Das Oseberg-Schiff
Das Osebergschiff

Oslo wird nicht umsonst die kleine Perle des Nordens genannt. Das ist schon eine sehr schöne Stadt mit unheimlich viel Flair und Lebensqualität.

Gelegen am Oslofjord liegt die Hauptstadt Norwegens idyllisch am Wasser mit Rücken zu den umliegenden Bergen. Oslo ist mit ca. 660.000 Einwohnern die mit Abstand (!) größte Stadt Norwegens. Für uns irgendwie schwer vorstellbar - das ist eher ein etwas "größeres Städtle" bei uns.

1. Tag - Oslofjord

Nachdem wir nun in Oslo "gelandet" sind (kein Scherz, hier wurden wir von einem Segway-Fahrer auf unseren Platz "eingewiesen"), haben wir den ersten Tag für eine Oslofjordfahrt mit der Helena entschieden. Diese Ausflüge werden mehrfach am Tag angeboten und schippern einmal durch den näheren Fjord zu verschiedenen Inselchen. Die Rundfahrt bietet vor allem einen tollen Blick auf Oslo und ist auf jeden Fall zu empfehlen.
Noch schicker wäre sicherlich die Abendfahrt mit Krabbenpuhlen an Bord um 19 Uhr gewesen, fällt aber auf Grund paralleler Terminkollisionen mit Müdigkeit und "nicht krabben-kompatiblen"-Hungerattacken unserer Mitreisenden für uns aus. Romantisch ist ein Essen bei uns zu viert leider noch nicht. Das dauert noch.

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So legte unsere zweistündige Nachmittagsfahrt zwischen dem Friedensnobelpreiszentrum und dem Rathaus am Pier (Rådhusbrygge 3) ab. Allerdings ist vom Parken in Oslo eher abzuraten angesichts von Parkgebühren von fast 30 € für ein paar Stunden. Lieber die Bahn nehmen!
An der Fahrt war vor allem der Blick auf das imposante Gebäude der neuen Oper sowie die architektonische äußerst schicken (und sicherlich auch äußerst teuren) Wohngebäude mit viel Beton, Glas und Stahl, die in den letzten Jahren im Rahmen der Reurbanisierung des Hafengebiets (Brygge) entstanden sind, ein Highlight. Ich bin eigentlich kein besonderer Freund von "modernen" Bauten, aber was da gezaubert wurde ist schon wirklich toll!

Wieder zurück hat Juliane ihre erste (und zumindest vorerst letzte) Erfahrung mit Zuckerwatte gemacht und ich mein Gedächtnis aufgefrischt, wie unglaublich klebrig das Zeug ist. Juliane hat jedenfalls danach ihre Zähne mit einem Feuchttuch abgewischt - sehr kreativ!
Und da wir mal wieder ohne lokales Münz- und Scheingeld über die Grenze gekommen sind, haben wir auch gleich noch Geld an einem Automaten in der schicken Brygge-Einkaufpassage abgehoben. Ich habe mich ziemlich geärgert, dass ich nicht mal 140 € sondern lediglich 70 € abheben konnte. Was sollen wir im teuren Norwegen mit 7000NOK anfangen???
Leider viel bei mir der Groschen erst nachdem die Scheine aus dem Automaten "gefallen" sind, nämlich dass der Umrechnungskurs natürlich nicht bei etwa 1:100 sondern bei 1:10 liegt. In dem Moment war ich dann doch dankbar, dass mir der Bankautomat meine ursprünglich gewählten 1.400€ verweigert hat und ich nun "nur" mit 700€ durch Oslo laufen durfte!

Das ist der spacige Warteraum der Toilette in der Bryggeeinkaufspassage

Abends habe ich dank vorhandenem Platzinternet noch unser Auto für die überall in Norwegen fällige Maut online angemeldet (http://www.autopass.no/de/zahlung-fur-besucher) - Mautchippflicht gilt erst ab 3,5 Tonnen. Dabei wird das Kennzeichen aufgenommen und dem Halter nach einiger Zeit eine Rechnung geschickt. Noch einfacher ist es aber das Fahrzeug vorher eben online zu registrieren und eine Kreditkarte für die Abrechnung anzugeben. So vermeidet man Arbeit und auch mögliche Mahngebühren, wenn mal was schief geht. Das kann man aber nur innerhalb der ersten drei Tage nach erstmaliger Durchfahrung einer automatischen Mautstation (Kamera mit vorherigen Preishinweis) machen - also nicht vergessen! Immerhin das ist wirklich sehr fortschrittlich und vermeidet unnötige Staus an irgendwelchen "Mauthäuschen" die es hier nicht gibt.

