Wir haben nach unserem nördlichen Wendekreis nun die Fahrt gen Süden angetreten und nicht nur Trondheim und Norwegen verlassen sondern auch die nächtliche Helligkeit und irgendwie… unseren Urlaub.
Das ist ein merkwürdiges Gefühl. Wir waren inzwischen in Norwegen so gut angekommen und von Fjordland so begeistert, dass es sich nun so anfühlt, als ob wir bereits auf dem Rückweg nach Hause wären. Dabei liegen noch 3 Wochen Schweden vor uns.
Leider fehlen uns bereits jetzt die türkisen, milchigen Gletscherseen, die tiefeingeschnittenen Fjorde und die angenehm zurückhaltende norwegische Kultur. Mal abgesehen davon, dass wir in Trondheim noch um halb 1 Uhr nachts knallrote Abenddämmerung hatten, ist uns hier in Schweden nur die Kälte geblieben, die auch schon in Trondheim zu spüren war. Dunkel ist es "bereits" um 22 Uhr (ich weiß: jammern auf hohem Niveau).
Denn der Sommer ist in Skandinavien bereits vorbei. Die Haupt(urlaubs)saison ist Juni und Juli. Im August verwaisen bereits die Campingplätze und nur noch Süddeutsche sind hier vermehrt unterwegs.
Vertieft in Lillifee übersteht Juliane jede Fahrt :-)
Denn waren wir in den letzten Wochen als Deutsche angenehm fast nur unter Skandinaviern, kamen erst ab und an ein paar Nord- und Ostdeutsche. Nun aber tauchen immer mehr Böblinger, Tübinger, Esslinger, Ludwigsburger, Winnendener und nun auch mal ein Neu-Ulmer oder Münchner um uns herum auf, die mit einem Eiltempo hier hoch gebraust zu sein scheinen. Eine ältere Winnendener-Familiengruppe - bestehend aus Bruder und drei Schwestern (oder vielleicht auch einer anderen Verwandschaftskonstellation) - sind wir erst in Sogndal und später in Trondheim begegnet. Das Schauspiel war jedes Mal die Aufführung wert: Während der ältere Herr mit der Kombi-E-Klasse den Wohnwagen über den Campingplatz schunkelt, rennt die jüngere Schwester (oder vielleicht sogar Tochter?) aufgeregt von einer Ecke in die andere und sucht einen passenden Stellplatz aus. Das läuft in der Regel ohne erkennbare Logik ab und so fährt das Gespann zur allgemeinen Belustigung hin und her, wendet umständlich und zwischendrin wird schwäbisch fachmännisch überlegt, wie rum und ob überhaupt der Wohnwagen passen könnte: "Den stelle m'r so längs nei" - "noi, des wird nix, der muss anders rom do no" - "abr vielleicht isch da unda no a Plätzle"… und wieder geht's los - auch gerne mal rückwärts… "wohin soll i denn fahre?" - "Gegeschlag! Gegeschlag!" - "Was soll des sei? I kenn koin 'Gegeschlag'". Und so weiter und so fort :-)
Wieder einmal die Flugschneise über dem Campingplatz erwischt ;-)
Übrigens habe ich jetzt erst gelesen, warum wir in Baden-Württemberg und noch später die Bayern immer als letzte Sommerferien haben: das haben wir im Föderalvertrag so ausgehandelt, während alle anderen Bundesländer bei den Sommerferien rotieren. Die Kinder sollten möglichst spät Ferien haben, um bei der Ernte helfen zu können… prima!
Unterwegs konnten wir uns dann auch für unsere Landsleute mal wieder fremdschämen, genauer für eine Deggendorfer Busreisegruppe: bringt der Busfahrer es doch an einer Automatentankstelle fertig eine ganze Busladung beim angrenzenden 50er-Jahre-Diner auszukippen, in dem wir gerade Mittaggegessen haben, damit die dort aufs Klo gehen können. Und das macht die Rentnerreisegruppe dann auch. Latschen alle einmal durch das Restaurant aufs Klo und wieder raus, wie in einer Tankstelle. Wenigstens einigen sehr (sehr!) wenigen war das wohl so peinlich, dass sie immerhin einen Anstandskaffee mitgenommen haben. Bedürfnisse hin oder her, aber da gehört schon ein ganz schön dickes Fell dazu. Da kann ich sehr gut nachvollziehen, warum Deutsche nicht immer herzlich willkommen sind!
Nun jedenfalls sind wir entgegen unserem ursprünglichen Plan nicht über den Fulufjället Nationalpark gefahren, um den höchsten Wasserfall Schwedens zu sehen. Die sage und schreibe 93 Meter (sic!) waren angesichts der vielen mehrere 100 Meter hohen Fjordwasserfälle zuvor dann doch nicht mehr so anziehend für uns und so sind wir von Trondheim über Östersund (erste Nacht), Sundsvall und Sandarne (zweite Nacht) nach Stockholm gefahren. Die Straßen wurden breiter und die Landschaft eintöniger. Sicher, das ist jetzt unfair und wir müssen Schweden ja auch erstmal eine Chance geben. Es ist ja nicht immer nur kalt und dunkel. Aber gerade hängen wir noch Norwegen nach. Ein schönes kleines, abwechslungsreiches Land. Momentan sind wir uns einig: hier könnten wir uns niederlassen!
Julianes & Samuels Reiseeintrag:
Juliane:
Hör sofort auf zu runzeln, sonst verlierst Du die Perle, Cindy! (Zitat aus Lillifee, über das sie sich totlachen könnte - Anmerkung vom Papa)
Samuel:
Autofahren ist blöd! Ich schlafe ein und wenn ich aufwache fahren wir immer noch. Ich kann kein Lillifee schauen - wobei ich noch nicht weiß, ob ich das überhaupt will. Da soll es etwas mit einem Bob geben, der ist Handwerker oder Baumeister oder sowas. Ich klettere lieber, wenn sich mir irgendwo die Gelegenheit bietet. Verstehe nicht, warum meine Eltern immer aufgeregt einen Zinober veranstalten, wenn ich irgendwo mal hochklettere. Ich bin schließlich keine 9 sonderen schon 13 Monate alt!