In Geiranger hatten wir aus zeitlichen Gründen beschlossen, doch nicht mehr nach Alesund zu fahren - tatsächlich hätte uns vor allem Runde, eine mit vielen Seevogel- und anderen -tierarten besiedelte Insel nahe Alesund interessiert. Nach unserem Programm die letzten Tage wollten wir nicht noch mehr Marathonstrecken und Sightseeing-Spots unterbringen und sind daher über die Atlantikstraße direkt weiter nach Trondheim gefahren.
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Die Atlantikstraße ist eine der vielen Touristenstrecken, die in den letzten Jahren ausgebaut worden sind. So erfreuten wir uns hier einer gut befahrbaren Straße am Atlantik entlang, wenn auch mit sehr überfüllten Parkplätzen vor Aussichtspunkten. Die haben wir ohne anzuhalten passiert, da ich keinen gesteigerten Wert darauf gelegt habe, 8 Meter Anhänger irgendwie rückwärts aus einer verparkten Sackgasse zu manövrieren - und unser jüngster Mitfahrer deutliche Ermüdungserscheinungen bei den vielen Fahrten zeigt. Denn immer wenn das Auto auch nur zum Tanken anhält und der Motor ausgeht, zeigt er protestierend auf seinen roten Anschnaller und beginnt einen dermaßenden Zirkus zu veranstalten, dass wir nur noch mit vielen Keksen, Schnulli und Bespaßen weiterfahren können. Naja, ich kann es dem Kleinen auch nicht verdenken.
Unser Zwischenstopp war ein Campingplatz vor Kristiansund, der in deutscher Hand zu sein scheintgemacht und das absolute Anglerparadies sein muss. Hier dreht sich alles um Angeltouren und selbst im Wasch- und Trocknerraum hängen die Angelanzüge zum Trocknen - worüber sich vor allem unsere Wäsche gefreut hat, die beim Trocknen das nach Fisch stinkende Aroma eingeatmet hat.
Die Weiterfahrt am nächsten Tag war lediglich durch das "Highlight" eines echten Mauthäuschens vor dem Kristiansund-Tunnels unterbrochen bevor wir nachmittags westlich von Trondheim in Flakk direkt am Fähranleger nach Rørvik über den Trondheim-Fjord unsere Zelte, bzw. nur den Wohnwagen "aufgeschlagen" haben.
1. Tag - Das Kinderfestival
Da wir den stündlich fahrenden Bus knapp verpasst hatten, sind wir doch mit dem Auto das ca. 15 Kilometer lange Stück Küstenstraße nach Trondheim gefahren. Parken ist hier mal glücklicherweise nicht so teuer wie in anderen Städten - mit 100 Kronen für den Tag: fast ein Schnäppchen.
Natürlich haben wir uns den berühmten Nidarosdom angesehen, errichtet über dem Grab von Olaf dem Heiligen. Das Nationalheiligtum ist eine der bedeutendsten Kirchen Norwegens - und wir mittendrin in ca. 40 Schiffsreisegruppen. Die Westfassade ist sehr beeindruckend mit den Aposteln und vielen Heiligen wunderschön verziert. Noch fantastischer ist der Dom von innen. Die Fensterrose an der Westfassade leuchtet herrlich im Inneren - ich habe selten so etwas Schönes gesehen. Allerdings muss man dazu sagen, dass es nicht mehr Original ist. Das tut dem Eindruck aber nichts ab. Schade nur, dass für die 90 Kronen Eintritt der halbe Dom für irgendeinen Event gesperrt war. Sah irgendwie nach einer Trapeznummer aus.
Nein, Juliane war nicht wegen den ganzen anderen Besuchern angeleint. Sie war eine "Katze" an der Katzenleine... nettes Spiel mit Garantie für irritierte Blicke
Möchte man den Turm des Doms besteigen, wird man auf die 172 Stufen und die körperlichen Strapazen hingewiesen sowie auf den Extraeintritt von 40 Kronen. Leider kann der Turm nur von einer kleinen Gruppe von ca. 20 Personen alle halbe Stunde bestiegen werden und da kein Platz mehr war, haben wir den direkten Vergleich der Stufenanzahl mit dem Ulmer Münster ausfallen lassen. Ich bin mir aber sicher, dass das Ulmer Münster höher ist.
