewinnung weitergehen wird. Wirklich sehr gut gemacht.

Juliane und Samuel haben dabei vor allem die vielen Spiel- und "Ausprobier"-Möglichkeiten gemacht. So gibt es für Kinder einen Kletterspielplatz in Form einer Bohrinsel (von der beide kaum wegzubekommen waren) und jeder kann durch eine "Notleiter" in Form eines stufigen Netzes zur Evakuierung klettern, eine Rettungskapsel von innen anschauen und den originalen "Drillerstand" (zur Steuerung des Bohrkopfes) von "heute" (voll computergestützt) und "damals" (sehr mechanisch) besichtigen. Letzteres wurde von unseren technikbegeisterten Kindern kurzerhand zur Küche umtituliert.

Norwegen hat den größten staatlichen Pensionsfonds der Welt, als die Regierung irgendwann in den 70er Jahren die weise Entscheidung getroffen hat, einen Großteil des Ölreichtums nicht zu verprassen, sondern für die kommende Generation zurückzulegen. Das wäre in Deutschland sicherlich niemandem eingefallen! Da Norwegen nicht Mitglied der EU sondern lediglich des europäischen Wirtschaftsraum ist (EWR), kann Norwegen als stimmloses Mitglied am europäischen Binnenmarkt teilnehmen und muss EU-Recht umsetzen, kann aber seinen Reichtum weitestgehend selbst behalten und muss dieses nicht im Umlageverfahren verteilen. Das dürfte wohl auch der Grund sein, warum das norwegische Volk einen EU-Betritt 2 mal abgelehnt hat (vor dem Ölfund war das noch Frankreich - wie blöd).

Dass man nicht immer das Volk fragen sollte zeigt zumindest eine Umfrage im Museum, an dem alle Besucher teilnehmen können, nämlich bei der Frage: Was soll mit dem bis heute angesparten Vermögen (immerhin ca. 140.000 €/Norweger) passieren? Ein Großteil der befragten spricht sich für die heutige Auszahlung aus und ist damit aus meiner Sicht genauso kurzsichtig bei der Aussicht auf Verprassen wie Norbert Blüm bei seinem Versprechen: "die Rente ist sicher".

 

3. Tag - Preikestolen sehen und sterben
Wer in Stavanger war und den Preikestolen nicht gesehen hat, der hat Norwegen nicht gesehen… Naja, also ich glaube nicht, zumal nur dann, wenn man bereit ist 2,5h (einfach!) zu Fuß zu diesem Quader zu wandern, der majestätisch über dem Lysefjord thront und von dem man einen sensationellen Blick haben muss. Mit zwei kleinen Kindern ist das natürlich machbar, aber für alle 4 nur bedingt spaßig, zumal der Felsen am Rand in keinster Weise gesichert ist. Also haben wir heute lieber die Bootstour durch den Fjord angetreten, die wir gestern noch gebucht haben.

Der Lysefjord ist schon grandios, keine Frage. Von Gletschern geformt "betritt" man diesen schmalen Fjord, indem man unter einer hohen Brücke hindurchfährt, deren sehr große Durchfahrtshöhe extra so gewählt ist, damit auch die Kreuzfahrtschiffe den Fjord befahren können, von denen es nicht unerheblich wenige gibt, denn Stavanger gehört zur typischen norwegischen Kreuzfahrtroute. Für die die "Britannia" scheint das allerdings nicht zu reichen, die heute Morgen mit ihren vielen Stockwerken königlich und hoch im Lagen vor Anker liegt.

 

 

Was wir bei unserer ersten Fahrt gleich gelernt haben ist, dass es nicht nur Erwachsenen- und Kinderschwimmwesten gibt, sondern auch Schwimmwesten für Babys. Die sind extra mit einem Babysymbol gekennzeichnet und wir saßen mehr durch Zufall auch noch direkt unter einem der wenigen Fächer. Wir waren trotzdem dankbar, dass wir sie nicht benutzen mussten.

Der Lysefjord ist unterschiedlich breit. Da sich hier während der Eiszeit  ersten Fjord ein Gletscher in den Felsen gegraben hat, sind Fjorde an den breitesten Stellen am Flachsten (meist am Ausgang), während sie an den schmalsten Stellen am Tiefsten sind. Verdrängung - eigentlich ganz logisch. Dabei können die Fjorde durchaus genauso tief sein, wie der Fels sich über einem erhebt und das ist meist äußerst gigantisch. Von hier aus haben wir auch den Preikestolen von unten gesehen, wobei er deutlich unspektakulärer zwischen zwei Felsen liegt, als die Bilder von oben glauben machen.
Für unsere erste Fjordfahrt waren wir sehr beeindruckt, nicht wissend, was für Schätze wir noch später sehen sollten.

 

 

 

4. Tag - Wir winken dem Sandmann
Den letzten Tag in Stavanger haben wir relaxed und auch den Strand, der direkt vor unserer Haustüre liegt, zum Abschied genossen. Etwas beunruhigt haben uns die toten, lila Quallen, die an den Strand gespült wurden und wir haben lieber nicht ausprobiert, ob es evtl. eine besondere norwegische Form der giftigen Würfelqualle ist ;-)

Wir haben inzwischen auch angefangen - zu Julianes abendlichem ins-Bett-geh-Ritual - das Sandmännchen zu schauen. Internet macht's möglich. Da kommen alte Erinnerungen an Pickeldi und Frederick auf, auch wenn heute nur noch das Ost-Sandmännchen zu Besuch kommt. Die "Technik" ist die gleiche geblieben. Julianes absolute Lieblingsstory ist "Karli", der sich immer Montags in etwas neues verwandelt, da er herausfinden möchte, wie ein Tier oder Ding das Leben so erlebt. Das fasziniert Juliane so sehr, dass sie inzwischen weiß, wenn in der Vorschau "Karli" kommt, ist morgen Montag. Da Karli den Kindern beim Gute-Nacht-Sagen zuwinkt, winkt Juliane rührig zurück. Wirklich putzig!