2. Tag - Der internationale Versand funktioniert
Wie schon in Göteborg beschrieben hatten wir einen Reiseführer über Amazon per Expressversand bestellt. Dieser war "garantiert" für den 15.07. mit Zustellung auf den Campingplatz angekündigt. Allerdings war die Post laut Auskunft des Campingplatzpersonals leider schon da und wir haben den Reiseführer bereits gedanklich beerdigt.
Gegen 14 Uhr habe ich dann einen Anruf eines UPS-Boten erhalten, ob es in Ordnung wäre, dass er unsere Lieferung an der Rezeption abgibt. Er hätte uns nicht gefunden. Na das nenne ich mal Service! Wir hatten auch nicht "Knaus Wohnwagen FSK 580, 3. Platz linker Hand" angegeben. Wie sollte er uns auch direkt finden…

Nachmittags haben wir dann den nahegelegenen und traumhaft gelegenen Badesee aufgesucht, der für die Kinder ein Planschtraum war, auch wenn ein Fisch entschieden hat sich in Strandnähe umzubringen. Das hat Juliane unendlich beschäftigt.

Ach ja: wer sich fragt wo Samuel denn jetzt eigentlich schläft, wenn sein Reisebett schon nicht unter Julianes Bett passt, hier die Auflösung. Er schläft in dem hochgeklappten unteren Bett, da es sich um ein Doppelstockbett handelt. Das tut er so gut, dass wir gar nicht böse sind, dass das Reisebett nicht passt. Denn er schläft doch recht oft einfach durch.

3. Tag - Ein schiffslastiger Ausflug
Nun wollten wir aber auch etwas von Oslo sehen. Dazu haben wir uns für den Oslo-Pass entschieden, der neben dem öffentlichen Nahverkehr sowie Fähren zur Museumsinsel auch viele kostenlose Eintritte in diverse Museen und weitere Rabatte in diversen Aktivitäten, Restaurants etc. bietet. Sehr zu empfehlen ist für die parallele Planung auch die kostenlose App Visit Oslo, die viele Tipps und alle Sehenswürdigkeiten beinhaltet (die vielen Touri-Bussen vor den Sehenswürdigkeiten sind kein Schrecken, denn meist haben die Mitfahrer gerade einmal eine halbe Stunde Zeit, bevor wie wieder weg sind :-))!

Den Oslo-Pass gibt es in 24h, 48h und 72h Länge. Dabei muss man beachten, dass der Pass ab Beginn der eingetragenen Uhrzeit volle 24, 48 oder 72h gilt. Mit etwas geschickter Taktik kann man somit bspw. 24h auf zwei Tage von Mittag bis Mittag nutzen.

  

Genau das haben wir gemacht. Da der Pass doch etwas teurer ist und wir jetzt nicht alle Museen abklappern wollten, haben wir nur den 24h Pass genommen. Unser erstes Ziel war die Museumsinsel Bygdøy, die das Wikingerschiff-, Flam-, Kon-Tiki-, Norwegische Seefahrts- und Volksmuseum beherbergt. Für diese Insel sollte man einen Tag einplanen.
Die Insel wird mit einer Fähre erreicht und so haben wir uns auf den 500 Meter langen Weg zum Wikingerschiffmuseum gemacht (Tipp: lieber bei der zweiten Anlegestelle aussteigen - Fram und Kon-Tiki - und später bei der ersten wieder einsteigen, das macht es am Abend leichter einen Platz für die Rückfahrt zu bekommen).

         

Das Museum hat es in Sicht: Hier kann man drei Wikingerschiffe, das Oseberg-, Gokstadt- und Tune-Schiff aus ca. dem Jahre 850 besichtigen. Speziell das nur für Zeremonien genutzte Oseberg-Schiff (es war nicht Hochseetauglich) ist sehr berühmt und wurde in einem sagenhaften Zustand 1904 unter einem Grabhügel auf dem Oseberg-Hof gefunden. In dem Schiff wurden zwei weibliche Skelette sowie viele Grabbeigaben gefunden, wie hölzerne Schlitten und einen Wagen, die ebenfalls sehr beeindrucken! In einem der anderen beiden Schiffe wurde ein männliches Skelett eines (zur damaliger Zeit) Hünen von über 1,80 Metern gefunden. Man geht heute davon aus, dass dies auf einen Hypophysentumor zurückzuführen war. Diese Größe hat ihn offensichtlich eine besondere Stellung verliehen. Ich hätte ihm somit zwar auf den Kopf spucken können, er hätte mir dafür aber wahrscheinlich alle Knochen gebrochen ;-).

