Nach unserer Verabschiedung von Kranzens, die heute über Göteborg zurück nach Hause geflogen sind, sind wir in das Herz von…

Ja, wo sind wir hier? Und in welcher Geschichte?

Här kommer Pippi Långstrump,
tjolahopp, tjolahej, tjolahoppsan sa.
Här kommer Pippi Långstrump,
ja här kommer faktiskt jag.

Wer den Rest des Originals singen möchte, kann das hier tun.

Wir sind nach Vimmerby in das Herz Smålands gefahren, um uns die Welt so zu machen, wie sie uns gefällt… ;-) Hier nämlich wurde Astrid Lindgren geboren und hier spielt auch ein Großteil ihrer Geschichten - worin sie eigentlich vor allem ihre eigenen Kindheitserinnerungen zu Papier gebracht hat. So finden sich die Höfe von Bullerbü oder der Hof Katthult von Michel aus Lönneberga (der übrigens in Schweden Emil heißt) hier in der Umgebung. Aber in Vimmerby befindet sich nicht nur Astrid Lindgrens Geburtshaus sondern auch die Astrid Lindgren Welt - ein Themenpark rund um alle Kindergeschichten, die sie in ihrem Leben geschrieben hat - der den erklärten Auftrag hat das Schreiben und Lesen zu fördern.

Und so trällert es auch schon mal morgens in der Dusche irgendwoher "Hey Pippi Langstrumpf, trallari trallahey tralla hoppsasa..." auf unserem idyllischen an einem See gelegenen, entspannten und sehr unkomplizierten Campingplatz Vimmerby Camping (untypisch mal ohne Schlagbaum und Zugangskarten oder -schlüssel). Da dieser nur 4 Kilometer entfernt von der Astrid Lindgren Welt ist, haben wir daher das Auto stehen lassen und sind sehr zur Freude von Juliane mit Fahrrad und Fahrradanhänger gefahren - Samuel ist es egal, ob er hier oder im Autositz eingezwängt ist.

 

 

 

 

Um es gleich Vorwegzunehmen: der Eintrittspreis hat sich gewaschen! 400 SEK für Erwachsene und 260 SEK für Kinder ab 4 Jahren sind schon ein Wort! Dafür bekommt man aber wirklich sehr viel geboten - ob es sich lohnt, muss dabei natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Sehr zu meiner Freude wird zur Orientierung neben einer Papierversion auch eine App als Karte nebst Parkinformationen angeboten.
Diesen Park kann man tatsächlich in 2-3 Stunden "vollends sehen", wie ich vorab in Kritiken lesen konnte. Damit dürfte aber die Laufstrecke gemeint sein. Bei der Fülle an Angeboten, Vorführungen oder einfach nur in der eigenen Kindheit schwelgen, reicht tatsächlich aber nicht mal ein ganzer Tag. Gerade für Kinder zwischen 4 und 10 Jahren (und dann natürlich wieder für die großen Kinder ab ca. 20 Jahren) ist der Park ein Traum - vorausgesetzt man kennt die Geschichten.

Das haben wir leider im Vorfeld bei Juliane ein wenig verpasst. Erst seit Stockholm haben wir die Kinder von Bullerbü in das Vorleserepertoire aufgenommen. Pippi Langstrumpf, Michel oder die Kinder aus der Krachmacherstraße werden wohl erst nach unserem Urlaub folgen.

Gleich in der eingangs gelegenen Krachmacherstraße, bestehend aus vielen typisch schwedischen Häusern, sind wir den beiden Polizisten Kling und Klang aus Pippi Langstrumpf begegnet, die den Fahrradanhänger nebst den darin befindlichen Passagieren inspiziert und beiden einen schönen Tag im Park gewünscht haben - spontan auf Deutsch, nachdem beide sparsam auf ihr schwedisch reagiert haben (sicherlich war die Reaktion der beiden auch nach dem Wechsel nicht anders ;-)).
Damit kommt man sich wie Gäste einer Welt aus längst vergangenen Kindheitstage vor, als nur Besucher eines Themenparks. Das ist einfach toll gemacht und unsere (vor allem erwachsenen) Herzen blühen hier voll auf.

        

Der Park ist überall sehr liebevoll mit vielen kleinen und großen Häuseransammlungen angelegt, wie in den Geschichten beschrieben. So gibt es natürlich nicht nur die Krachmacherstraße, die Villa Kunterbunt (im Schwedischen Villa VilleKulla), den Nord-, Mittel- und Südhof aus Bullerbü oder Michels Hof Katthult, sondern auch die Burgen von Ronja Räubertochter und den Brüdern Löwenherz oder Karlssons Dach.