Der Nidarosdom ist auch Ziel verschiedener Pilgerwege (dem St. Olafspfad), die aus allen Himmelsrichtungen durch Skandinavien kommend hier enden ähnlich dem Jakobsweg in Santiago de Compostella und ich weiß schon, wo ich irgendwann mal wandern werde ;-)
Nach diesem geschichtsträchtigen Ausflug sind wir zufällig in das "Matfestival": das Essensfestival. Hier gibt es Essens- und Verkaufsstände mit verschiedenen Spezialitäten, Musik und Sitzmöglichkeiten. Vor allem aber eine ganze Standreihe spezielle für Kinder, in denen die verschiedenen Essenszubereitungen sehr anschaulich erklärt werden. Ob Fisch, Frucht, Getreide oder alles Mögliche andere, Kinder können hier selbst Hand anlegen und bekommen vor allem die Essensproben kostenlos. Toll gemacht! Und "Kind" kann sich da schon mal durchfuttern - also vor allem Samuel, während Juliane lieber gemalt hat.
Nach Sonnenuntergang und letztem Abendrot um 00:30 Uhr, sind wir dann ins Bett gefallen - die Kinder haben natürlich schon lange vorher geschlafen.
2. Tag - Samuel wird Opfer eines hinterhältigen Angriffs
Die vom Wikingerkönig Olaf I Trygvason 950 als Nidaros gegründete Stadt, war ein zentraler Handelsplatz der Wikinger und ist heute die drittgrößte Stadt Norwegens (ca. 190.000 Einwohner) vor allem von Studenten der Technischen Universität Trondheim (NTNU) bewohnt. Diese wunderschöne kleine Stadt mit ihren schmucken Häusern und dem königlichen Sommersitz war unser Fahrradziel heute.
Unglücklicherweise hat der Wind erheblich aufgefrischt und so sind wir mit deutlichem Gegenwind meist leicht Bergauf nach Trondheim gehechelt. Da könnten auch der 15 Kilo schwere Fahrradanhänger, 11 Kilo (das Schauspiel verpennenden) Samuel sowie eine 18 Kilo dösende Juliane beigetragen haben. Die knapp 45 Kilo Schleppanker haben sich bei 6% Steigung seeeehr bemerkbar gemacht, aber auch erfreulich bei 4% Gefälle ;-)
Verschwitzt aber glücklich standen wir dann irgendwann auf der alten Stadtbrücke (Gamle bybroen) zum Stadtteil Bakklandet, bestehend aus einer Zeile schöner Speicherhäuser, in denen heute hübsche Cafés und Restaurants beherbergt sind. Hier ist uns das Phänomen wieder begegnet, dass wir von (meist älteren) Leuten angesprochen werden, ob sie von Juliane und Samuel im Fahrradanhänger ein Bild machen dürften. Das wäre so putzig. Finden wir auch! Manchmal fotografieren vor allem Asiaten auch einfach so. Das nervt irgendwann dann doch.
Wir hatten gehofft hier in diesem Viertel ein nettes Fischrestaurant zu finden. Leider machen die meisten erst im Laufe des späten Nachmittags auf und so haben wir "echt Norwegisch" gegessen. Lecker, aber eben kein Fisch, sondern Fleisch. So gestärkt haben wir eine skurrile Attraktion Trondheims versucht auszuprobieren: ein Fahrradlift, mit dem Trondheim seine Initiative untermauert, die Fahrradfreundlichste Stadt Norwegens zu werden.
Leider waren wir zu blöd dafür, bzw. mit Fahrradanhänger geht es auch einfach nicht, da man sich von einem kleinen Metalldreieck unter dem Fuß nach oben schieben lassen muss. So lang sind meine Beine dann doch nicht, dass ich den Abstand verursacht durch den Fahrradanhänger ausgleichen könnte. Und so schnauften wir einmal mehr einen Buckel hoch - wenn auch freundlicherweise von einem anderen deutschen Tourist unterstützend geschoben - zur Festung Kristiansten, von der man aus einen tollen Ausblick ganz ohne 172 Stufen, dafür mit 217er Puls hat.