  

Nun, vor diesen alten Artefakten zu stehen ist einfach enorm und so haben wir uns schwer beeindruckt zum nächsten Museum, dem Fram-Museum, aufgemacht. In diesem wir das Polarexpeditionsschiff Fram ausgestellt, um das im Original einfach ein dreieckiges Gebäude gebaut wurde. Hier sind detaillierte Informationen zu allen Expeditionen inkl. Hintergrundinformationen sehr gut dargestellt (natürlich auch der Wettlauf zum Südpol zwischen Amundsen und Scott, wofür die Fram von Amundsen ebenfalls genutzt wurde). Man kann durch das Schiff gehen und auch die Kojen der Abenteurer anschauen. Daneben gibt es noch die kleinere Goya, die nicht weniger Geschichtsträchtig ist. Bombastisch!

    

Nach zwei Museen, die jede Sekunde wert sind, waren wir aber auch entsprechend Informationsüberflutet und geschafft. Trotzdem sind wir noch "kurz" ins Kon-Tiki-Museum abgebogen (ist ja in der Oslo-Karte enthalten), das direkt daneben liegt und die unglaubliche Ozeanüberquerung des experimentellen Archäologen Thor Heyerdahl dokumentiert, der damit 1947 bewiesen hat, dass es möglich ist von Südamerika aus Polynesien mit den typischen Balsaholzfloßkonstruktionen zu besiedeln. Dazu gibt es übrigens auch einen Dokumentarfilm, der nicht nur hier im Museum zu sehen ist. Viele Jahre später ist Heyersdal noch mit dem Papyrusboot Ra II nach ägyptischer Vorbild von Nordafrika nach Amerika gesegelt. Trotz nur kurzem Besuch war auch das den Abstecher mehr als Wert und wir fanden es nur schade, dass wir nicht genügend Zeit hatten.

Die anderen Museen haben wir hier ausgelassen. Das wäre weder zeitlich noch geistig zu bewältigen gewesen.

Damit geschafft haben wir uns nach kurzer Wartezeit (s. Tipp oben) wieder mit der Fähre zurück zum Hafen gemacht und sind etwas zu Abend essen gegangen - natürlich nicht ohne ein weiteres Hurricane-Glas von HardRockCafe abzuholen. Auch hier sind die weiblichen Kellner Samuels Charme widerstandslos erlegen.

   

4. Tag - Ein Highlight fast verpasst

          

Um unsere 24h-Oslokarte auch entsprechend auszunutzen, sind wir recht bald am nächsten Vormittag zum weiteren Höhepunkt Oslos gefahren: den Vigelandpark. Der Park ist mit einer immensen Vielzahl an Skulpturen des Bildhauers Gustav Vigeland ausgestattet und zeigt die enorme Schaffenskraft dieses Künstlers. Wir hatten eigentlich mit einer "langweiligen Serie von Kunst" gerechnet, waren aber dann doch äußerst positiv überrascht ob der starken Ausstrahlungskraft der Figuren. Vor allem die Gesichtsmimik ist unbeschreiblich einnehmend. Die verschiedenen Skulpturserien (mal in Bronze, mal in Beton) zeigen die Stadien des menschlichen Lebenszyklus von Geburt bis zum Tod. Höhepunkt ist der 17 Meter hohe Monolit aus 121 Figuren. Da konnte auch der wieder beginnende Regen nicht trüben.

       

Einziger "Wehrmutstropfen" war nur, dass der Park kostenlos gewesen ist und wir diesen nicht in der wertvollen Zeit der Oslocard hätten besuchen müssen.

   

Für den Nachmittag war als zweiter Programmpunkt ein lockerer Stadtspaziergang durch Oslo ohne Shoppen - denn leider sind hier anders als in Schweden so ziemlich alle Läden am Sonntag zu. Unser Weg hat uns vom Hauptbahnhof über die Karl Johans Gate zum Kongelige Slott geführt - putzig, oder? Hier war gerade Wachablösung - ein folklorischer Show-Event. Juliane hat sich sogar getraut alleine zum Wachposten zu laufen. Mit wehenden Sprungschritten flog sie dann aber umso schneller wieder zu uns zurück.

       

Die königliche Familie zeigt sich ganz volksnah und so sucht man "vergeblich" wie in London nach Absperrzäunen, durch die man in großem Abstand das königliche Schloss sehen kann. Statt dessen spaziert man direkt über den breiten Zuweg von der Karl Johans Gate zum Schloss. Einzig direkt vor dem Hauptportal ist dann doch Schluss und im königlichen Park zu grillen ist auch verboten ;-) Herrn und Frau König haben wir sehr zu Julianes Leidwesen nicht gesehen.

