In Bergen, der zweitgrößten Stadt Norwegens, sind wir in strömenden Regen auf dem etwas archaischen Campingplatz (Bratland Camping), bei dem sich jeder irgendwie und irgendwo einen Platz sucht, was in tlw. sehr chaotisch gestellten Wagen endet, angekommen. Unser Wohnwagenerfahrener Freund Sascha hat absolut recht: Die Höchststrafe ist das Vorzelt im Regen aufzubauen. Ich war schneller nass, als ich Heringe in den Boden schlagen konnte.
Da unser Superzelt ja bekannte Mängel hat, über die ich schon ausführlich hergezogen habe, musste ich es gegen Windböen so sichern, dass nicht die Stützstangen bei jedem Windstoß aus ihrer nicht vorhandenen Führung gehoben wurden und danach das Zeltdach (sehr unvorteilhaft fürs Zelt) gestützt haben. Ein sehr launiges Unterfangen bei Dauerregen!
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1. Tag - Schwämme imprägnieren
Die Wolkenfetzen wabern am nächsten Morgen die baumbewachsenen Berghänge entlang und ziehen das Tal, in dem unser Campingplatz liegt, hinauf. Hätte ich einen Rucksack auf, würde ich mich zurück in 2008 in die Pyrenäen auf den Jakobsweg versetzt fühlen: grün, kühl und vor allem nass.
Bergen ist nicht umsonst Europs regenreichste Stadt. Es gab vor einigen Jahren wohl sogar den negativen Rekord von 104 Regentagen - von Juni bis Oktober! So zumindest die Aussage des Campingplatzangestellten. Den Rekord möchten sie verständlicherweise nicht einstellen.
Samuel studiert schon mal die Aktivitäten
Wir haben nun auch den in Spanien erstandenen Badlüfter reaktiviert, nachdem unsere nassen Sachen von gestern immer noch nass bzw. tlw. auch nur klamm sind. Unsere Regenjacken verdienen inzwischen das Prädikat "Saugstark". Anfangs sind wir gestern noch zumindest am Oberkörper trocken geblieben. Das lag aber leider mitnichten an der hohen Regendichtigkeit sondern vielmehr daran, dass sich erstmal unsere etwas betagteren Jack-Wolfskin-Jacken vollgesogen haben, bevor sie ihre Nässe wie in einer übervollen Windel an den Träger weiterreichen. Da sind vielleicht noch die Innentaschen imprägniert. In einem Sportgeschäft haben wir den Tipp bekommen, die Jacken erst warm (nicht heiß) zu waschen, dann feucht zu trocknen, einzusprühen, 20 Minuten einziehen lassen, danach nochmal 20 Minuten warm (nicht heiß) in den Trockner und fertig - hat wirklich prima geklappt! Werden wir uns merken!
Für die nächsten zwei Tage haben wir uns die Bergencard gekauft. Eine Karte ähnlich wie in Oslo, mit der man die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen kann, kostenlos parken darf sowie in den meisten Museen keinen Eintritt bezahlt und viele weitere Vergünstigungen und Rabatte bekommt. Die Karte ist entweder 24, 48 oder 72h gültig. Mit dem Bus kommen wir bequem vom Campingplatz nach Bergen mit einmal Umsteigen in die Straßenbahn. Die einfache Fahrt würde sonst für uns 36 NOK (am Automaten - gibt es aber nicht überall) bzw. 50 NOK (direkt im Bus) kosten. Dafür wäre jeweils ein Kind umsonst bei einem Erwachsenen enthalten.
Wir haben die 48h-Karte genommen (auch für Juliane, denn Kinder zahlen leider bereits ab 3 Jahren). Ob sie sich lohnt wird sich herausstellen, aber der klare Vorteil und letztendliche ausschlaggebende Kaufgrund war: wir können so auch mal in ein Museum oder sonstiges Angebot reinschauen, was wir sonst vielleicht nicht gemacht hätten, weil uns der Eintrittspreis zum Reinschnuppern zu hoch ist.