In der Sonne und mit Kaffee und Kuchen konnten wir uns man dann doch gut regenerieren und dabei die grandiose Aussicht auf diese sehr schöne Stadt genießen. Samuel und Juliane haben derweil das Gelände erkundet und beklettert. Samuel war dabei leider der Pechvogel des Tages. Nicht nur, dass er sich erst eine ziemliche Beule an der Stirn zugezogen hat, als er versucht hat sich etwas zu enthusiastisch unter einer der Kanonen aufzurichten, nein dann wurde er auch noch bösartig von einer Hummel angegriffen und gestochen, nur weil der sein freundlich gemeintes, biologisches Feldexperiment nicht gefallen hat. Dabei hat er sich wie wir es kennen liebevoll zärtlich zwischen Daumen und Zeigefinger hochgehoben, um sie zu begutachten. Das zumindest vermuten wir, denn gesehen haben wir nichts, sondern nur gehört. Und wenn Samuel mal so schreit, dann muss schon was ernstes passiert sein. Ich musste erstmal googeln, ob Hummeln überhaupt stechen können. Ja, können sie. Wenn es weibliche Hummeln sind. Männliche tun nur so mangels Stachel. Wie fies!
Aber Samuel ist einfach hart im Nehmen. Mit verbeulter Stirn und dickem roten Daumen saß er kurze Zeit später auf dem Cafestuhl und hat Kekse gefuttert ohne weiter zu weinen. Respekt! Die Hummel ist derweil sehr malad die restliche Zeit, bevor wir wieder aufgebrochen sind, im Kreis gelaufen. Da sind wohl zwei Unentschieden aus dem Rennen gegangen.
Bei der Rückfahrt hat der Wind glücklicherweise nicht wie angekündigt gedreht, um also wieder als Gegenwind ins Gesicht zu blasen. Und da die Strecke meist eben bzw. es leicht abwärts ging und wir leichten Rückenwind hatten, haben unsere Mitfahrer die eine Stunde Rückfahrt tapfer ohne einzuschlafen überstanden.
3. Tag - Shoppingausklang
Heute waren wir nur einkaufen. Hauptziel war einen Deichselfahrradträger zu finden, denn die dauernde Ein- und Ausladerei der Fahrräder nervt dann doch gewaltig. War dann doch nicht so einfach, denn nachdem ich dem Verkäufer erklärt habe, dass ich nicht einen Fahrradträger für die Anhängerkupplung sondern für die Deichsel suche, stellte sich heraus, dass das Teil nicht nur 50% mehr als in Deutschland kostet, sondern auch nur bei Campingausstatter zu finden ist. Und die sind ähnlich eng gesät wie in Deutschland.
Vielleicht hätten wir beim anschließenden Shoppingcenterbesuch für die Kinder sehr dicke und offensichtlich regendichte Matschsachen kaufen sollen. Die sahen wirklich äußerst strapazierfähig aus.
Schön war das Spieleparadies hier mit verschiedenen Rutsch- und Klettermöglichkeiten. Erst beim Rausgehen habe ich gemerkt, dass wir den fälligen Eintritt geprellt haben… 25 Kronen (ca. 2,5 €).
Damit haben wir den nördlichsten Punkt unserer Reise erreicht. Ab jetzt geht es wieder nach Süden nach Schweden. Mal sehen was uns erwartet. So ein bisschen wehmütig werden wir allerdings schon...
Julianes & Samuels Reiseeintrag:
Juliane:
Besonders spannend fand ich die Schiffe hier. Ich könnte ewig den Fähren beim Ein- und Auslaufen sowie Be- und Entladen zuschauen. Papa hat mir bei der Fahrradtourrückfahrt aber gar nicht den Campingplatz und Fähren von der Straße aus gezeigt. Mir doch egal, wenn da Bäume sind. Da muss man doch einen Zornanfall bekommen…
Samuel:
Gemein, ich wollte beim Gelb-schwarzen Puschelding doch nur Ei-ei machen. Da beißt es einfach.
Und was soll das heißen, ich mache Zirkus wenn ich "mal" im Autositz eine Strecke mitfahren soll. Ich sitze ja nicht nur im Autositz und werde angeschnallt, nein auch im Buggy und im Fahrradanhänger und bei langen und kurzen Fahrten… Euch möchte ich mal hören…