Ist die vorherige französische Jugendgruppe noch morgens um 7 Uhr abgefahren, lässt es die jetzige ruhiger angehen. Die Herrschaften baden wohl gerne lau!

Um 11:30 Uhr hat sich der Bus dann vom Acker gemacht, voll mit Koffern und Trollis - und das beim Camping - bevor wir es eine halbe Stunde ebenso gemacht haben. Da die Fahrt nach Bergen zwar nur 240km lang ist, aber über diverse Inseln durch Tunnel sowie zwei Fähren geht, haben wir die Strecke entschleunigt, indem wir sie auf zwei Tage machen und unterwegs am Grindafjord eine Nacht bleiben wollten.

Wir haben also landschaftlich das "südliche England" verlassen und sind nach passieren von Stavanger langsam in "Irland" angekommen. Das Gelände ist hügeliger mit dunkelgrünem, drahtigem Gras, durchzogen von Steinmäuerchen, die das Gehege der Schaf- und Kuhherden abgrenzt. Eine echte Kerry-Gold-Landschaft eben, wie aus dem Bilderbuch!

Die Tunnel, die die Inseln miteinander verbinden, sind dafür schon ein Erlebnis! Es geht mit einem nicht unerheblichen Gefälle in den Tunnel unters Meer bis der Tunnel in etwa der Mitte an die tiefsten Stelle in eine gleichsteile Steigung übergeht. Einmal war diese tiefste Stelle 223m unterm Meeresspiegel, das zweite Mal 113m. Die bildliche Vorstellung ist schon ganz schön einschüchternd. Den längsten Tunnel auf unserer Tour werden wir erst noch nach Trondheim mit 24km befahren.

Ein Deutscher, der in Bergen lebt und den ich später getroffen habe, hat mir sogar davon erzählt, dass er schon in einem Tunnel mit Kreisverkehr (im Tunnel!) unterwegs war. Damit hatte er auch nicht gerechnet. Bei einem noch kommenden Tunnel scheint die Steigung kurz vor dem Ausstieg nochmal auf ca. 9,5% anzusteigen (was wohl eigentlich in Norwegen auf maximal 8% begrenzt ist). Da hat die Berechnung zwischen Steigung und geplantem Ausstieg wohl nicht ganz hingehauen und man musste etwas nachkorrigieren. Er hätte jedenfalls an der Stelle seine Kupplung abrauchen lassen und wünsche mir nun viel Glück. Ich baue auf meine Versicherung fürs Doppelkupplungsgetriebe!

Nach der Tunnelserie waren wir auch schon an der Fähre angekommen. Die soeben abgelegt hatte. Glücklicherweise war die nächste Fähre bereits zu sehen. Dieser Serienfährbetrieb ist in ein extrem gut getakteten Ablauf eingebunden. Ein Vorreservieren ist nicht notwendig, die fahren im 20 Minutentakt. Die Fähre war ruck zuck ent- und wieder beladen (die legte dazu auch schon mit geöffnetem Bug an). Und bevor wir im Passagierbereich (Sitzen im Auto ist auch hier nicht erlaubt während der Überfahrt) zwei Bratwürstchen mit Kartoffelpüree verspeisen konnten (Bratwürstchen haben die Kinder reingezogen und uns freundlicherweise das Kartoffelpüree überlassen - sie wollten uns schließlich nichts wegessen, die Guten!), war die 22 Minuten Überfahrt auch schon rum und wir mussten hektisch wieder ins Auto hechten, bevor bereits entladen wurde. Bei der Taktung müssen auf der Strecke etwa 4-5 Fähren im Betrieb sein.

Leider haben wir dann auf der weiteren Fahrt den Abzweig zum Campingplatz verpasst. Der war zwar schon 2 Kilometer vorher angezeigt, aber an besagter Abfahrt haben sich die norwegischen "Straßenbeschilderer" das Campingsymbol dann gespart. Mit einem Pkw eigentlich kein Problem mal schnell umzudrehen. Mit 8 Meter Anhänger dagegen schon. Wir mussten geschlagene 12 Kilometer weiterfahren, bis sich eine ernsthafte Wendegelegenheit ergeben hat.

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Hier sitzen wir nun momentan im Camper, nach einer Runde Minigolf mit Juliane, die mich so dermaßen abgezockt hat sowohl im Einlochen, als auch Bescheißen. Es nieselt immer wieder und durch den tagelangen Regen zuvor hat sich eine reine Sumpflandschaft um uns herum aufgetan. Alles voller Millionen kleiner Mücken, die ein Sitzen im Freien unmöglich machen. Unsere Reifen stehen bis zur Felge im Morast. Ich hoffe mal Allrad und 245 PS befreien den schweren Bock morgen wieder.

Die Sumpflandschaft hat allerdings auch zu einigen Spurrillen im Gras geführt - waren wir das etwa???