Ich habe einen sehr guten Artikel in einem selten dämlichen Reiseblog gefunden (bitte sagt mir, wenn ich genauso langweilig eine Station nach der anderen aufzähle und meine Kinder "Kindchen" nenne, auch wenn die bereits in der Schule sind). In diesem Artikel beschreibt der Ehemann eben jener "Kindchen"-Bloggerin, wie er auf deren Dreimonatstour durch Norwegen und Schweden ins Internet per lokaler Prepaid-Karte gekommen ist. Das ist zumindest in Norwegen nämlich gar nicht so einfach und insofern war der Artikel äußerst hilfreich für mich - auch wenn es heute etwas einfacher ist, als vor einigen Jahren.
Norwegen:
Nur an der Mindestvoraussetzung einer persönlichen Registrierung hat sich auch 5 Jahre später nicht viel geändert. Ohne norwegischer Sozialnummer ist es erstmal nicht einfach eine Mobilfunkkarte zu bekommen. Also habe ich mich schon seit Oslo auf die Suche nach einem Telefonladen gemacht, da dies in dem Artikel empfohlen wurde. Die Registrierung war zumindest damals nur bei wenigen Mobilfunkanbietern als Ausländer möglich. In Stavanger endlich habe ich nach einem Tipp eines marokkanischen Baristas eine Simkarte des Anbieters mycall gekauft, da er ein sehr gutes und günstiges Datenangebot hat. Telefonieren wollen wir mit der Karte eh nicht.
Nur das Problem der Registrierung lag mir im Magen - dabei ist es sehr viel einfacher, als ich dachte.
Mein ursprünglicher Aufwand eine telefonische Registrierung und Aktivierung durchzuführen, nachdem ich die Simkarte in einem Asialaden gekauft habe. Der freundliche Ladenbesitzer war mir jedenfalls dabei keine Hilfe.
Die mycall-Hotline hat mir dann aber den entscheidenden Tipp gegeben - und so geht's: Man geht einfach direkt zu einem Seveneleven (der Ladenkette, die von 7 Uhr morgens bis 23 Uhr abends offen hat und die es an jeder Ecke gibt), kauft dort eine Simkarte, füllt das beiliegende Registrierungsformular für "nicht-norwegische-Sozial-ID-Besitzer" aus und gibt dieses (und hier kommt der Clou) dem Seveneleven-Mitarbeiter. Dieser hat einen Online-Zugang und fungiert quasi als "Trusted Person", der die Registrierung bei mycall abschließen und die Karte freischalten kann.
Dann natürlich das Aufladen nicht vergessen und fertig!
Der Seveneleven-Mitarbeiter hat mir freundlich und kompetent geholfen, auch wenn ich die Simkarte in Unwissenheit nicht dort gekauft hatte - der Kauf von 6 Gigabyte für 215 NOK war dann doch ein gutes Geschäft für beide Seiten. Alles hat prima funktioniert und ab da waren wir endlich wieder unabhängig im Netz.
So etwas Datenabstinenz mag gut tun und befreit den gehetzten Geist. Aber bitte schön nach eigenem Willen und nicht zwangsweise aufgenötigt ;-)
Während der Registrierungsphase habe ich noch einen Norweger kennengelernt, der ziemlich gut Deutsch gesprochen hat und mir nach der Erkundigung nach unserer Reiseroute sofort empfahl, auf jeden Fall auch die Lofoten zu besuchen. Einerseits war ein Grund, dass er von dort kommt. Andererseits sollen die Lofoten tatsächlich auch sehr schön sein. Leider (und das hat auch der Norweger verstanden) sind zwei kleine Kinder keine gute Voraussetzung für stundenlange Fahrten in den Norden. Und so verschieben wir das um 10 bis 15 Jahre und schauen dann mit den Hurtig Ruten vorbei :)
Online und mit 6 Gigabyte, von denen ich ausging, dass diese für die verbleibenden 10 Tagen mehr als ausreichend sein würden, konnte es dann endlich weitergehen… 3 Tage später habe ich ganz schön blöd aus der Wäsche geschaut, als mir eine SMS anzeigte, dass mein Kontingent nun leider aufgebraucht sei. 6 Gigabyte in 3 Tagen???
Leider habe ich die Rechnung ohne den Datenhunger zweier iPhones, zweier iPads und einem Windows-Laptop gemacht, die leider noch so konfiguriert waren, dass Updates automatisch herunterladen und installiert werden. Unglaublich, was da an Volumen zusammenkommt, wenn sich laufend Apps aktualisieren und Windows dsa Update ausführt.
Tipp daher: auf Reisen unbedingt automatische Updatefunktionen ausschalten, denn da die Geräte per WLAN mit dem "Mobile WIFI" verbunden sind, glauben sie kein mobiles Netz vor sich zu haben und saugen munter drauf los. Aber auch nach der Deaktivierung ist unser Datenbedarf immer noch recht hoch und so haben wir insgesamt 7 Gigabyte Datenvolumen bis zum Verlassen von Norwegen 10 Tage später gebraucht.
Denkt deshalb genau daran, wenn nochmal der Vorschlag bpsw. der T-Kom kommt, das Datenvolumen für DSL-Anschlüsse zukünftig auf 10 Gigabyte zu beschränken!
Schweden:
In Schweden ist der Kauf einer Prepaid-Karte im Gegensatz zu Norwegen sehr viel einfacher. Die Karten können überall frei gekauft werden. Allerdings bekommt man vor allem Prepaid-Karten von den Platzhirschen telenor und Telia sowie den Resellern COMVIQ (Tele2 Tochter) und Lycamobile.
Leider habe ich zu spät diese Wiki-Seite gefunden. Denn sonst wäre ich schon früher auf den Anbieter 3 (Tre) gekommen. Dieser drückt gerade in den schwedischen Markt und bietet entsprechend attraktive Pakete und Preise an. Anfangs dachte ich fälschlicherweise, man könnte Prepaid-Karten nur in Tre-eigenen Shops kaufen. Da hatte ich mich allerdings wirklich getäuscht… Tatsächlich erhält man die Simkarten unter anderem in Kiosken ("Pressbyrån").
Ich hatte Glück, denn momentan bietet Tre eine neue Variante meines Mobile-WIFIs an inkl. 5 GB Datenvolumen. Dazu habe ich noch 30 GB dazugekauft. Das sollte die nächsten 10 Tage reichen… ;-)