         

Neben den Spontanvorführungen einzelner oder mehrerer Figuren aus den Büchern, die hier überall durch den Park spazieren und jederzeit zwischen den Besuchern irgendetwas improvisieren (wie bspw. die beiden Polizisten) gibt es auch regelmäßige Vorführungen an den Freilufthauptbühnen.

Das schöne dabei ist, dass alle Schauspieler hier ihre Rollen "leben" und damit sehr authentisch und leidenschaftlich spielen und singen. Der Beginn und das Ende ist dabei fließend. Gleich nachdem wir angekommen waren, sind wir direkt zur Vorführung "Michel in der Suppenschüssel" in Katthult. Hier bspw. diskutiert vorab eine Gruppe von "Dorfbewohnern" etwa schon mal mit dem Publikum, wie man wohl das Geld zusammenbekommt, um Michel - pardon Emil - nach Amerika abzuschieben. Später bei einem anderen Stück bei Pippi Langstrumpf setzen die Piraten mit der Hoppetossa im künstlichen See und gefangenem Papa von Pippi über. Da ist es dann auch nur halb so schlimm, dass alle Stücke in Schwedisch sind.

 

 

Leider gibt es auch hier sehr viele Wespen, die jetzt bereits ziemlich matschig ob des bereits kühleren Wetters herumfliegen und durch den ganzen Süsskram auch noch ziemlich aggressiv sind. Opfer eines Wespenstichs war diesmal Julianes Hand.

Nachdem die Tränen getrocknet und der Schmerz mit Eis (für den Magen, auf den Stich kam Fenestil) gelindert war, hat sich Juliane an den Nicht-den-Boden-berühren-Parcours gemacht, der ihr besonders gut gefallen hat. Wie bei den Kindern aus Bullerbü muss man dabei über Stock und Stein, Seil und Brücke balancieren, ohne eben den Boden zu berühren. In der winzig kleinen Stadt, wo wir uns mit Schokoleckereien eingedeckt haben (aus Julianes Sicht war das Verhältnis zwischen meinen Einkäufen und ihren Schokotalern nicht ausgewogen genug), bevor wir Pippi Langstrumpf im Villa-Kunterbund-Theater dabei beobachten haben, wie sie ihren Papa aus den Seeräuberhänden befreit (da läuft bei mir der Ohrwurm aus meiner Kindheit vor vielen, noch viel "mehreren" Jahren (hüstel): Seeräuber-Opa Fabian trieb so manchen Scha-ha-habernack, kreuz und quer auf dem Ozean, teuer-hadde-littaniack…).

         

 

         

Auch hier kann man - wie nach überall nach den Vorstellungen - nach der Vorführungen zu Pippi Langstrumpf in die Villa VilleKulla gehen. Pippi Langstrumpf, Annika, Tommy, Pippis Vater und die Piraten spielen in der ganzen Zeit mit allen und natürlich vor allem mit den Kindern einfach in ihrer Welt weiter - und Pippi treibt dabei natürlich jede Menge Schabernack. Die Kinder konnten über einen Kletterparcours balancieren, während Pippi vom Balkon aus regelmäßig mit einer Gießkanne voll Wasser für Abkühlung gesorgt hat - wunderbar bei dem heutigen fast schon heißen Sommerwetter.

Nach unserem ausgedehnten Spaziergang über die Burgen von Ronja Räubertochter und den Brüder Löwenherz haben wir am wichtigsten Ort angehalten: am Spielplatz!
Als eine Mutter ihre Tochter laufend ermahnt hat "Lara, schaukel nicht ganz so hoch… Laura, du sollst nicht so hoch schaukeln… hörst Du mir überhaupt zu…" - nein, offensichtlich nicht - musste ich an Astrid Lindgren denken, die einmal meinte, dass sie als Kind schon längst den Tod gefunden haben müsste, so oft, wie sie im Spiel über den Dachfirst balanciert ist.
Wir sollten wohl etwas lockerer werden...

Ach, hier in dieser herrlichen Welt herumzuspazieren, lässt alte Erinnerungen aufleben und die Frage ist durchaus berechtigt, wer hier eigentlich mehr Spaß hatte ;-)
Da wir nicht (mehr) alle Geschichten so richtig kennen, freuen wir uns schon darauf, mit Juliane und Samuel in Astrid Lindgrens Geschichten in Büchern, CDs und DVDs die nächsten Jahre abzutauchen und diese neu zu entdecken :-)

 

Einfach nur glücklich auf dem Trecker sitzen zu dürfen... unser Samuel :-D