Bergen ist die "deutschste Stadt Norwegens", da sie früher durch die deutsche Hanse maßgeblich geprägt wurde. Diese haben einen florierenden Seehandel aufgezogen, was heute noch im alten Hanseviertel Bryggen (oder Tyskebryggen - Deutsche Brücke) zu erkennen ist. Hier stehen noch die alten Hansekontore. Allerdings ist davon nur noch eines im Original, die andere sind Feuern oder Abrissen zum Opfer gefallen. Heute sind die alten Häuser originalgetreu wiederaufgebaut. Im Originalhaus befindet sich das Hanse-Museum, das einzige das uns interessiert hätte, aber leider nicht im Bergenpass enthalten ist. Und die greifen auch gleich richtig mit 150 NOK pro Person zu. Das war uns dann doch für einen kurzen Besuch (länger geht meist mit den beiden Zwergen nicht) zu teuer. Schade.
Unser Spaziergang durch Bergen war vor allem durch die Pausen im Regen bestimmt. Wobei "Pause" so zu verstehen ist, dass der Regen nicht mehr ganz so dicht oder heftig fällt. Regnen tut es ansonsten eigentlich fast den ganzen Tag. Aus allen Richtungen! In allen Intensitäten!!! Wenn man den falschen Rhythmus wählt, dann kann es ruck zu sein, dass man bis auf die Haut durchnässt ist. Ich war ja kurz versucht einen der schicken dicken und festen Regenmäntel zu kaufen. Leider kosten die ca. 200 € - und da ist der weitere Nutzen außerhalb von Norwegen dann doch eher fraglich.
So sind wir mit einem unfreiwilligen Rundgang um die Festung Bergenhus (im dichten Regen haben wir das Abzweigschild nicht gesehen) zum Rosenkrantzturm und zur Håkonshalle gegangen. Diese beiden Bauten aus dem 13. Jahrhundert sind absolut sehenswert. Den Turm kann man in einem Rundgang von unten nach oben und zurück begehen und dabei die für damalige Verhältnisse sehr üppigen königlichen Gemächer sowie die Erweiterungen über die Jahre besichtigen. Auch wird hier anschaulich die englisch-dänisch-norwegisch-holländische Seeschlacht um holländische Handelsschiffe erklärt.
Danach haben wir noch die daneben liegende Håkonshalle bewundert. Diese von Håkon Håkonsson im 13. Jahrhundert gebaute Halle lässt erahnen wie beeindruckt Besucher gewesen sein mussten, wenn sie den König damals hier aufgesucht haben. Ein toller Bau! 1944 wurden Turm und Halle von der deutschen Wehrmacht unfreiwillig zerstört, als ein Munitionsschiff im Hafen von Bergen explodiert ist. Erst später hat man sie anhand von Bildern wiederaufgebaut. Auch dazu gibt es eine eindrucksvolle Bildausstellung.
Super Duper...! :-D
In Bergen gibt es direkt im Hafen viel frischen Fisch zu kaufen und auch direkt zu Touristenpreisen zu essen. Das haben wir auch gemacht. Tipp: wenn man von Bryggen durch die Gasse der Fischstände geht, lieber nicht den linken ersten Stand nehmen, außer man steht auf zu tote frittierten Fisch. Auf der rechten Seite ist es sehr viel besser, allerdings auch teurer. Am ersten Abend haben wir die linke "Erfahrung", am zweiten dann die rechte gemacht.
2. Tag - Wie wir es mit unseren Kindern verscherzen
Am Abend vorher haben wir nochmal die angebotenen Aktivitäten im überall kostenlos erhältlichen Bergenführer gelesen und uns einen Aktivitätenplan zusammengestellt. So werden Kajakausfahrten, Fahrradtouren oder alles in Kombination mit vorangehenden Zugfahrt angeboten. Die wollten wir machen. Um 7 Uhr startet der Zug zur 5 Stunden Panoramafahrt. Danach geht es zuerst mit dem Kajak weiter und später "erwartet der Tourguide Sie mit Fahrrädern und Helmen" - ob der auch eine Anhängerkupplung hat? Um 21 Uhr ist man dann zurück. 14 Stunden - das ist echter Urlaubsspaß! Hindernisse sollte es keine mit den Kindern geben, die sind sportlich und nach 3 Wochen Autofahren an viel Leid gewöhnt. Den Buggy schnallen wir auf das Kajak, nach einer Eskimorolle schüttelt sich unsere Wasserratte Samuel bloß. Juliane wäre da kritischer: ich höre schon ihr "nicht meine Haare, nicht meine Haare - Waschlappen… Waaaaschlappen!!!"