Zurück sind wir natürlich jetzt wieder mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren. Es lohnt sich hierbei die Tickets im Vorfeld am Automaten zu kaufen, da sie im Bus oder der Bahn immer deutlich teurer sind. Und Ruter (der Verkehrsbetreiber) bietet auch noch eine coole Reisegarantie: Wenn man durch ihre Verspätungen mehr als 20 Minuten zu spät zum geplanten Ziel kommt, übernehmen sie die Taxikosten bis zu 500 NOK (ca. 50 €). Na da könnten sich unsere Verkehrsbetriebe mal eine gehörige Portion abschneiden ;-)

Als wir bereits gegessen hatten, hat sich Yvi noch auf den Weg zum Holmenkollen gemacht, auf dem die älteste Skisprungschanze der Welt ihren Sitz hat. Diese soll nur 15 Minuten von unserem Campingplatz entfernt liegen - was tatsächlich aber nur ca. 5 Minuten waren. Ich hatte partout keine Lust auf noch ein Sightseeing-Highlight und schon gar nicht auf eine Sportstätte. Was sollte ich mich täuschen!

Die alte Holmenkollenbakken von 1892 wurde 17 mal umgebaut und erweitert, bevor sie 2008 durch einen Neubau ersetzt wurde. Und der ist enorm beeindruckend. Nachdem mich Yvi nach ihrer Rückkehr ca. 1 Stunde später begeistert schwärmend davon überzeugt hat, den kurzen Weg zu fahren, konnte ich mich von meinem Irrtum selbst überzeugen: es wäre ein großer Fehler gewesen den Holmenkollen nicht zu besuchen!!

Dieses Bauwerk kann man nicht beschreiben und die brutale Steigung nicht im Bild einfangen, es ist einfach Gänsehauterzeugend. Nur direkt vor Ort kann erst man die Leistung erahnen, die die Skispringer hier in den großen Wettbewerben erbringen - und was das für ein Nervenkitzel sein muss. Mit der Oslocard hätten wir umsonst per Aufzug zum Startpunkt ganz oben in der Schanze fahren können. Jetzt um 22 Uhr war die Schanze natürlich geschlossen. Nichtsdestotrotz oder gerade weil nicht mehr viel los ist, kann man mit dem Auto direkt bis zum Auslaufpunkt der Skispringer fahren, indem man einfach der ringförmigen Straße zur Schanze folgt, unter der Schanze durchfährt und am Ende auf einem Parkplatz am Fuß der Schanze ankommt. Die Zuschauerränge und sind frei begehbar, die Schanze selbst gesperrt. Das hält ein paar "Sportler" nicht davon ab vom Fuß der Schanze aus die vielen Treppenstufen hochzulaufen, bis sie ganz oben etwas sehr illegal schwer atmend angekommen sind, um von dort den herrlichen Ausblick zu genießen. Hätte ich das auch gemacht, wäre ich wohl über den Rücken der Schanze durch ein Absperrgitter geklettert, hätte mir am Pulli eine Masche aufgerissen, wäre nach einigen Pausen an den Abfahrstellen schwer atmend mit einem eisernen Geschmack im Mund angekommen und hätte das unglaubliche Panorama zwar einerseits genossen, andererseits aber als ehrliche Haut immer mit schlechtem Gewissen nach der sicher heraneilenden Polizei Ausschau gehalten… wenn ich denn hochgegangen wäre… das werde ich hier sicher nicht auflösen ;-P

Julianes & Samuels Reiseeintrag:

Juliane:
Die Wikinger hätte ich soooo gerne kennengelernt. Papas Erklärung, warum das nicht ginge, ist nicht so wirklich verständlich. Was heißt denn ausgestorben? Und wieso sind Norwinger die Nachfahren? Ich glaube eher, dass die Wikinger drei Schiffe gebaut haben, die man nicht anfassen kann und die Norwinger ein Schiff, das man anfassen kann. Das habe ich Papa auch so erklärt. Ist doch logisch einfach so!

Samuel:
Ermüdend - nichts als "Highlights"! Jeden Tag schleppen mich die beiden von einem Ort zum andern und sind aus ihrer Begeisterung auch mit viel Schreien nicht zu reißen. Da kann man nur mit essen reagieren. Immerhin gibt es meist Treppen - und Autos. Aber Treppen sind jetzt fast schon besser. Und technische Geräte. Papas Kamera gefällt mir seeeehr gut. Warum ich damit nicht spielen darf, verstehe ich nicht. Nehme ich halt die Stirnlampe zum Telefonieren.