Für die Fahrradtour hängen wir den Fahrradanhänger beim Tourguide ran - dann haben wir wenigstens eine Chance mitzukommen. Die Planung bei ein oder zwei Gläschen Riesling (der neue 5 Liter-Weinschlauch ist angestochen) war sehr lustig und wir haben uns den Ablauf in den immer buntesteren Bildern ausgemalt ;-)
Unser Programm war dann im ausgeschlafenen Zustand an diesem Tag doch vom Typ "Familien-Standard". Immerhin hat es Petrus mit uns gut gemeint und es hat nicht (!) geregnet sondern es ist sogar ab und an die Sonne durchgeblitzt.
So motiviert sind wir zur alten Fantoft-Stabkirche im Bergener Stadtteil Fantoft aus dem 13. Jahrhundert gewandert, die leider am 6. Juni 1992 durch Brandstiftung vollständig abgebrannt ist und später originalgetreu wiederaufgebaut wurde. Ein paar verkohlte Balkenreste zeugen von dem Verbrechen. Stabkirchen (Stavkirke) haben dabei ihren Namen auf Grund der Säulen (Stav), die in ihrer Struktur das Skelett des Gebäudes bilden und den Rest vollständig tragen.
Juliane sehr stolz auf ihren neuen Nagellack :-)
Auf dem Weg zur und in der Stabkirche ist allerdings nicht viel los. Diese Sehenswürdigkeit scheint vor allem in deutschen Reiseführern beschrieben zu sein, den wenigen Besuchern nach zu urteilen. Der Spaziergang dorthin ist ziemlich schön (wenn man nicht gerade den ersten Wegweiser wie wir an der Haltestelle hinterm Supermarkt übersieht - man muss der Straße links hoch folgen!) und führt an wilden Himbeeren (über die sich Juliane hergemacht hat) und durch einen fast heimischen Wald.
Unser zweiter und letzter geplanter Punkt für den Tag war eine Fahrt in der Fløibanen auf den 320 Meter hohen Fløien. Die Standseilbahn benötigt dafür nur eine Strecke von 848 Metern und hat eine Steigung von 15-26°. Die ersten Wagons wurden übrigens von der Maschinenfabrik Esslingen in Esslingen am Neckar gebaut!
Der Ausblick von hier oben über das schöne Bergen mit seinen hübschen Häusern, dem Hafen mit Kreuzfahrtschiffen und den umliegenden Bergen ist einfach sagenhaft und wir waren sehr dankbar, denn gestern wäre das nicht möglich gewesen.
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Etwas spät sind wir dann wieder heruntergefahren (und daran hatten die Erstlingseltern, die vor mir endlos lange im Wickelraum zu zweit an ihrem kleinen Wurm rumgedoktert haben, allerdings keine Schuld) bevor wir auf einem kleinen Spaziergang durch das alte, von niedrigen kleinen Holzhäuschen gebildete Viertel an der Domkirche vorbei (lohnt leider nicht, da sie komplett eingerüstet ist) zum zweiten Fischabendessen mit Muscheln, Hummer, Krabben und Krebsen gegangen sind.
Blöderweise waren wir dadurch so spät dran, dass wir unseren stündlich fahrenden Bus exakt um eine Minute verpasst haben und ich dadurch nach einer unfreiwilligen Taxifahrt das Auto und damit die restlichen Mitfahrer eingesammelt habe (mangels Babysitz für Samuel konnten wir nicht alle im Taxi fahren - die Volvos hier hätten zumindest eine integrierte Sitzerhöhung für Juliane geboten).
Julianes & Samuels Reiseeintrag:
Unser Highlight des Tages war der tolle Kletterspielplatz. Hier konnten wir endlich mal prima lange den ganzen Nachmittag rumturnen, während Mama und Papa Kaffee getrunken haben. Mama hat einen "Handmade Muffin" gekauft. Papa hat dann lachend etwas von "muss wohl handmade ausgepackt sein" und einen gleichen Muffin aus der Wickeltasche gezogen, den wir zufällig noch bei einer Tankstelle auf dem Weg nach Bergen gekauft hatten.